Schwei­zer Gold-ETF-Fonds­an­tei­le – und der Veräußerungsgewinn

Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einem Fonds nach schwei­ze­ri­schem Recht, der sein Kapi­tal allein in phy­si­schem Gold anlegt, unter­liegt gemäß § 19 Abs. 3 Satz 1 InvStG 2004 der Besteue­rung nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, Abs. 4 EStG. Die Ver­äu­ße­rung des Fonds­an­teils begrün­det kei­nen Anspruch auf die Lie­fe­rung von phy­si­schem Gold1.

Schwei­zer Gold-ETF-Fonds­an­tei­le – und der Veräußerungsgewinn

Bei dem Gold Exchan­ge Tra­ded Funds (Gold ETF), der die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs zugrun­de liegt, han­delt es sich nach dem Ver­kaufs­pro­spekt der Bank um einen Anla­ge­fonds schwei­ze­ri­schen Rechts (Art „übri­ge Fonds für tra­di­tio­nel­le Anla­gen“). Anla­ge­ziel des Fonds war es, die Wert­ent­wick­lung des Edel­me­talls Gold abzu­bil­den. Aus die­sem Grund inves­tier­te der Fonds aus­schließ­lich in phy­si­sches Gold. Anla­gen in ande­re Wer­te waren nicht vor­ge­se­hen. Die Antei­le waren jeder­zeit an der Bör­se frei ver­äu­ßer­bar. Nach dem Ver­kaufs­pro­spekt hat­ten die Anle­ger im Fall der Kün­di­gung ihrer Fonds­be­tei­li­gung das Recht, statt der Aus­zah­lung des Betei­li­gungs­werts in bar eine Aus­zah­lung in Gold als Sach­aus­zah­lung zu ver­lan­gen. Die Sach­aus­zah­lung war auf die Stan­dard­ein­heit von Gold­bar­ren mit einem Gewicht von 12, 5 kg beschränkt. Ande­re han­dels­üb­li­che Ein­hei­ten wur­den nur auf Antrag und bei Ver­füg­bar­keit mit den im Zeit­punkt der Lie­fe­rung gül­ti­gen Fabri­ka­ti­ons­zu­schlä­gen und wei­te­ren Kos­ten (Prä­gungs­kos­ten, Lie­fe­rung, Ver­si­che­rung, Pöna­li­tät für Fein­heits­dif­fe­renz etc.) aus­ge­lie­fert. Die Depot­bank war nicht ver­pflich­tet, einem der­ar­ti­gen Antrag Fol­ge zu leisten.

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Nach Ansicht des Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg2 ist hier Gegen­stand der Fonds­be­tei­li­gung eine Kapi­tal­for­de­rung i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG, so dass der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der Fonds­an­tei­le nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG zu besteu­ern sei. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te dies nun:

Der von der Anle­ge­rin erziel­te Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der Antei­le an dem Gold ETF in Höhe von 26.519 € ist im hier ent­schie­de­nen Fall jedoch ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richt nicht gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG, son­dern gemäß § 19 Abs. 3 Satz 1 des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes vom 15.12.20033 i.d.F. des Geset­zes zur Anpas­sung des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze an das AIFM-Umset­zungs­ge­setz (AIFM-Steu­er-Anpas­sungs­ge­setz) vom 18.12.20134 ‑InvStG 2004- i.V.m. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG zu ver­steu­ern. Die Rege­lung gilt ab dem 24.12.2013 (§ 22 Abs. 1 InvStG 2004) bis zum Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2017 (§ 52 Abs. 28 Satz 20 EStG) und ist somit im Streit­jahr noch anzuwenden.

Nach § 19 Abs. 3 InvStG 2004 sind Gewin­ne aus der Rück­ga­be oder Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einer Kapi­tal-Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaft, die nicht zu einem Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren, als Ein­künf­te i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG zu besteu­ern. Nach der Legal­de­fi­ni­ti­on des § 19 Abs. 1 InvStG 2004 sind Kapi­tal-Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaf­ten alle Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaf­ten, die kei­ne Per­so­nen-Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaf­ten sind. Unter die­sen Auf­fang­tat­be­stand fal­len auch aus­län­di­sche offe­ne Fonds ohne Rechts­per­sön­lich­keit, die ver­gleich­bar sind mit Son­der­ver­mö­gen, wenn sie nicht als Invest­ment­fonds i.S. des § 1 Abs. 1b InvStG 2004 und nicht als Per­so­nen-Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaft i.S. des § 18 Satz 1 InvStG 2004 ein­zu­ord­nen sind5.

