Sol­da­ten auf Dienst­rei­se

Hin­sicht­lich der Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen von Sol­da­ten auf Dienst­rei­se ist der als Wer­bungs­kos­ten abzugs­fä­hi­ge Pausch­be­trag nach einem Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts nicht nur um das aus­ge­zahl­te, son­dern – ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs – auch um das ein­be­hal­te­ne Tren­nungs­geld zu kür­zen.

Sol­da­ten auf Dienst­rei­se

Für den Abzug von Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen gilt gemäß § 9 Abs. 5 EStG § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 EStG sinn­ge­mäß. Auf­grund die­ser gesetz­li­chen Rege­lung hat der Steu­er­pflich­ti­ge bei einer beruf­li­chen Aus­wärts­tä­tig­keit einen Rechts­an­spruch dar­auf, dass die gesetz­li­chen Pausch­be­trä­ge berück­sich­tigt wer­den. Auf die kon­kre­te Ver­pfle­gungs­si­tua­ti­on und dar­auf, ob über­haupt ein Mehr­auf­wand ent­stan­den ist, kommt es nicht an. Es ist nicht zu prü­fen, ob der Ansatz der Pau­scha­len zu einer offen­sicht­lich unzu­tref­fen­den Besteue­rung füh­ren wür­de [1].

Nach § 3 c Abs. 1 EStG dür­fen jedoch Aus­ga­ben, soweit sie mit steu­er­frei­en Ein­nah­men in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen, nicht als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den. Aus öffent­li­chen Kas­sen für Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen gezahl­te Rei­se­kos­ten­ver­gü­tun­gen und Tren­nungs­gel­der sind nach § 3 Nr. 13 EStG inso­weit steu­er­frei, als sie die Pausch­be­trä­ge nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 EStG nicht über­stei­gen. Pau­schal besteu­er­ter Arbeits­lohn bleibt gemäß § 40 Abs. 3 Satz 3 EStG bei einer Ver­an­la­gung zur Ein­kom­men­steu­er außer Ansatz. Dies hat zur Fol­ge, dass kei­ne Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den dür­fen, a) soweit dem Steu­er­pflich­ti­gen nach § 3 Nr. 13 EStG steu­er­frei­es Tage­geld gezahlt wird und b) – ab dem fünf­zehn­ten Tag einer Aus­wärts­tä­tig­keit – der Dif­fe­renz­be­trag zwi­schen dem Sach­be­zugs­wert der Gemein­schafts­ver­pfle­gung und dem Ein­be­halt bei der Aus­zah­lung des Tage­gel­des von der Bun­des­wehr pau­schal ver­steu­ert wird.

Vom Arbeit­ge­ber – hier der Bun­des­wehr – gezahl­tes Tage­geld kann dem Steu­er­pflich­ti­gen nach Ansicht des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts auch zuflie­ßen, soweit es ver­rech­net wird. § 11 EStG regelt die Ver­ein­nah­mung und Ver­aus­ga­bung. Nach § 11 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Ein­nah­men inner­halb des Kalen­der­jah­res bezo­gen, in dem sie dem Steu­er­pflich­ti­gen zuge­flos­sen sind. Rege­lungs­in­halt der Vor­schrift ist nur die zeit­li­che Zurech­nung von Ein­nah­men und Aus­ga­ben, die Bestim­mung des Besteue­rungs­punk­tes, nicht jedoch, in wel­cher Form die Ein­nah­men zuge­flos­sen sind [2]. Der Zufluss ist jedoch ein Merk­mal des Begriffs der Ein­nah­me [3]. Der Begriff "Zuflie­ßen" ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung wirt­schaft­lich aus­zu­le­gen. Ein Zufluss liegt vor, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge über ein in Geld oder Gel­des­wert bestehen­des Wirt­schafts­gut wirt­schaft­lich ver­fü­gen kann oder ver­fügt hat; das ist in der Regel der Zeit­punkt des Leis­tungs­ein­tritts oder der Mög­lich­keit, den Leis­tungs­er­folg her­bei­zu­füh­ren. Maß­ge­bend ist das Gesamt­bild der Ver­hält­nis­se [4]. Die Form des Über­gangs der wirt­schaft­li­chen Ver­fü­gungs­macht ist uner­heb­lich [5]. Ein Zufluss kann des­halb auch vor­lie­gen, wenn ein Anspruch des Steu­er­pflich­ti­gen mit einem Gegen­an­spruch ver­rech­net wird.

Ein Zufluss liegt fer­ner vor, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge an einer vom Arbeit­ge­ber zur Ver­fü­gung bereit gestell­ten Ver­pfle­gung teil­nimmt, soweit er dafür kein Ent­gelt ent­rich­tet. Es han­delt sich um eine Ein­nah­me, die nach § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG in Ver­bin­dung mit § 8 Abs. 1 EStG zum Arbeits­lohn gehört und deren Wert nach § 8 Abs. 2 Satz 1, Sät­ze 6 bis 9 EStG nach der Sach­be­zugs­ver­ord­nung (Sach­BezV, jetzt: Sozi­al­ver­si­che­rungs­ent­gelt­ver­ord­nung) anzu­set­zen ist.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2009 – 7 K 303/​06

  1. BFH, Urtei­le vom 04.04.2006 – VI R 44/​03; vom 17.02.2009, m.w.N.[]
  2. Schmidt/​Heinicke, Kom­men­tar zum EStG, 28. Aufl. 2009, Rdz. 1 zu § 11 EStG[]
  3. BFH, Urteil vom 13.12.2007 – VI R 73/​06 a.a.O.[]
  4. BFH, Urtei­le vom 01.10.1993 – III R 32/​92, BStBl. II 1994, 179, BFHE 172, 445; und vom 12.11.1997 – XI R 30/​97, BStBl. II 1998, 252, BFHE 184, 505[]
  5. BFH, Urteil vom 01.10.1993 – III R 32/​92[]