Pilo­ten-Aus­bil­dungs­kos­ten

Auf­wen­dun­gen zur Aus­bil­dung zum Ver­kehrs­flug­zeug­füh­rer kön­nen nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf im Rah­men der Ein­kom­men­steu­er nicht berück­sich­tigt wer­den. Nach der zum 1. April 2004 ein­ge­führ­ten Neu­re­ge­lung des § 12 Nr. 5 EStG sei­en Auf­wen­dun­gen für eine erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung und für ein Erst­stu­di­um, wenn die­se nicht im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fän­den, nur nach Maß­ga­be des § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG als Son­der­aus­ga­ben bis zu 4.000,00 € im Kalen­der­jahr abzugs­fä­hig. Die rück­wir­kend in Kraft getre­te­ne Bestim­mung des § 12 Nr. 5 EStG sei nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Auch in Höhe von 4.000,00 € kön­nen sich die Aus­bil­dungs­kos­ten nicht im Rah­men einer Ver­lust­fest­stel­lung gemäß § 10 d Abs. 4 EStG aus­wir­ken.

Pilo­ten-Aus­bil­dungs­kos­ten

Nach § 12 Nr. 5 EStG (in der für 2004 maß­geb­li­chen Geset­zes­fas­sung) sind Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für eine erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung nicht abzugs­fä­hig, es sei denn, was in dem vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall nicht der Fall war, die Berufs­aus­bil­dung fän­de im Rah­men eins Dienst­ver­hält­nis­ses statt. Es lie­gen ledig­lich Son­der­aus­ga­ben nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG vor, die sich im Rah­men der Ver­lust­fest­stel­lung nach § 10d Abs. 4 EStG nicht aus­wir­ken.

Die durch das Gesetz zur Ände­rung der Abga­ben­ord­nung und wei­te­rer Geset­ze vom 21. Juli 2004 1 rück­wir­kend in Kraft getre­te­ne 2 Bestim­mung des § 12 Nr. 5 EStG ist nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf folgt hier­zu den Begrün­dun­gen des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts 3 und eines frü­he­ren Urteils des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf 4.

Maß­geb­lich für die Beur­tei­lung, dass kein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG in der Aus­prä­gung des Leis­tungs­fä­hig­keits­prin­zips und dem dar­aus ent­wi­ckel­ten objek­ti­ven Net­to­prin­zip vor­liegt, ist, so das finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, dass die in §§ 12 Nr. 5, 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG ange­leg­te Unter­schei­dung zwi­schen Auf­wen­dun­gen für die erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung und das Erst­stu­di­um einer­seits und sons­ti­gen Fort­bil­dungs­kos­ten ande­rer­seits eine sich im gesetz­ge­be­ri­schen Ermes­sens­spiel­raum hal­ten­de Typi­sie­rung dar­stellt. Nur wenn die Auf­wen­dun­gen im Rah­men einer beruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung nach einer erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung oder für eine erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fin­den, wird der Wer­bung­kos­ten­ab­zug zuge­las­sen. Bei Auf­wen­dun­gen für eine erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung ver­neint der Gesetz­ge­ber eine beruf­li­che Ver­an­las­sung i. S. des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG im Hin­blick auf die gene­ra­li­sie­ren­de Beur­tei­lung der erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung als Grund­la­ge für die beruf­li­che, sozia­le und wirt­schaft­li­che Stel­lung des Steu­er­pflich­ti­gen und beur­teilt die Auf­wen­dun­gen als Lebens­füh­rungs­kos­ten mit ein­fach hand­hab­ba­ren Abgren­zungs­kri­te­ri­en zur Ermög­li­chung eines gleich­mä­ßi­gen Geset­zes­voll­zugs 5.

