Schuld­zin­sen­ab­zug bei Ver­mie­tung und Ver­pach­tung

Der Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten unter­liegt als Ein­künf­te aus Ver­mie­tung der Ein­kom­men­steu­er (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 und Abs. 2 Nr. 2 EStG). Wer­bungs­kos­ten sind auch Schuld­zin­sen, soweit sie mit einer Ein­kunfts­art in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 Satz 1 EStG). Für einen wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang kom­men ande­re Ein­künf­te als die aus der Ver­mie­tung der Woh­nun­gen (§ 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG) nicht in Betracht.

Schuld­zin­sen­ab­zug bei Ver­mie­tung und Ver­pach­tung

Da es nach dem Gesetz auf einen wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ankommt, reicht ein ledig­lich recht­li­cher Zusam­men­hang nicht aus. Es spielt des­we­gen kei­ne Rol­le, ob ein Grund­stück mit einer Grund­schuld belas­tet ist 1. Die Schuld­zin­sen sind daher nicht des­we­gen abzieh­bar, weil das Gesamt­grund­stück in A mit Grund­schul­den zuguns­ten der diver­sen Kre­dit­in­sti­tu­te belas­tet ist.

Ein wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang im Sin­ne des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 Satz 1 EStG liegt nur vor, wenn die Schuld­zin­sen durch die Erzie­lung von steu­er­ba­ren Ein­nah­men ver­an­lasst sind 2. Das Vor­lie­gen eines sol­chen Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs ist danach zu beur­tei­len, ob das für die in Fra­ge ste­hen­den Auf­wen­dun­gen aus­lö­sen­de Moment – der sog. maß­geb­li­che Bestim­mungs­grund – der ein­kom­men­steu­er­recht­lich rele­van­ten Erwerbs­sphä­re zuzu­rech­nen ist 3.

Ein Steu­er­pflich­ti­ger kann über die Finan­zie­rung sei­ner Wirt­schafts­gü­ter frei ent­schei­den. Der maß­geb­li­che Bestim­mungs­grund für Schuld­zin­sen ist des­we­gen danach zu beur­tei­len, ob und wie der Steu­er­pflich­ti­ge die zugrun­de lie­gen­de Dar­le­hens­va­lu­ta tat­säch­lich ver­wen­det. Er kann ein Dar­le­hen mit steu­er­recht­li­cher Wir­kung gezielt einem bestimm­ten, der Ein­künf­te­er­zie­lung die­nen­den Gebäu­de oder einem Gebäu­de­teil wie etwa einer bestimm­ten Eigen­tums­woh­nung zuord­nen. Das kann aller­dings nur dadurch gesche­hen, dass er mit den als Dar­le­hen emp­fan­ge­nen Mit­teln tat­säch­lich die­je­ni­gen Auf­wen­dun­gen begleicht, die gera­de für die Anschaf­fung oder Her­stel­lung die­ses einen Wirt­schafts­gu­tes anfal­len 4.

Hat ein Steu­er­pflich­ti­ger sei­ne Finan­zie­rungs­ent­schei­dung ein­mal getrof­fen und die auf­ge­nom­me­nen Fremd­mit­tel ent­spre­chend ein­ge­setzt und ver­wen­det, steht es danach nicht mehr in sei­nem Belie­ben, unge­ach­tet der objek­ti­ven Umstän­de ledig­lich auf­grund einer blo­ßen Wil­lens­ent­schei­dung die­se Fremd­mit­tel einer ande­ren Ver­mö­gens­an­la­ge zuzu­ord­nen 5.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 – 6 K 2370/​07

  1. vgl. BFH, Urteil vom 08.04.2003 – IX R 63/​00, BSt­Bl II 2003, 706[]
  2. vgl. etwa BFH, Urteil vom 14.01.2004 – IX R 34/​01, BFH/​NV 2004, 1091[]
  3. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 04.07.1990 – GrS 2 – 3/​88, BSt­Bl II 1990, 817; und vom 08.12.1997 – GrS 1-2/​95, BSt­Bl II 1998, 193[]
  4. vgl. etwa BFH, Urtei­le vom 09.07.2002 – IX R 65/​00, BSt­Bl II 2003, 389; und vom 01.04.2009 – IX R 35/​08, BSt­Bl II 2009, 663[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 07.07.1998 – VIII R 57/​96, BFH/​NV 1999, 594[]