Pro­zess­kos­ten als Wer­bungs­kos­ten

Die Fra­ge, ob und in wel­chem Umfang Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung (§ 21 EStG) als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den kön­nen, ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs geklärt.

Pro­zess­kos­ten als Wer­bungs­kos­ten

Inso­weit ent­spricht es der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, dass Pro­zess­kos­ten als Fol­ge­kos­ten die ein­kom­men­steu­er­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on der­je­ni­gen Auf­wen­dun­gen tei­len, die Gegen­stand des Pro­zes­ses waren 1.

Die Inan­spruch­nah­me wegen einer Ein­la­gen­rück­ge­währ nach § 172 Abs. 4 HGB führt beim Gesell­schaf­ter einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft nicht zu sofort abzieh­ba­ren Wer­bungs­kos­ten. Denn die Rück­zah­lung der ursprüng­lich geleis­te­ten Ein­la­ge sei­tens der ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft führ­te bei der Rechts­vor­gän­ge­rin der Gesell­schaf­te­rin zu einer steu­erneu­tra­len Min­de­rung der Anschaf­fungs­kos­ten. Damit führ­te auch die Zah­lung der Gesell­schaf­te­rin auf den Außen­haf­tungs­an­spruch nach § 171 Abs. 1 1. Halb­satz, § 172 Abs. 4 HGB zu nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten für die von der ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft gehal­te­ne Immo­bi­lie, die der Gesell­schaf­te­rin auf­grund der bei ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten anwend­ba­ren Bruch­teils­be­trach­tung antei­lig zuzu­rech­nen ist (§ 39 Abs. 2 Nr. 2 der Abga­ben­ord­nung). Eine Zah­lung auf den Haf­tungs­an­spruch nach § 171 Abs. 1 1. Halb­satz, § 172 Abs. 4 HGB zuguns­ten einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft erzeugt zudem beim Gesell­schaf­ter steu­er­lich grund­sätz­lich Wir­kung erst bei Liqui­da­ti­on der Gesell­schaft oder Ver­äu­ße­rung der Gesell­schafts­an­tei­le, als sie die antei­li­gen Anschaf­fungs­kos­ten für die von der ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft gehal­te­nen Wirt­schafts­gü­ter erhöht 2.

Ob eine Aus­nah­me von die­sem Grund­satz zu machen ist, wenn die Gesell­schaf­te­rin auf­grund der Außen­haf­tung in § 171 Abs. 1 1. Halb­satz, § 172 Abs. 4 HGB für Ver­bind­lich­kei­ten der ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft in Anspruch genom­men wird, die bei die­ser zu sofort abzieh­ba­ren Wer­bungs­kos­ten füh­ren wür­den, z.B. für Zins­ver­bind­lich­kei­ten oder Ver­bind­lich­kei­ten wegen getä­tig­ter Erhal­tungs­auf­wen­dun­gen, ist in einem künf­ti­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Denn nach den bin­den­den und inso­weit nicht mit Ver­fah­rens­rügen ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts (vgl. § 118 Abs. 2 FGO) ist die Gesell­schaf­te­rin für eine noch offe­ne Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit der ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Gesell­schaft in Anspruch genom­men wor­den, die bei die­ser nicht zum Wer­bungs­kos­ten­ab­zug berech­tigt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 7. Mai 2015 – IX B 146/​14

  1. vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 01.12 1987 – IX R 134/​83, BFHE 152, 237, BSt­Bl II 1988, 431; vom 15.11.2005 – IX R 3/​04, BFHE 212, 45, BSt­Bl II 2006, 258, unter II. 3., m.w.N.; vom 25.06.2009 – IX R 47/​08, BFH/​NV 2010, 396, unter II. 1.; vom 13.04.2010 – VIII R 27/​08, BFH/​NV 2010, 2038, m.w.N.; und vom 09.10.2013 – IX R 25/​12, BFHE 242, 513, BSt­Bl II 2014, 102, unter II. 1.; vgl. auch Schmidt/​Kulosa, EStG, 34. Aufl., § 21 Rz 100, Stich­wort "Pro­zess­kos­ten"[]
  2. vgl. für den betrieb­li­chen Bereich BFH, Urtei­le vom 04.07.1974 – IV R 166/​70, BFHE 113, 30, BSt­Bl II 1974, 677; und vom 25.05.1999 – VIII R 54/​98, BFH/​NV 1999, 1593, unter 2.[]