Schuld­zin­sen aus gemein­sa­mer Ehe­gat­ten-Finan­zie­rung

Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG sind Schuld­zin­sen als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn sie mit der Ein­kunfts­art Ver­mie­tung und Ver­pach­tung in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen. Weil die Ein­kom­men­steu­er an die per­sön­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit anknüpft, kann Wer­bungs­kos­ten grund­sätz­lich nur der­je­ni­ge abzie­hen, der sie selbst getra­gen hat. Bezah­len Ehe­leu­te Auf­wen­dun­gen für eine Immo­bi­lie, die einem von ihnen gehört, "aus einem Topf", z.B. aus einem zu Las­ten bei­der Ehe­leu­te auf­ge­nom­me­nen gesamt­schuld­ne­ri­schen Dar­le­hen (§ 421 BGB), so sind die dar­auf beru­hen­den Zin­sen nach der stän­di­gen Recht­spre­chung in vol­lem Umfang als für Rech­nung des Eigen­tü­mers auf­ge­wen­det anzu­se­hen und dem­nach als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar.

Schuld­zin­sen aus gemein­sa­mer Ehe­gat­ten-Finan­zie­rung

Gleich­gül­tig ist, aus wes­sen Mit­teln die Zah­lung im Ein­zel­fall stammt 1. Hat dem­ge­gen­über der Nicht­ei­gen­tü­mer-Ehe­gat­te allein ein Dar­le­hen auf­ge­nom­men, um die Immo­bi­lie des ande­ren zu finan­zie­ren, kann der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te die Zin­sen als Wer­bungs­kos­ten nur abzie­hen, soweit er sie aus eige­nen Mit­teln bezahlt hat 2. Ein gesamt­schuld­ne­ri­sches Dar­le­hen liegt nach den oben genann­ten Recht­spre­chungs­grund­sät­zen zwar nicht vor, wenn der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te für das Dar­le­hen eine selbst­schuld­ne­ri­sche Bürg­schaft über­nom­men und sei­ne Immo­bi­lie mit Grund­pfand­rech­ten belas­tet hat, wohl aber dann, wenn der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te die gesamt­schuld­ne­ri­sche Mit­haf­tung i.S. des § 421 BGB für das Dar­le­hen über­nom­men hat 3.

Nach den dar­ge­stell­ten Recht­spre­chungs­grund­sät­zen reicht es aus, dass der Eigen­tü­mer-Ehe­gat­te die gesamt­schuld­ne­ri­sche Mit­haf­tung über­nimmt, gleich, ob dies von vorn­her­ein oder nach­träg­lich geschieht 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Juni 2012 – IX R 29/​11

  1. BFH, Beschluss vom 23.08.1999 – GrS 2/​97, BFHE 189, 160, BSt­Bl II 1999, 782; BFH, Urtei­le vom 02.12.1999 – IX R 21/​96, BFHE 191, 28, BSt­Bl II 2000, 312; und vom 04.09.2000 – IX R 22/​97, BFHE 193, 112, BSt­Bl II 2001, 785[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 193, 112, BSt­Bl II 2001, 785[]
  3. BFH, Urteil vom 03.12.2002 – IX R 14/​00, BFH/​NV 2003, 468[]
  4. s. zur Rechts­la­ge im Bür­ger­li­chen Recht Palandt/​Grüneberg, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 71. Aufl., Überbl v. § 414 Rz 2, m.w.N.[]