Pfle­ge­pausch­be­trag – und der Nach­weis der Hilf­lo­sig­keit

Ein Anspruch auf den Pfle­ge­pausch­be­trag besteht nur bei förm­li­chem Nach­weis der Hilf­lo­sig­keit.

Pfle­ge­pausch­be­trag – und der Nach­weis der Hilf­lo­sig­keit

Die Fra­ge, wie die "Hilf­lo­sig­keit" im Sin­ne des Pfle­ge­pausch­be­trags gemäß § 33b Abs. 6 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) zu defi­nie­ren und nach­zu­wei­sen ist, ist durch die Recht­spre­chung geklärt. Danach kann der Pfle­ge­pausch­be­trag nur gewährt wer­den, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die Behin­de­rung ent­spre­chend den Vor­ga­ben des § 65 Abs. 2 ESt­DV belegt.

Nach die­ser Bestim­mung hat der Steu­er­pflich­ti­ge das gesund­heit­li­che Merk­mal "hilf­los" durch einen Aus­weis nach dem Neun­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch, der mit dem Merk­zei­chen "H" gekenn­zeich­net ist, oder durch einen Bescheid der für die Durch­füh­rung des Bun­des­ver­sor­gungs­ge­set­zes zustän­di­gen Behör­de, der die ent­spre­chen­den Fest­stel­lun­gen ent­hält, nach­zu­wei­sen.

Dem Merk­mal "H" steht die Ein­stu­fung als Schwerst­pfle­ge­be­dürf­ti­ger in Pfle­ge­stu­fe – III nach dem Elf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch, dem Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch oder die­sen ent­spre­chen­den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen gleich; dies ist durch Vor­la­ge des ent­spre­chen­den Beschei­des nach­zu­wei­sen.

§ 33b EStG ver­wen­det den Begriff der Hilf­lo­sig­keit an zwei Stel­len, näm­lich in Abs. 3 Satz 3 und in Abs.06. Es sind kei­ne Anhalts­punk­te dafür ersicht­lich, dass der Gesetz­ge­ber für den Nach­weis ein und der­sel­ben Behin­de­rung unter­schied­li­che Maß­stä­be auf­stel­len woll­te. Hier­für geben weder der Wort­laut des § 33b Abs. 7 EStG noch der des § 65 Abs. 2 ESt­DV einen Anhalts­punkt.

Die Ermäch­ti­gung des § 33b Abs. 7 EStG steht am Ende der Vor­schrift und schließt damit auch die Rege­lun­gen für den Pfle­ge­pausch­be­trag mit ein. Hät­te der Gesetz­ge­ber nur eine Rege­lung hin­sicht­lich des Nach­wei­ses der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung der Pausch­be­trä­ge i.S. des § 33b Abs. 3 EStG tref­fen wol­len, hät­te es nahe gele­gen, die Ermäch­ti­gungs­vor­schrift im Anschluss dar­an ein­zu­fü­gen.

Die Stel­lung des § 33b Abs. 7 EStG am Schluss der gesam­ten Rege­lung spricht dafür, dass der Gesetz­ge­ber eine Ermäch­ti­gung zur Rege­lung des Nach­wei­ses für alle Pausch­be­trä­ge i.S. des § 33b EStG tref­fen woll­te.

Auch § 65 ESt­DV lässt kei­ne Ein­schrän­kung erken­nen. Viel­mehr bezieht sich die Vor­schrift ‑wie bereits aus der Über­schrift erkenn­bar- ins­ge­samt auf § 33b EStG.

Eben­so wenig beschränkt sich der Wort­laut des § 65 Abs. 2 ESt­DV auf den Nach­weis der Hilf­lo­sig­keit nach § 33b Abs. 3 Satz 3 EStG 1. Auch die Lite­ra­tur hält ein­hel­lig einen Nach­weis ent­spre­chend den Vor­ga­ben des § 65 Abs. 2 ESt­DV für erfor­der­lich 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. April 2015 – VI B 143/​14

  1. BFH, Urteil vom 20.02.2003 – III R 9/​02, BFHE 201, 511, BSt­Bl II 2003, 476[]
  2. Blümich/​K. Heger, § 33b EStG Rz 114; Schmidt/​Loschelder, EStG, 33. Aufl., § 33b Rz 43; Hufeld in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 33b Rz A 54 f., B 57; Schü­ler-Täsch in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 33b EStG Rz 116; Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 14. Aufl., § 33b Rz 19; Stö­cker in Lade­mann, EStG, § 33b EStG Rz 196[]