Malern und Tape­zie­ren – haus­halts­na­he Dienst­leis­tung oder Hand­wer­k­erleis­tung?

Bei Maler- und Tape­zier­ar­bei­ten an Innen­wän­den und Decken han­delt es sich nicht um haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten, die als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen i.S. des § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG begüns­tigt sind, son­dern um hand­werk­li­che Tätig­kei­ten, wel­che die Steu­er­be­güns­ti­gung für Hand­wer­k­erleis­tun­gen nach § 35a Abs. 2 Satz 2 EStG ver­mit­teln.

Malern und Tape­zie­ren – haus­halts­na­he Dienst­leis­tung oder Hand­wer­k­erleis­tung?

Um das fest­zu­stel­len, bedurf­te es frei­lich eines Urteils des Bun­des­fi­nanz­hofs. Gesun­der Men­schen­ver­stand reich­te offen­sicht­lich nicht.

Nach § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG ermä­ßigt sich für die Inan­spruch­nah­me von haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen, die nicht Dienst­leis­tun­gen nach Satz 2 sind und in einem inlän­di­schen Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den, die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er, ver­min­dert um die sons­ti­gen Steu­er­ermä­ßi­gun­gen, auf Antrag um 20 %, höchs­tens 600 €, der Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen. Die Auf­wen­dun­gen dür­fen weder Betriebs­aus­ga­ben, Wer­bungs­kos­ten oder Auf­wen­dun­gen für eine gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung im Sin­ne des § 8 SGB IV dar­stel­len noch als Son­der­aus­ga­ben oder außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung berück­sich­tigt wor­den sein.

Der Begriff "haus­halts­na­he Dienst­leis­tung" ist gesetz­lich nicht näher bestimmt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 1 müs­sen die Leis­tun­gen eine hin­rei­chen­de Nähe zur Haus­halts­füh­rung auf­wei­sen bzw. damit im Zusam­men­hang ste­hen. Dazu gehö­ren Tätig­kei­ten, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts oder ent­spre­chend Beschäf­tig­te erle­digt wer­den und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den anfal­len. Der erken­nen­de Senat hat dabei den Begriff "haus­halts­nah" als sinn­ver­wandt mit dem Begriff "haus­wirt­schaft­lich" ange­se­hen.

Haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten sind sol­che, die übli­cher­wei­se zur Ver­sor­gung der dort leben­den Fami­lie in einem Pri­vat­haus­halt erbracht wer­den. Dazu gehö­ren u.a. Ein­kau­fen von Ver­brauchs­gü­tern, Kochen, Wäsche­pfle­ge, Rei­ni­gung und Pfle­ge der Räu­me, des Gar­tens und auch Pfle­ge, Ver­sor­gung und Betreu­ung von Kin­dern und kran­ken Haus­halts­an­ge­hö­ri­gen 2. Ver­rich­tun­gen, die zwar im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen aus­ge­übt wer­den, aber kei­nen Bezug zur Haus­wirt­schaft haben, zäh­len dem­nach nicht zu den haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen.

Auch (ein­fa­che) hand­werk­li­che Tätig­kei­ten in der zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­ten Woh­nung bzw. dem Haus des Steu­er­pflich­ti­gen, etwa Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren oder klei­ne Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten 3 wur­den zu den haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen im Sin­ne von § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG in der bis ein­schließ­lich Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 gel­ten­den Fas­sung gezählt. Aus­bes­se­rungs- und Erhal­tungs­maß­nah­men, die übli­cher­wei­se durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts oder ent­spre­chen­de Beschäf­tig­te, bei­spiels­wei­se einen Haus­meis­ter, erle­digt wer­den und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den anfal­len, haben eine hin­rei­chen­de Nähe zur Haus­halts­füh­rung bzw. ste­hen damit im Zusam­men­hang. Der­ar­ti­ge Tätig­kei­ten, nicht aber (qua­li­fi­zier­te) Hand­wer­k­erleis­tun­gen, die im Regel­fall nur von Fach­kräf­ten durch­ge­führt wer­den, sind des­halb als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen steu­er­min­dernd berück­sich­tigt wor­den 4.

