Nicht abgel­tend besteu­er­te Kapi­tal­ein­künf­te – und der Spa­rer­frei­be­trag

Der Abzug des Spa­rer-Pausch­be­trags (§ 20 Abs. 9 EStG) von tarif­lich besteu­er­ten Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen i.S. des § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG ist aus­ge­schlos­sen.

Nicht abgel­tend besteu­er­te Kapi­tal­ein­künf­te – und der Spa­rer­frei­be­trag

Zwar wird im Schrift­tum der unmit­tel­ba­re Abzug des Spa­rer-Pausch­be­trags von tarif­lich zu besteu­ern­den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen i.S. des § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG für mög­lich erach­tet 1.

Der Bun­des­fi­nanz­hof schließt sich jedoch der ent­ge­gen­ge­setz­ten Auf­fas­sung an, die einen unmit­tel­ba­ren Abzug des Spa­rer-Pausch­be­trags von Ein­künf­ten, die gemäß § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG tarif­lich zu besteu­ern sind, ver­neint 2. Das Gesetz lässt es im Rah­men des § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 EStG nicht zu, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger unab­hän­gig vom Vor­lie­gen tat­säch­li­cher Wer­bungs­kos­ten von sei­nen Kapi­tal­ein­künf­ten stets den Spa­rer-Pausch­be­trag abzie­hen kann. Gemäß § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 EStG fin­det § 20 Abs. 9 EStG bei der Ermitt­lung der tarif­lich zu besteu­ern­den Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen kei­ne Anwen­dung. Für die­se Ein­künf­te tritt gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 EStG die Rege­lung des § 20 Abs. 9 EStG auch nicht an die Stel­le der §§ 9, 9a EStG, son­dern letz­te­re sind bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te anzu­wen­den. Tat­säch­lich abge­flos­se­ne Wer­bungs­kos­ten hat der Anle­ger im Zusam­men­hang mit den tarif­lich zu besteu­ern­den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen für das Streit­jahr nicht gel­tend gemacht.

Der Gesetz­ge­ber war auch nicht ver­pflich­tet, im Rah­men des § 20 Abs. 9 EStG für tarif­lich zu besteu­ern­de Kapi­tal­ein­künf­te Aus­nah­me­re­ge­lun­gen der­ge­stalt zu schaf­fen, dass bei feh­len­den oder den Spa­rer-Pausch­be­trag unter­schrei­ten­den Wer­bungs­kos­ten stets der Spa­rer-Pausch­be­trag abge­zo­gen wer­den kann.

Der Gleich­heits­grund­satz gemäß Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet nicht, die für den Bereich der abgel­tend zu besteu­ern­den Kapi­tal­ein­künf­te gemäß § 32d Abs. 1 EStG ver­fas­sungs­ge­mä­ße Pau­scha­lie­rung von Wer­bungs­kos­ten gemäß § 20 Abs. 9 EStG in Form einer für alle Bezie­her von Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen gel­ten­den Steu­er­ver­güns­ti­gung aus­zu­ge­stal­ten, die gewähr­leis­tet, dass wenigs­tens ein Abzug des Spa­rer-Pausch­be­trags erfolgt, wenn tarif­lich besteu­er­te Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen gemäß § 32d Abs. 2 EStG vor­lie­gen und der Steu­er­pflich­ti­ge kei­ne oder gerin­ge­re Wer­bungs­kos­ten im Zusam­men­hang mit die­sen Ein­künf­ten getra­gen hat 3.

Die Ver­sa­gung eines Abzugs des Spa­rer-Pausch­be­trags von den § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG unter­fal­len­den Ein­künf­ten ver­stößt ins­be­son­de­re nicht gegen das objek­ti­ve Net­to­prin­zip. Bei feh­len­den oder den Spa­rer-Pausch­be­trag unter­schrei­ten­den Wer­bungs­kos­ten wür­de durch die Anwen­dung des Spa­rer-Pausch­be­trags kei­ne Besteue­rung der tat­säch­lich ange­fal­le­nen Net­to­er­trä­ge erreicht, son­dern ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug zuge­las­sen, der über die tat­säch­lich ange­fal­le­nen Wer­bungs­kos­ten hin­aus­geht. Der Aus­schluss des Spa­rer-Pausch­be­trags ver­bun­den mit der Eröff­nung der Abzugs­fä­hig­keit der tat­säch­lich ent­stan­de­nen Wer­bungs­kos­ten in § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 EStG ver­wirk­licht somit gera­de das Gebot der Aus­rich­tung der Steu­er­last an der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30. Novem­ber 2016 – VIII R 11/​14

  1. Schmid­t/We­ber-Grel­let, EStG, 35. Aufl., § 20 Rz 206[]
  2. FG Müns­ter, Urteil vom 16.07.2014 10 K 2637/​11 E, EFG 2014, 1793, rechts­kräf­tig nach Rück­nah­me der Revi­si­on im Ver­fah­ren – VIII R 49/​14; Jochum, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 20 Rz K 18[]
  3. FG Müns­ter, Urteil in EFG 2014, 1793, Rz 26[]
  4. FG Müns­ter, Urteil in EFG 2014, 1793, Rz 27[]