Pri­va­te Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten

Durch das “Gesetz zum Ein­stieg in ein steu­er­li­ches Sofort­pro­gramm” vom 22.12.2005 ist die Abzugs­fä­hig­keit pri­va­ter Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten als Son­der­aus­ga­ben (ehe­mals § 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG) ab 2006 auf­ge­ho­ben wor­den. Danach sind Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten nur noch dann abzugs­fä­hig, wenn sie bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te, z.B. aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit oder Ver­mie­tung und Ver­pach­tung, als Wer­bungs­kos­ten oder Betriebs­aus­ga­ben anfal­len. Die­se Rege­lung hat das
Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt jetzt als ver­fas­sungs­ge­mäß erach­tet.

Pri­va­te Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten

Die Klä­ge­rin wand­te sich gegen die Ver­sa­gung des Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs von Auf­wen­dun­gen ihres Steu­er­be­ra­ters für die Erstel­lung ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung. Sie war der Mei­nung, die Auf­he­bung der Vor­schrift des § 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG sei mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar. Ange­sichts der Kom­pli­ziert­heit des gel­ten­den Steu­er­rechts sei der Steu­er­pflich­ti­ge auf die Inan­spruch­nah­me der Bera­tung durch Fach­leu­te ange­wie­sen. Die dafür auf­zu­wen­den­den Tei­le sei­nes Ein­kom­mens sei­en sei­ner Dis­po­si­ti­ons­frei­heit ent­zo­gen. Dar­in lie­ge ein Ver­stoß gegen das aus Art. 3 Abs. 1 GG fol­gen­de sub­jek­ti­ve Net­to­prin­zip Der 10. Senat des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts ist der Rechts­auf­fas­sung der Klä­ge­rin nicht gefolgt. Zwar bestehe in vie­len Fäl­len auf­grund der Kom­ple­xi­tät des Steu­er­rechts für Steu­er­pflich­ti­ge ein wirt­schaft­li­cher Druck, Steu­er­be­ra­tungs­dienst­leis­tun­gen in Anspruch zu neh­men; dies recht­fer­ti­ge es jedoch nicht, pri­va­te Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten als unver­meid­ba­re Pri­vat­aus­ga­ben zu qua­li­fi­zie­ren, wel­che auf­grund des in Art. 3 Abs. 1 GG ver­an­ker­ten sog. sub­jek­ti­ven Net­to­prin­zips vom Gesetz­ge­ber zwin­gend zum Abzug zuzu­las­sen sei­en. Im Steu­er­ver­wal­tungs­ver­fah­ren bestehe ledig­lich die Möglichkeit, sich durch einen Bevoll­mäch­tig­ten ver­tre­ten zu las­sen; einen Ver­tre­tungs­zwang gebe es jedoch nicht. Tat­säch­lich ent­schie­den sich eine Viel­zahl von Steu­er­pflich­ti­gen gegen die Inan­spruch­nah­me exter­ner pro­fes­sio­nel­ler Hil­fe. Die beklag­te Unüber­sicht­lich­keit des Steu­er­rechts betref­fe außer­dem vor allem den Bereich der Ein­künf­teer­mitt­lung, in dem die Abzieh­bar­keit von Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten als Betriebs­aus­ga­ben bzw. Wer­bungs­kos­ten wei­ter­hin gewähr­leis­tet sei. Im Hin­blick auf das Aus­fül­len der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung, sei außer­dem eine über­mä­ßi­ge Kom­pli­ziert­heit des Steu­er­rechts jeden­falls im Fal­le der Klä­ge­rin um so weni­ger ersicht­lich, als die Finanz­be­hör­de in den Gren­zen des § 89 AO den Steu­er­pflich­ti­gen zur Bera­tung und Aus­kunft ver­pflich­tet sei.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, das FG hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 17. Janu­ar 2008 – 10 K 103/​07