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Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt. Bei den von der Anle­ge­rin ver­äu­ßer­ten Antei­len des Gold ETF han­delt es sich um Antei­le an einer Kapi­tal-Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaft i.S. des § 19 Abs. 1 InvStG 2004.

Der Gold ETF ist als Invest­ment­ver­mö­gen i.S. des § 1 Abs. 1 des Kapi­tal­an­la­ge­ge­setz­buchs (KAGB) zu qua­li­fi­zie­ren. Die in dem Fonds ange­leg­ten Gel­der wur­den nach dem Anla­ge­pro­spekt in Form eines Son­der­ver­mö­gens von einer Kapi­tal­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft für Rech­nung der Anle­ger ver­wal­tet, so dass es sich um eine Invest­ment­ge­sell­schaft mit varia­blem Kapi­tal han­del­te. Dem­entspre­chend war an dem Gold ETF eine unbe­stimm­te Anzahl von Anle­gern betei­ligt. Die Antei­le waren jeder­zeit an der Bör­se frei ver­äu­ßer­bar. Es bestand zudem die Mög­lich­keit, die Fonds­an­tei­le an jedem Bank­werk­tag in A (Schweiz) aus­zu­ge­ben oder zurückzunehmen.

Er ist jedoch nicht als Invest­ment­fonds i.S. des § 1 Abs. 1b InvStG 2004 zu qua­li­fi­zie­ren, da es an der Risi­ko­mi­schung nach § 1 Abs. 1b Satz 1 Nr. 4 InvStG 2004 fehl­te. Der Gold ETF leg­te das Geld der Anle­ger aus­schließ­lich in Gold an.

Bei einem Typen­ver­gleich han­del­te es sich auch nicht um eine Per­so­nen-Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaft i.S. des § 18 InvStG 20046. Die Invest­ment­kom­man­dit­ge­sell­schaft zeich­net sich ins­be­son­de­re dadurch aus, dass ihr Gesell­schaf­ter­kreis aus Gesell­schaf­tern mit beschränk­ter (Kom­man­di­tis­ten) und mit unbe­schränk­ter Haf­tung (Kom­ple­men­tä­re) besteht (§ 161 Abs. 1 des Han­dels­ge­setz­buchs; sie­he Kam­me­ter in Moritz/​Jesch, a.a.O., § 18 Rz 16). Eine sol­che Gesell­schaf­ter­dif­fe­ren­zie­rung weist der Gold ETF nach dem Anla­ge­pro­spekt nicht auf.

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Die Besteue­rung der Ver­äu­ße­rung der Betei­li­gung an dem Anla­ge­fonds als Kapi­tal-Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaft rich­tet sich somit nach § 19 Abs. 3 Satz 1 InvStG 2004 i.V.m. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG. Die Anle­ge­rin hat die Antei­le an dem Anla­ge­fonds im Pri­vat­ver­mö­gen gehal­ten und im Streit­jahr mit Gewinn ver­äu­ßert. Der Gewinn ist ent­spre­chend der Rege­lung des § 20 Abs. 4 EStG zu berech­nen7. Danach beläuft sich der Gewinn nach Abzug der Anschaf­fungs­kos­ten und Trans­ak­ti­ons­kos­ten vom Ver­äu­ße­rungs­preis der Fonds­an­tei­le unstrei­tig auf 26.519 €.

Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der Fonds­an­tei­le des in der Schweiz ansäs­si­gen Fonds ist auch im Inland zu besteu­ern. Die Anle­ge­rin war im Streit­jahr im Inland ansäs­sig und danach mit sämt­li­chen Ein­künf­ten unbe­schränkt steu­er­pflich­tig (§ 1 Abs. 1 Satz 1 EStG). Das Abkom­men zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebie­te der Steu­ern vom Ein­kom­men; und vom Ver­mö­gen vom 11.08.1971, zuletzt geän­dert durch das Pro­to­koll vom 27.10.2010 zum Abkom­men i.d.F. des Revi­si­ons­pro­to­kolls vom 12.03.20028, Gesetz zum Pro­to­koll vom 02.11.20119 ‑DBA-Schweiz- steht der Besteue­rung des Gewinns in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht ent­ge­gen. Es weist das Besteue­rungs­recht für Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne nach Art. 13 Abs. 3 DBA-Schweiz dem Ver­trags­staat zu, in dem der Ver­äu­ße­rer ansäs­sig ist, wenn es sich nicht um Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung des in Art. 13 Abs. 1 und 2 DBA-Schweiz genann­ten Ver­mö­gens han­delt. Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend erfüllt.

