Nicht­ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft – und die Zusam­men­ver­an­la­gung

Die Part­ner einer nicht­ehe­li­chen ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Lebens­ge­mein­schaft kön­nen nicht zusam­men ver­an­lagt wer­den. § 2 Abs. 8 EStG fin­det auf ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner einer nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft kei­ne Anwen­dung.

Nicht­ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft – und die Zusam­men­ver­an­la­gung

Die Rechts­fra­ge, ob der in § 2 Abs. 8 EStG ver­wen­de­te Begriff „Lebens­part­ner“ auch auf ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner einer nicht ein­ge­tra­ge­nen Lebens­ge­mein­schaft Anwen­dung fin­det, ist für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht wei­ter klä­rungs­be­dürf­tig, da sie anhand der gesetz­li­chen Grund­la­gen und der bereits vor­lie­gen­den Recht­spre­chung beant­wor­tet wer­den kann.

So hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits 2014 ent­schie­den, dass die Part­ner einer gleich­ge­schlecht­li­chen Lebens­ge­mein­schaft für Jah­re, in denen das Lebens­part­ner­schafts­ge­setz (LPartG) noch nicht in Kraft getre­ten war, kei­ne Zusam­men­ver­an­la­gung wäh­len kön­nen [1]. Zur Begrün­dung ver­wies der Bun­des­fi­nanz­hof dar­auf, dass das Gesetz in § 2 Abs. 8 EStG zwar ledig­lich von Lebens­part­nern und Lebens­part­ner­schaf­ten und nicht von Part­nern einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft und ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten spricht. Der Bun­des­fi­nanz­hof erklär­te es jedoch aus­drück­lich für unzu­läs­sig, aus die­ser Begriffs­wahl den Schluss zu zie­hen, dass Part­ner von Lebens­ge­mein­schaf­ten, die kei­ne Lebens­part­ner i.S. des LPartG sind, in den Genuss der steu­er­li­chen Vor­tei­le kom­men kön­nen, die bis zur Ein­fü­gung des § 2 Abs. 8 EStG allein Ehe­gat­ten vor­be­hal­ten waren.

Dabei wur­de auch auf den Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 07.05.2013 [2] Bezug genom­men. In die­ser Ent­schei­dung weist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf den Schutz­auf­trag hin, der sich aus Art. 6 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes im Hin­blick auf das Insti­tut der Ehe ergibt. Aus die­sem Schutz­auf­trag wird die Auf­ga­be des Staa­tes abge­lei­tet, einer­seits alles zu unter­las­sen, was die Ehe beschä­digt oder sonst beein­träch­tigt, und ande­rer­seits auch die Ehe durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern [3]. Die Recht­fer­ti­gung der ein­fach­ge­setz­li­chen Pri­vi­le­gie­rung der Ehe gegen­über ande­ren Lebens­for­men stützt das BVerfG vor allem dar­auf, dass die Ehe mit recht­li­cher Ver­bind­lich­keit und in beson­de­rer Wei­se mit gegen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten aus­ge­stat­tet ist und sich so als dau­er­haf­te Paar­be­zie­hung dar­stellt. Inso­weit unter­schei­det sie sich von ande­ren unge­bun­de­nen oder weni­ger ver­bind­li­chen Paar­be­zie­hun­gen [4].

Vor die­sem Hin­ter­grund inter­pre­tier­te der Bun­des­fi­nanz­hof die Vor­schrift des § 2 Abs. 8 EStG dahin­ge­hend, dass sie nur Lebens­part­ner einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft i.S. des LPartG erfasst, weil nur der­ar­ti­ge Part­ner­schaf­ten sich hin­sicht­lich der durch sie erzeug­ten recht­li­chen Bin­dun­gen und gegen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten her­kömm­li­chen Ehen der­art ange­nä­hert haben, dass eine steu­er­li­che Ungleich­be­hand­lung nicht mehr zu recht­fer­ti­gen ist.

Dar­aus folgt, dass ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner, die kei­ne Ehe geschlos­sen, schon man­gels Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 1 LPartG auch kei­ne Lebens­part­ner­schaft i.S. des LPartG begrün­det und damit auch kei­ne ver­gleich­ba­ren recht­li­chen Bin­dun­gen und gegen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten über­nom­men haben, nicht unter den Anwen­dungs­be­reich des § 2 Abs. 8 EStG fal­len [5].

Dass der Gesetz­ge­ber in § 2 Abs. 8 EStG die Begrif­fe „Lebens­part­ner“ und „Lebens­part­ner­schaf­ten“ durch die Kon­junk­ti­on „und“ ver­bun­den hat, deu­tet zwar dar­auf hin, dass er den bei­den Begrif­fen unter­schied­li­chen Inhalt zuwei­sen woll­te. Für die dar­aus gezo­ge­ne Schluss­fol­ge­rung, auch Part­ner einer nicht ein­ge­tra­ge­nen ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft soll­ten erfasst wer­den, fin­den sich nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs jedoch kei­ne Argu­men­te. Eben­so wenig set­zen sich die­se Ansicht mit nahe lie­gen­den alter­na­ti­ven Grün­den aus­ein­an­der, die zur frag­li­chen Begriffs­ver­wen­dung geführt haben könn­ten. So ver­wen­det zum einen auch das LPartG in sei­nen Ein­zel­be­stim­mun­gen die­se Begrif­fe und nicht die Begrif­fe „ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner“ oder „ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft“. Zum ande­ren stellt § 2 Abs. 8 EStG die Begrif­fe „Lebens­part­ner“ und „Lebens­part­ner­schaf­ten“ den Begrif­fen „Ehe­gat­ten“ und „Ehen“ gegen­über, um den unter­schied­li­chen For­mu­lie­run­gen der für anwend­bar erklär­ten Rege­lun­gen des EStG gerecht zu wer­den (zur Ver­wen­dung des Begriffs Ehe­gat­te s. z.B. § 1a Abs. 1, § 3 Nr. 55c, § 12 Nr. 2 EStG; zur Ver­wen­dung des Begriffs Ehe s. z.B. § 26 Abs. 1 Satz 2, § 32a Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 EStG) [6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. April 2017 – III B 100/​16

  1. BFH, Urteil vom 26.06.2014 – III R 14/​05, BFHE 246, 178, BStBl II 2014, 829[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 07.05.2013 – 2 BvR 909/​06, 2 BvR 1981/​06, 2 BvR 288/​07, BVerfGE 133, 377[]
  3. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 133, 377, Rz 81, m.w.N.[]
  4. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 133, 377, Rz 83 ff., m.w.N.[]
  5. s. dazu auch Musil in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 2 EStG Rz 940, wonach der Inhalt der Begrif­fe der Lebens­part­ner­schaft und der Lebens­part­ner dem des LPartG ent­spricht; eben­so Bod­den in Korn, § 2 EStG Rz 294; Kirch­hof in Kirch­hof, EStG, 16. Aufl., § 2 Rz 130, wonach der Gesetz­ge­ber sich in § 2 Abs. 8 EStG auf die blo­ße Umset­zung des BVerfG, Beschlus­ses in BVerfGE 133, 377 beschrän­ken woll­te[]
  6. zum Gene­ral­norm­cha­rak­ter der Vor­schrift s. BT-Drs. 17/​13870, S. 6, BT-Drs. 17/​14567[]