Nut­zung eines Büro­ar­beits­plat­zes für Fort­bil­dungs­maß­nah­men

Steht einem Arbeit­neh­mer ein Büro­ar­beits­platz auch für betrieb­lich gewünsch­te Fort­bil­dungs­maß­nah­men (hier Sprach­kurs) zur Ver­fü­gung, schließt dies die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung von Kos­ten für ein zur Fort­bil­dung genutz­tes häus­li­ches Arbeits­zim­mer aus.

Nut­zung eines Büro­ar­beits­plat­zes für Fort­bil­dungs­maß­nah­men

Ob ein „ande­rer Arbeits­platz“ zur Ver­fü­gung steht, hängt nicht davon ab, in wel­chem Umfang der Arbeit­neh­mer die ihm am Büro­ar­beits­platz zur Ver­fü­gung gestell­ten Arbeits­mit­tel nut­zen darf.

Nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG kann ein Steu­er­pflich­ti­ger Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer sowie die Kos­ten der Aus­stat­tung nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen. Dies gilt nach Satz 2 der letzt­ge­nann­ten Vor­schrift u.a. dann nicht, wenn dem Steu­er­pflich­ti­gen für die beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht. In die­sen Fäl­len wird nach Satz 3 Halb­satz 1 der Vor­schrift die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen regel­mä­ßig auf 1.250 € begrenzt.

Ein „ande­rer Arbeits­platz“ im Sin­ne der Abzugs­be­schrän­kung ist grund­sätz­lich jeder Arbeits­platz, der zur Erle­di­gung büro­mä­ßi­ger Arbei­ten geeig­net ist. Er steht aber nur dann „für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit … zur Ver­fü­gung“, wenn ihn der Steu­er­pflich­ti­ge in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­kret erfor­der­li­chen Art und Wei­se tat­säch­lich nut­zen kann. Übt der Steu­er­pflich­ti­ge nur eine beruf­li­che Tätig­keit aus, muss geprüft wer­den, ob der an sich vor­han­de­ne- ande­re Arbeits­platz tat­säch­lich für alle Auf­ga­ben­be­rei­che der Erwerbs­tä­tig­keit zur Ver­fü­gung steht. Es genügt jedoch nicht, dass nach Fei­er­abend oder am Wochen­en­de im häus­li­chen Arbeits­zim­mer Arbei­ten ver­rich­tet wer­den, die grund­sätz­lich auch an dem ande­ren Arbeits­platz ver­rich­tet wer­den könn­ten [1].

Dem danach wei­ten Ver­ständ­nis des Begriffs „ande­rer Arbeits­platz“ liegt der Gedan­ke zugrun­de, dass Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer (nur) dann steu­er­lich berück­sich­tigt wer­den sol­len, wenn ein sol­ches für die Erwerbs­tä­tig­keit erfor­der­lich ist [2]. Zwar ist die Erfor­der­lich­keit kei­ne all­ge­mei­ne Vor­aus­set­zung für die Qua­li­fi­ka­ti­on von Erwerbs­auf­wen­dun­gen, und zwar aus­weis­lich der Ange­mes­sen­heits­re­gel des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 EStG auch dann nicht, wenn sol­che Auf­wen­dun­gen die Lebens­füh­rung des Steu­er­pflich­ti­gen berüh­ren. Die erkenn­bar gege­be­ne Erfor­der­lich­keit fun­giert in die­sem Fall aber als legi­ti­mes Hilfs­mit­tel einer typi­sie­ren­den Abgren­zung von Erwerbs- und Pri­vat­sphä­re [3].

Soweit nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG die Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer sowie die „Kos­ten der Aus­stat­tung“ den Gewinn nicht min­dern dür­fen, betrifft dies nicht die Kos­ten für Arbeits­mit­tel. Die in § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG getrof­fe­ne Rege­lung hat Vor­rang vor der die Kos­ten der Aus­stat­tung eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers betref­fen­den Rege­lung in § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Okto­ber 2011 – VI R 91/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs BFH; grund­le­gend BFH, Urteil vom 07.08.2003 – VI R 17/​01, BFHE 203, 130, BStBl II 2004, 78; s. auch BFH, Urtei­le vom 07.08.2003 – VI R 41/​98, BFHE 203, 119, BStBl II 2004, 80; – VI R 162/​00, BFHE 203, 124, BStBl II 2004, 83; – VI R 16/​01, BFHE 203, 128, BStBl II 2004, 77; – VI R 118/​00, BFHE 203, 122, BStBl II 2004, 82; vom 20.11.2003 – IV R 30/​03, BFHE 204, 176, BStBl II 2004, 775; BFH, Beschlüs­se vom 10.02.2005 – VI B 113/​04, BFHE 209, 211, BStBl II 2005, 488; vom 05.03.2008 – VI B 95/​07, BFH/​NV 2008, 956[]
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 203, 130, BStBl II 2004, 78; vom 13.11.2002 – VI R 82/​01, BFHE 201, 93, BStBl II 2004, 62; jeweils m.w.N.[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 06.07.2010 – 2 BvL 13/​09, BVerfGE 126, 268; BFH, Urteil in BFHE 204, 176, BStBl II 2004, 775[]
  4. BFH, Urteil vom 21.11.1997 – VI R 4/​97, BFHE 184, 532, BStBl II 1998, 351; Schmidt/​Heinicke, EStG, 30. Aufl., § 4 Rz 591[]