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Dabei sind die Grund­sät­ze der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Besteue­rung der Ver­äu­ße­rung von Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen, die auf die Lie­fe­rung von phy­si­schem Gold gerich­tet sind10, nicht auf den vor­lie­gen­den Fall anwend­bar. Der Erwerb und die Ver­äu­ße­rung der Fonds­an­tei­le an dem Gold ETF sind nicht wie ein unmit­tel­ba­rer Erwerb und unmit­tel­ba­rer Ver­kauf phy­si­schen Golds zu beur­tei­len, da die Anle­ge­rin kei­nen schuld­recht­li­chen Anspruch auf die Lie­fe­rung des von dem Fonds ange­schaff­ten Golds hat­te. Dass die in dem Fonds ange­leg­ten Gel­der aus­schließ­lich in phy­si­sches Gold inves­tiert wur­den, ist inso­weit unerheblich.

Eine ande­re Beur­tei­lung ergibt sich für den Bun­des­fi­nanz­hof auch nicht dar­aus, dass die Anle­ge­rin bei Rück­ga­be ihrer Betei­li­gung an dem Fonds nach dem Anla­ge­pro­spekt die Mög­lich­keit hat­te, statt der Aus­zah­lung des Rück­zah­lungs­be­trags in bar eine Aus­zah­lung in Gold zu ver­lan­gen. Zudem hat­te die Anle­ge­rin auf die Lie­fe­rung von Gold kei­nen Anspruch, da die­se nach dem Anla­ge­pro­spekt auf die Stan­dard­ein­heit von 12, 5 kg beschränkt war und die Depot­bank nicht ver­pflich­tet war, einem Antrag auf Aus­zah­lung in klei­ne­ren han­dels­üb­li­chen Ein­hei­ten Fol­ge zu leisten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. April 2021 – VIII R 15/​18

  1. Abgren­zung zu BFH, Urtei­len vom 12.05.2015 – VIII R 35/​14, BFHE 250, 71, BStBl II 2015, 834 „Xetra-Gold Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen“, und – VIII R 4/​15, BFHE 250, 75, BStBl II 2015, 835; vom 16.06.2020 – VIII R 7/​17, BFHE 269, 188, BStBl II 2021, 9 „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“[]
  2. FG Ber­lin-Bran­den­burg , 15.03.2018, Az: 13 K 13030/​17, EFG 2018, 1550[]
  3. BGBl I 2003, 2724[]
  4. BGBl I 2013, 4318[]
  5. BT-Drs. 17/​12603, S. 38; BR-Drs. 740/​13, S. 100; Dem­leit­ner in Haa­se, InvStG, 2. Aufl., § 19 Rz 21, 24; Blümich/​Mann, § 19 InvStG 2004 Rz 6; Elser/​Stadler, Deut­sches Steu­er­recht 2013, 225, 226; Jesch/​Haug, Deut­sche Steu­er-Zei­tung 2013, 771, 779; Helios/​Kröger in Moritz/​Jesch, InvStG, Band 2, § 19 Rz 29[]
  6. vgl. OFD Frank­furt am Main, Rund­ver­fü­gung vom 01.07.2020 – S 1980 A‑312-St 59, Rz 2.01.01 ff.[]
  7. Dem­leit­ner in Haa­se, a.a.O., § 19 Rz 127; Blümich/​Mann, § 19 InvStG 2004 Rz 17[]
  8. BStBl I 2012, 513[]
  9. BStBl I 2012, 512[]
  10. BFH, Urtei­le in BFHE 250, 71, BStBl II 2015, 834 „Xetra-Gold Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen“; und vom 16.06.2020 – VIII R 7/​17, BFHE 269, 188, BStBl II 2021, 9 „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“[]

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