Mus­ter­ver­fah­ren und Vor­läu­fig­keits­ver­mer­ke

Wegen anhän­gi­ger Mus­ter­ver­fah­ren sind bei der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung die fol­gen­den Punk­te vom Ver­an­la­gungs­fi­nanz­amt mit einem Vor­läu­fig­keits­ver­merk zu ver­se­hen:

Mus­ter­ver­fah­ren und Vor­läu­fig­keits­ver­mer­ke
  1. Anwen­dung des § 9 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2, Satz 3 letz­ter Halb­satz EStG
    in der Fas­sung des Steu­er­än­de­rungs­ge­set­zes 2007 (Ent­fer­nungs­pau­scha­le)
    Die­ser Vor­läu­fig­keits­ver­merk ist sämt­li­chen Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zun­gen sowie sämt­li­chen Beschei­den über die geson­der­te Fest­stel­lung von Ein­künf­ten für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2007 bei­zu­fü­gen. In die­sen Fäl­len ist auch bei Vor­lie­gen der wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen auf Antrag des Steu­er­pflich­ti­gen Aus­set­zung der Voll­zie­hung zu gewäh­ren. Der Vor­läu­fig­keits­ver­merk umfasst auch die Fra­ge, ob die Höhe der Ent­fer­nungs­pau­scha­le ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Er umfasst auch mit­tel­ba­re Wir­kun­gen, wie bei­spiels­wei­se bei der Prü­fung des Über­schrei­tens von Ein­kunfts­gren­zen (z. B. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG, § 33a Abs. 1 Satz 4 EStG).
    1. Beschränk­te Abzieh­bar­keit von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen (§ 10 Abs. 3 EStG)
      – für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me vor 2005 -
    2. Beschränk­te Abzieh­bar­keit von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen (§ 10 Abs. 3, 4, 4a EStG)
      – für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2005 -

    Die­see bei­den Vor­läu­fig­keits­ver­mer­ke umfas­sen auch die beschränk­te Abzieh­bar­keit von Bei­trä­gen zu Kran­ken­ver­si­che­run­gen sowie die Fra­ge, ob die ange­führ­ten gesetz­li­chen Vor­schrif­ten auf­grund der Neu­re­ge­lung der Ren­ten­be­steue­rung durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz ver­fas­sungs­wid­rig sind.

  2. Nicht­ab­zieh­bar­keit von Bei­trä­gen zu Ren­ten­ver­si­che­run­gen als vor­weg­ge­nom­me­ne
    Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten im Sin­ne des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buch­sta­be a EStG
    (für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me vor 2005)
  3. Besteue­rung der Ein­künf­te aus Leib­ren­ten im Sin­ne des § 22 Nr. 1 Satz 3
    Buch­sta­be a Dop­pel­buch­sta­be aa EStG für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2005
  4. Anwen­dung des § 24b EStG (Ent­las­tungs­be­trag für Allein­er­zie­hen­de) für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2004
    Die­ser Vor­läu­fig­keits­ver­merk umfasst nur die Fra­ge, ob § 24b EStG Ehe­gat­ten in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se benach­tei­ligt. Er ist daher Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zun­gen nur bei­zu­fü­gen, wenn ein Fall des § 26 Abs. 1 EStG und der Prü­fung der Steu­er­frei­stel­lung nach § 31 EStG vor­liegt.
  5. Anwen­dung des § 32 Abs. 7 EStG (Haus­halts­frei­be­trag) für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me
    2002 und 2003
    Der Vor­läu­fig­keits­ver­merk umfasst sowohl die Fra­ge, ob die Abschmel­zung des Haus-halts­frei­be­trags (§ 32 Abs. 7 EStG) ver­fas­sungs­wid­rig ist, als auch die Fra­ge, ob § 32 Abs. 7 EStG Ehe­gat­ten in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se benach­tei­ligt.
  6. Nicht­be­rück­sich­ti­gung pau­scha­ler Wer­bungs­kos­ten bzw. Betriebs­aus­ga­ben in Höhe
    der steu­er­frei­en Auf­wands­ent­schä­di­gung nach § 12 des Geset­zes über die Rechts­ver-
    hält­nis­se der Mit­glie­der des Deut­schen Bun­des­ta­ges.
    Fer­ner sind Fest­set­zun­gen des Soli­da­ri­täts­zu­schlags hin­sicht­lich der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Soli­da­ri­täts­zu­schlag­ge­set­zes 1995 vor­läu­fig vor­zu­neh­men.

    Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 10. März 2008 – IV A 4 – S 0338/​07/​0003 DOK 2008/​0120491