Die Ände­rung der Abzieh­bar­keit der Auf­wen­dun­gen für eine Erst­aus­bil­dung ver­stößt nach dem Urteil des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf auch nicht gegen das ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­bot, rück­wir­ken­de Geset­ze zu erlas­sen:

§ 12 Nr. 5 EStG wur­de zur Ände­rung der AO und wei­te­rer Geset­zes vom 21. Juli 2004 1 in das Gesetz ein­ge­fügt. Die Rege­lung trat rück­wir­kend ab dem 1. Janu­ar 2004 in Kraft. Da die Auf­wen­dun­gen für eine Pilo­ten-Aus­bil­dung auf Grund der geän­der­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 6 bis zum Inkraf­tre­ten der Geset­zes­än­de­rung als vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen waren, han­delt es sich nach den Grund­sät­zen der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts um eine soge­nann­te unech­te Rück­wir­kung, die vor­liegt, wenn zwar die Rechts­fol­gen des Geset­zes erst nach der Ver­kün­dung der Norm ein­tre­ten, aber der Tat­be­stand gegen­wär­ti­ge, noch nicht abge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te erfasst, die auch schon vor der Ver­kün­dung ins Werk gesetzt wor­den sein kön­nen 7. Gerecht­fer­tigt ist eine sol­che Rück­wir­kung, wenn die Bedeu­tung des gesetz­ge­be­ri­schen Anlie­gens für das Gemein­wohl auf der einen Sei­te den durch die Geset­zes­än­de­rung ver­ur­sach­ten Ver­trau­ens­scha­den des Ein­zel­nen auf der ande­ren Sei­te über­wiegt 8. Abs­trakt gese­hen folgt vor­lie­gend ein über­wie­gen­des Gemein­wohl­in­ter­es­se aus der vom Gesetz­ge­ber nicht gewoll­ten Recht­spre­chungs­än­de­rung 9. Zudem lässt sich bezo­gen auf den Streit­fall ein kon­kre­tes schutz­wür­di­ges – aber nicht vor­ran­gi­ges – Ver­trau­en des Klä­gers auf den Fort­be­stand der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge allen­falls hin­sicht­lich der von ihm auf­ge­wen­de­ten Kos­ten für die ärzt­li­chen Vor­un­ter­su­chun­gen, nicht aber hin­sicht­lich des ganz über­wie­gen­den Teils der Auf­wen­dun­gen für den erst nach der Ver­öf­fent­li­chung der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung am 26. Juli 2004 1 abge­schlos­se­nen Aus­bil­dungs­ver­trag aus­ma­chen.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 10. Novem­ber 2009 – 14 K 2361/​06 F

  1. BGBl I 2004, 1753[][][]
  2. sie­he Art. 6 Abs. 2 des Geset­zes[]
  3. Nds. FG, Urteil vom 15.05.2007 – 13 K 570/​06, EFG 2007, 1431, Revi­si­on beim BFH anhän­gig – VI R 31/​07[]
  4. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 03.12.2008 – 2 K 3575/​07 F, EFG 2009, 1201, Revi­si­on beim BFH anhän­gig – VI R 8/​09, mit Anmer­kung Wag­ner[]
  5. vgl. Nds. FG, EFG 2007, 1431; FG Düs­sel­dorf, EFG 2009, 1201; Fischer in Kirch­hof, EStG-Kom­pakt­kom­men­tar, 6. Aufl., § 10 Rz.28 und 30; a. A. Drens­eck in Schmidt, EStG , 28. Aufl., § 10 Rz. 57[]
  6. sie­he BFH, Urteil vom 27.05.2003 – VI R 33/​01, BSt­Bl II 2004, 884[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.12.1997 – 2 BvR 882/​97, BVerfGE 97, 67[]
  8. vgl. BVerfG, Beschluss vom 05.02.2002 – 2 BvR 305/​93, 2 BvR 348/​93, BVerfGE 105, 17; BFH, Beschluss vom 06.11.2002 – XI R 42/​01, BSt­Bl II 2003, 257[]
  9. vgl. aus­führ­lich Nds. FG, EFG 2007, 1433 m.w.N.; a. A. Drens­eck in Schmidt, EStG, 28. Aufl., § 12 Rz. 57[]