Son­der­aus­ga­ben­ab­zug von Schul­geld­zah­lun­gen an eine aus­län­di­sche Hoch­schu­le

Wenn eine EU/EWR-Schu­le den Sta­tus einer geneh­mig­ten Ersatz­schu­le oder einer aner­kann­ten Ergän­zungs­schu­le bei Bele­gen­heit im Inland hät­te erhal­ten kön­nen, dann sind die Schul­geld­zah­lun­gen an die­ser Schu­le nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG i.d.F. vor Inkraft­tre­ten des JStG 2009 abzieh­bar.

Son­der­aus­ga­ben­ab­zug von Schul­geld­zah­lun­gen an eine aus­län­di­sche Hoch­schu­le

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 52 Abs. 24b EStG i.d.F. des JStG 2009 sind bei Schul­geld­zah­lun­gen an aus­län­di­sche Hoch­schu­len, Fach­hoch­schu­len oder staat­li­che Schu­len nicht erfüllt.

Es ist kei­ne Vor­aus­set­zung des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG, dass die Eltern selbst Ver­trags­part­ner des mit der Pri­vat­schu­le abge­schlos­se­nen Ver­tra­ges sind.

So der Bun­des­fi­nanz­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall. Geklagt hat­te der Vater einer Toch­ter, die im ers­ten Halb­jahr des Streit­jah­res 2000 die Aca­de­my, eine pri­va­te Berufs­fach­schu­le für Büh­nen­tanz in H, und ab Sep­tem­ber 2000 die Hoge­school voor de kuns­ten in X/​Nie­der­lan­de (Hoge­school) besuch­te. Das Kol­leg­geld für das Stu­di­en­jahr 2000/​2001 in Höhe von 2.874 HFL (umge­rech­net 2.587 DM) wur­de vom Klä­ger im August 2000 über­wie­sen. Der Beklag­te und Revi­si­ons­klä­ger (das Finanz­amt) lehn­te den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes in der im Streit­jahr gül­ti­gen Fas­sung für das gezahl­te Schul- und Kol­leg­geld ab. Hier­in sah der Klä­ger einen Ver­stoß gegen das Recht der Euro­päi­schen Uni­on, da die Mit­glied­staa­ten inner­staat­lich ver­pflich­tet sei­en, alles zu unter­las­sen, was den frei­en Per­so­nen­ver­kehr und das unein­ge­schränk­te Auf­ent­halts­recht der EU-Bür­ger beein­träch­ti­ge und klag­te. Das Finanz­ge­richt gab der Kla­ge statt, wor­auf das Finanz­amt Revi­si­on ein­leg­te.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. ein Son­der­aus­ga­ben­ab­zug des an die Hoge­school gezahl­ten Kol­leg­gel­des mög­lich, falls die in den Nie­der­lan­den bele­ge­ne Hoge­school als Ersatz­schu­le staat­lich geneh­migt oder nach Lan­des­recht erlaubt sowie nach Lan­des­recht als all­ge­mein­bil­den­de Ergän­zungs­schu­le aner­kannt wer­den könn­te, wenn sie im Inland bele­gen wäre. Das Finanz­ge­richt ist rechts­feh­ler­haft davon aus­ge­gan­gen, § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. gel­te bereits dann für das an Hoch­schu­len und Fach­hoch­schu­len gezahl­te Schul­geld, wenn der ange­bo­te­ne Stu­di­en­gang zu einem all­ge­mein aner­kann­ten Stu­di­en­ab­schluss füh­re. Die Sache ist wegen feh­len­der finanz­ge­richt­li­cher Fest­stel­lun­gen nicht spruch­reif. Der Bun­des­fi­nanz­hof kann nicht ent­schei­den, ob die Vor­aus­set­zun­gen des § 52 Abs. 24b EStG n.F.1) i.V.m. § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG i.d.F. des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 20072 vor­lie­gen, wonach ein Son­der­aus­ga­ben­ab­zug eben­falls mög­lich sein könn­te. Ein Son­der­aus­ga­ben­ab­zug wür­de nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass der Klä­ger mög­li­cher­wei­se nicht selbst Ver­trags­part­ner des mit der Hoge­school geschlos­se­nen Ver­tra­ges war.

