Nicht­ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft – und die Zusam­men­ver­an­la­gung

Die Part­ner einer nicht­ehe­li­chen ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Lebens­ge­mein­schaft kön­nen nicht zusam­men ver­an­lagt wer­den. § 2 Abs. 8 EStG fin­det auf ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner einer nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft kei­ne Anwen­dung.

Nicht­ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft – und die Zusam­men­ver­an­la­gung

Die Rechts­fra­ge, ob der in § 2 Abs. 8 EStG ver­wen­de­te Begriff „Lebens­part­ner” auch auf ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner einer nicht ein­ge­tra­ge­nen Lebens­ge­mein­schaft Anwen­dung fin­det, ist für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht wei­ter klä­rungs­be­dürf­tig, da sie anhand der gesetz­li­chen Grund­la­gen und der bereits vor­lie­gen­den Recht­spre­chung beant­wor­tet wer­den kann.

So hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits 2014 ent­schie­den, dass die Part­ner einer gleich­ge­schlecht­li­chen Lebens­ge­mein­schaft für Jah­re, in denen das Lebens­part­ner­schafts­ge­setz (LPartG) noch nicht in Kraft getre­ten war, kei­ne Zusam­men­ver­an­la­gung wäh­len kön­nen1. Zur Begrün­dung ver­wies der Bun­des­fi­nanz­hof dar­auf, dass das Gesetz in § 2 Abs. 8 EStG zwar ledig­lich von Lebens­part­nern und Lebens­part­ner­schaf­ten und nicht von Part­nern einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft und ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten spricht. Der Bun­des­fi­nanz­hof erklär­te es jedoch aus­drück­lich für unzu­läs­sig, aus die­ser Begriffs­wahl den Schluss zu zie­hen, dass Part­ner von Lebens­ge­mein­schaf­ten, die kei­ne Lebens­part­ner i.S. des LPartG sind, in den Genuss der steu­er­li­chen Vor­tei­le kom­men kön­nen, die bis zur Ein­fü­gung des § 2 Abs. 8 EStG allein Ehe­gat­ten vor­be­hal­ten waren.

Dabei wur­de auch auf den Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 07.05.20132 Bezug genom­men. In die­ser Ent­schei­dung weist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf den Schutz­auf­trag hin, der sich aus Art. 6 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes im Hin­blick auf das Insti­tut der Ehe ergibt. Aus die­sem Schutz­auf­trag wird die Auf­ga­be des Staa­tes abge­lei­tet, einer­seits alles zu unter­las­sen, was die Ehe beschä­digt oder sonst beein­träch­tigt, und ande­rer­seits auch die Ehe durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern3. Die Recht­fer­ti­gung der ein­fach­ge­setz­li­chen Pri­vi­le­gie­rung der Ehe gegen­über ande­ren Lebens­for­men stützt das BVerfG vor allem dar­auf, dass die Ehe mit recht­li­cher Ver­bind­lich­keit und in beson­de­rer Wei­se mit gegen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten aus­ge­stat­tet ist und sich so als dau­er­haf­te Paar­be­zie­hung dar­stellt. Inso­weit unter­schei­det sie sich von ande­ren unge­bun­de­nen oder weni­ger ver­bind­li­chen Paar­be­zie­hun­gen4.

Vor die­sem Hin­ter­grund inter­pre­tier­te der Bun­des­fi­nanz­hof die Vor­schrift des § 2 Abs. 8 EStG dahin­ge­hend, dass sie nur Lebens­part­ner einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft i.S. des LPartG erfasst, weil nur der­ar­ti­ge Part­ner­schaf­ten sich hin­sicht­lich der durch sie erzeug­ten recht­li­chen Bin­dun­gen und gegen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten her­kömm­li­chen Ehen der­art ange­nä­hert haben, dass eine steu­er­li­che Ungleich­be­hand­lung nicht mehr zu recht­fer­ti­gen ist.

Dar­aus folgt, dass ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner, die kei­ne Ehe geschlos­sen, schon man­gels Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 1 LPartG auch kei­ne Lebens­part­ner­schaft i.S. des LPartG begrün­det und damit auch kei­ne ver­gleich­ba­ren recht­li­chen Bin­dun­gen und gegen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten über­nom­men haben, nicht unter den Anwen­dungs­be­reich des § 2 Abs. 8 EStG fal­len5.

Dass der Gesetz­ge­ber in § 2 Abs. 8 EStG die Begrif­fe „Lebens­part­ner” und „Lebens­part­ner­schaf­ten” durch die Kon­junk­ti­on „und” ver­bun­den hat, deu­tet zwar dar­auf hin, dass er den bei­den Begrif­fen unter­schied­li­chen Inhalt zuwei­sen woll­te. Für die dar­aus gezo­ge­ne Schluss­fol­ge­rung, auch Part­ner einer nicht ein­ge­tra­ge­nen ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft soll­ten erfasst wer­den, fin­den sich nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs jedoch kei­ne Argu­men­te. Eben­so wenig set­zen sich die­se Ansicht mit nahe lie­gen­den alter­na­ti­ven Grün­den aus­ein­an­der, die zur frag­li­chen Begriffs­ver­wen­dung geführt haben könn­ten. So ver­wen­det zum einen auch das LPartG in sei­nen Ein­zel­be­stim­mun­gen die­se Begrif­fe und nicht die Begrif­fe „ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner” oder „ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft”. Zum ande­ren stellt § 2 Abs. 8 EStG die Begrif­fe „Lebens­part­ner” und „Lebens­part­ner­schaf­ten” den Begrif­fen „Ehe­gat­ten” und „Ehen” gegen­über, um den unter­schied­li­chen For­mu­lie­run­gen der für anwend­bar erklär­ten Rege­lun­gen des EStG gerecht zu wer­den (zur Ver­wen­dung des Begriffs Ehe­gat­te s. z.B. § 1a Abs. 1, § 3 Nr. 55c, § 12 Nr. 2 EStG; zur Ver­wen­dung des Begriffs Ehe s. z.B. § 26 Abs. 1 Satz 2, § 32a Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 EStG)6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. April 2017 – III B 100/​16

  1. BFH, Urteil vom 26.06.2014 – III R 14/​05, BFHE 246, 178, BSt­Bl II 2014, 829
  2. BVerfG, Beschluss vom 07.05.2013 – 2 BvR 909/​06, 2 BvR 1981/​06, 2 BvR 288/​07, BVerfGE 133, 377
  3. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 133, 377, Rz 81, m.w.N.
  4. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 133, 377, Rz 83 ff., m.w.N.
  5. s. dazu auch Musil in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 2 EStG Rz 940, wonach der Inhalt der Begrif­fe der Lebens­part­ner­schaft und der Lebens­part­ner dem des LPartG ent­spricht; eben­so Bod­den in Korn, § 2 EStG Rz 294; Kirch­hof in Kirch­hof, EStG, 16. Aufl., § 2 Rz 130, wonach der Gesetz­ge­ber sich in § 2 Abs. 8 EStG auf die blo­ße Umset­zung des BVerfG, Beschlus­ses in BVerfGE 133, 377 beschrän­ken woll­te
  6. zum Gene­ral­norm­cha­rak­ter der Vor­schrift s. BT-Drs. 17/​13870, S. 6, BT-Drs. 17/​14567