Mit dem Gesetz zur steu­er­li­chen För­de­rung von Wachs­tum und Beschäf­ti­gung (Förd­WachsG) vom 26. April 2006 hat der Gesetz­ge­ber den Anwen­dungs­be­reich des § 35a EStG ab dem Jahr 2006 (§ 52 Abs. 50b Satz 2 EStG i.d.F. des Förd­WachsG) aus­ge­wei­tet. Nach § 35a Abs. 2 Satz 2 EStG i.d.F. des Förd­WachsG wird seit­her auch die Inan­spruch­nah­me von Hand­wer­k­erleis­tun­gen für Renovierungs‑, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men steu­er­be­güns­tigt.

Die neue Vor­schrift erfasst zum einen die –bis­lang nicht nach § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG begüns­tig­ten– qua­li­fi­zier­ten Hand­wer­k­erleis­tun­gen, also sol­che, die im Regel­fall nur von Fach­kräf­ten durch­ge­führt wer­den. Aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung soll § 35a Abs. 2 Satz 2 EStG i.d.F. des Förd­WachsG jedoch für alle hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten gel­ten, unab­hän­gig davon, ob es sich um regel­mä­ßig vor­zu­neh­men­de Reno­vie­rungs­ar­bei­ten oder um Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men han­delt. Begüns­tigt wer­den hand­werk­li­che Tätig­kei­ten, die von Mie­tern und Eigen­tü­mern für die zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­te Woh­nung in Auf­trag gege­ben wer­den, z.B. das Strei­chen und Tape­zie­ren von Innen­wän­den, die Besei­ti­gung klei­ne­rer Schä­den, die Erneue­rung eines Boden­be­lags (Tep­pich­bo­den, Par­kett oder Flie­sen), die Moder­ni­sie­rung des Bade­zim­mers oder der Aus­tausch von Fens­tern. Hier­zu gehö­ren auch Auf­wen­dun­gen für Renovierungs‑, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­ar­bei­ten auf dem Grund­stück, z.B. Gar­ten- und Wege­bau­ar­bei­ten 5.

Danach wer­den nun­mehr sämt­li­che hand­werk­li­che Tätig­kei­ten, also auch ein­fa­che hand­werk­li­che Ver­rich­tun­gen, etwa regel­mä­ßi­ge Aus­bes­se­rungs- und Erhal­tungs­maß­nah­men, die bis­lang durch die Recht­spre­chung als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen unter § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG gefasst wor­den sind, von dem neu­en Satz 2 in der Fas­sung des Förd­WachsG erfasst. Folg­lich über­schnei­den sich die Anwen­dungs­be­rei­che der Sät­ze 1 und 2 des § 35a Abs. 2 EStG i.d.F. des Förd­WachsG nicht. Die bis ein­schließ­lich Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 erfor­der­li­che Unter­schei­dung nach ein­fa­chen und qua­li­fi­zier­ten Hand­wer­k­erleis­tun­gen ist damit nicht län­ger erfor­der­lich.

Nach die­sen Grund­sät­zen han­delt es sich bei den streit­ge­gen­ständ­li­chen Arbei­ten (Maler- und Tape­zier­ar­bei­ten im Trep­pen­haus und im Flur) nicht um haus­wirt­schaft­li­che Ver­rich­tun­gen, die als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen nach § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG begüns­tigt sind, son­dern um hand­werk­li­che Tätig­kei­ten, wel­che die Steu­er­be­güns­ti­gung für Hand­wer­k­erleis­tun­gen nach § 35a Abs. 2 Satz 2 EStG ver­mit­teln. Hier­von ist auch das FG aus­ge­gan­gen und hat den Klä­gern des­halb die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG für die Maler- und Tape­zier­ar­bei­ten zu Recht ver­sagt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Mai 2010 – VI R 4/​09

  1. in BFH, Urtei­le vom 01.02.2007 – VI R 77/​05, BFHE 216, 526, BSt­Bl II 2007, 760; und VI R 74/​05, BFH/​NV 2007, 900[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 216, 526, BSt­Bl II 2007, 760[]
  3. so auch FG Mün­chen, Urteil vom 30.06.2005 – 5 K 2262/​04, EFG 2005, 1612; FG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 02.09.2004 – 4 K 2030/​04, EFG 2004, 1769[]
  4. BFH, Urteil vom 29.01.2009 – VI R 28/​08, BFHE 224, 255, BSt­Bl II 2010, 166[]
  5. BT-Drs. 16/​643, 10; und BT-Drs. 16/​753, 11[]