Ren­ten­be­steue­rung und Nomi­nal­wert­prin­zip

Bereits im Urteil vom 26.11.2008 1 hat der Bun­des­fi­nanz­hof dar­ge­stellt, dass aus Grün­den der Prak­ti­ka­bi­li­tät und Admi­nis­trier­bar­keit in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se die Alters­ein­künf­te der vor­mals selb­stän­dig täti­gen Rent­ner und die der vor­mals nicht­selb­stän­dig täti­gen Rent­ner in einem zeit­lich begrenz­ten Rah­men trotz der unter­schied­li­chen steu­er­li­chen Vor­be­las­tung der ent­spre­chen­den Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen in einem Über­gangs­zeit­raum mit dem­sel­ben Anteil besteu­ert wer­den kön­nen.

Ren­ten­be­steue­rung und Nomi­nal­wert­prin­zip

Der Gesetz­ge­ber trägt dadurch dem Gesichts­punkt Rech­nung, dass es im Rah­men der Ren­ten­be­steue­rung und damit in einem Mas­sen­ver­fah­ren einer ein­fa­chen, prak­ti­ka­blen und gesamt­wirt­schaft­lich trag­ba­ren Lösung bedarf 2. Die dage­gen erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

An die­sen Grund­sät­zen hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest. Er ver­mag vor­lie­gend auch kei­nen Grund erken­nen, von die­ser Ein­schät­zung des­halb abzu­rü­cken, weil der Klä­ger frei­wil­lig die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung gewählt hat und auf­grund sei­nes Alters kei­ne Mög­lich­keit hat­te, in ein berufs­stän­di­sches Ver­sor­gungs­werk zu wech­seln. Schließ­lich wären selbst im Fall eines sol­chen Bei­tritts die glei­chen Bei­trä­ge -Arbeit­neh­mer- wie Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge- zu ent­rich­ten gewe­sen. Sowohl die Bei­trags­zah­lun­gen an Ver­sor­gungs­wer­ke wie auch die Pflicht­bei­trä­ge, die an die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung zu leis­ten sind, sind gesetz­lich geschul­det. Ledig­lich die Höhe der spä­te­ren Leib­ren­te hät­te vari­ie­ren kön­nen.

Soweit des­halb jen­seits der ein­kom­men­steu­er­li­chen Belas­tung Be- und Ent­las­tungs­wir­kun­gen auf­tre­ten, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge ‑anders als der Klä­ger- die Mög­lich­keit zum Ein­tritt in ein berufs­stän­di­sches Ver­sor­gungs­werk gehabt hät­te, sind die­se nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts selbst bei der ver­fas­sungs­recht­li­chen Wür­di­gung der Nor­men des EStG am Maß­stab des Art. 3 Abs. 1 GG ohne Belang 3. Nichts ande­res kann sich im vor­lie­gen­den Fall erge­ben. Die von den Klä­gern dar­ge­leg­ten Beson­der­hei­ten inso­weit betref­fen die­se außer­steu­er­li­chen Effek­te.

Mit dem Ein­wand, die geän­der­te Besteue­rung der Ren­ten­ein­künf­te ver­sto­ße gegen den rechts­staat­li­chen Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes, hat sich der Bun­des­fi­nanz­hof bereits aus­führ­lich beschäf­tigt und in der tat­be­stand­li­chen Rück­an­knüp­fung (sog. unech­te Rück­wir­kung) kei­nen Ver­fas­sungs­ver­stoß gese­hen 4. Danach kam die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in sei­nem Urteil vom 6. März 2002 5 nach den sog. Appell­be­schlüs­sen vom 26. MÄrz 1980 und vom 24. Juni 1992 6 nicht uner­war­tet, son­dern war nur die fol­ge­rich­ti­ge Kon­se­quenz sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung.

Ein wesent­li­cher Unter­schied zu dem in BFHE 228, 326, BSt­Bl II 2011, 579 zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt ist nicht erkenn­bar. Wie im vor­lie­gen­den Fall hat­te der dama­li­ge Klä­ger (auch) Bei­trä­ge an die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung neben Leis­tun­gen an eine befrei­en­de Lebens­ver­si­che­rung ent­rich­tet.

Unab­hän­gig von der Fra­ge, ob ein Steu­er­pflich­ti­ger, der vor dem Beschluss in BVerfGE 54, 11, BSt­Bl II 1980, 545 frei­wil­lig der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bei­trat, einen beson­de­ren Ver­trau­ens­schutz genießt, hat der Bun­des­fi­nanz­hof in BFHE 228, 326, BSt­Bl II 2011, 579 ent­schie­den, die Ände­rung der Ren­ten­be­steue­rung durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz hal­te auch einer ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Abwä­gung zwi­schen dem Aus­maß des durch die Geset­zes­än­de­rung ver­ur­sach­ten Ver­trau­ens­scha­dens und der Beein­träch­ti­gung der geschütz­ten Grund­rechts­po­si­tio­nen des Ein­zel­nen (ins­be­son­de­re Art. 2 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 14 GG) einer­seits und der Bedeu­tung des gesetz­ge­be­ri­schen Anlie­gens für das Gemein­wohl ande­rer­seits stand 7. Es kommt des­halb, anders als von den Klä­gern ange­nom­men, nicht dar­auf an, dass der Klä­ger hier bereits 1968 und damit vor Bekannt­ga­be des Beschlus­ses in BVerfGE 54, 11, BSt­Bl II 1980, 545 frei­wil­lig der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bei­trat.

Bei der Prü­fung eines Ver­sto­ßes gegen das Ver­bot der Dop­pel­be­steue­rung bei der Berech­nung der jewei­li­gen Steu­er­be­las­tung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge bzw. der Steu­er­be­las­tung der Ren­ten­ein­künf­te ist das Nomi­nal­wert­prin­zip zugrun­de zu legen. Zu die­sem Ergeb­nis kam der Bun­des­fi­nanz­hof vor dem Hin­ter­grund der Infla­ti­ons­ent­wick­lung der letz­ten Jahr­zehn­te bereits in den Urtei­len in BFHE 228, 223, BSt­Bl II 2011, 567 und in BFHE 228, 326, BSt­Bl II 2011, 579. An die­ser Ein­schät­zung hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest und sieht ‑auch ange­sichts der aktu­el­len gesamt­wirt­schaft­li­chen Lage seit 2008- vor­lie­gend kei­nen Grund hier­von abzu­wei­chen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Juni 2014 – X B 102/​13

  1. BFH, Urteil vom 26.11.2008 – X R 15/​07, BFHE 223, 445, BSt­Bl II 2009, 710, unter II. 2.b[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 223, 445, BSt­Bl II 2009, 710, unter II. 2.b[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 17.08.2011 – X B 217/​10, BFH/​NV 2011, 2082[]
  4. BFH, Urteil vom 04.02.2010 – X R 58/​08, BFHE 228, 326, BSt­Bl II 2011, 579, unter B.II. 2.[]
  5. BVerfG, Urteil vom 06.03.2002 – 2 BvL 17/​99, BVerfGE 105, 73, BSt­Bl II 2002, 618[]
  6. BVerfG, Beschlüs­se vom 26.03.1980 – 1 BvR 121/​76, 1 BvR 122/​76, BVerfGE 54, 11, BSt­Bl II 1980, 545; und vom 24.06.1992 – 1 BvR 459/​87, 1 BvR 467/​87, BVerfGE 86, 369, BSt­Bl II 1992, 774[]
  7. vgl. wei­ter­füh­rend BFH, Urteil in BFHE 228, 326, BSt­Bl II 2011, 579, unter B.II. 2.b bb[]