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. kön­nen 30 Pro­zent des Ent­gelts, das der Steu­er­pflich­ti­ge für ein Kind, für das er einen Kin­der­frei­be­trag oder Kin­der­geld erhält, für den Besuch einer gemäß Art. 7 Abs. 4 GG staat­lich geneh­mig­ten oder nach Lan­des­recht erlaub­ten Ersatz­schu­le sowie einer nach Lan­des­recht aner­kann­ten all­ge­mein­bil­den­den Ergän­zungs­schu­le ent­rich­tet mit Aus­nah­me des Ent­gelts für Beher­ber­gung, Betreu­ung und Ver­pfle­gung, als Son­der­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs knüpft der Gesetz­ge­ber mit den in § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. genann­ten Schu­len erkenn­bar an (landes-)schulrechtliche Begrif­fe an, die durch Art. 7 Abs. 4 GG vor­ge­prägt und in den Geset­zen der Bun­des­län­der, wel­che die staat­li­che Schul­auf­sicht über Schu­len in frei­er Trä­ger­schaft regeln, kon­kre­ti­siert sind3. Es ist jedoch nicht zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für den antei­li­gen Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für das gezahl­te Schul­geld, dass es sich um eine Schu­le im schul­recht­li­chen Sin­ne han­delt. Auch Hoch­schu­len kön­nen aus­nahms­wei­se Ersatz­schu­len i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. sein4. Begüns­tigt ist das gezahl­te Schul­geld für den Besuch einer pri­va­ten Fach­hoch­schu­le oder Hoch­schu­le aber nur, soweit die­se Ein­rich­tung als staat­lich geneh­mig­te oder nach Lan­des­recht erlaub­te Ersatz­schu­le aner­kannt ist5. Die lan­des­recht­li­chen Geneh­mi­gungs- und Aner­ken­nungs­ent­schei­dun­gen sind bin­den­de Grund­la­gen­ent­schei­dun­gen für den Abzug nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F.6.

Im Streit­fall sind die­se Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. nicht erfüllt, da die Hoge­school –unab­hän­gig davon, ob sie eine (Fach-)Hochschule ist oder nicht– wegen ihrer Bele­gen­heit in den Nie­der­lan­den eine ent­spre­chen­de Geneh­mi­gung bzw. Aner­ken­nung nicht erhal­ten konn­te.

Im Lich­te der Urtei­le des Euro­päi­schen Gerichts­hofs7 ist die Norm des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. wegen des Anwen­dungs­vor­rangs des EG-Rechts jedoch norm­er­hal­tend euro­pa­rechts­kon­form aus­zu­le­gen8. Dies führt dazu, dass das für den Besuch die­ser Schu­le gezahl­te Schul­geld als Son­der­aus­ga­be abzieh­bar wäre, wenn die Hoge­school bei Ansäs­sig­keit im Inland den Sta­tus einer geneh­mig­ten Ersatz­schu­le oder einer aner­kann­ten Ergän­zungs­schu­le hät­te erhal­ten kön­nen.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze ist das finanz­ge­richt­li­che Urteil auf­zu­he­ben, da es von feh­ler­haf­ten Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­gan­gen ist. Die Sache ist jedoch wegen feh­len­der Fest­stel­lun­gen nicht spruch­reif. Das Finanz­ge­richt hat es – von sei­nem Rechts­stand­punkt aus kon­se­quent – unter­las­sen zu über­prü­fen, ob die Hoge­school bei unter­stell­ter Bele­gen­heit im Inland die Vor­aus­set­zun­gen einer geneh­mig­ten Ersatz­schu­le oder einer aner­kann­ten Ergän­zungs­schu­le erfüllt hät­te. Die­se Prü­fung hat das FG im zwei­ten Rechts­gang nach­zu­ho­len.

Der Bun­des­fi­nanz­hof teilt nicht die Auf­fas­sung des Klä­gers, die Beschrän­kung der Beweis­füh­rung auf das Aus­land­s­ar­gu­ment schlie­ße das Ein­ge­ständ­nis des Finanz­am­tes ein, es han­de­le sich bei der Aus­bil­dung der C in den Nie­der­lan­den um die Fort­set­zung eines zuvor an einer staat­lich aner­kann­ten Ergän­zungs­schu­le begon­ne­nen Bil­dungs­gangs, was zur Kon­se­quenz habe, dass eine wei­te­re finanz­ge­richt­li­che Prü­fung nicht not­wen­dig gewe­sen sei. Der Beginn der Aus­bil­dung an einer aner­kann­ten Ein­rich­tung kann nicht die Prü­fung erset­zen, ob die Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. auch bei der nach­fol­gen­den Aus­bil­dungs­sta­ti­on an einer ande­ren Bil­dungs­stät­te gege­ben sind. Zudem über­sieht der Klä­ger, dass C ihre Aus­bil­dung zwar an der I‑Schule begon­nen, sie jedoch unmit­tel­bar vor dem Wech­sel an die Hoge­school an der weder erlaub­ten, geneh­mig­ten noch aner­kann­ten Aca­de­my fort­ge­setzt hat, so dass es bereits inso­weit an einer lücken­lo­sen Aus­bil­dung an einer genehmigten/​anerkannten Schu­le fehlt.

Auf­grund der im ange­foch­te­nen Urteil getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen kann der Bun­des­fi­nanz­hof nicht beur­tei­len, ob das an die Hoge­school gezahl­te Kol­leg­geld gemäß § 52 Abs. 24b EStG n.F. als Son­der­aus­ga­be gel­tend gemacht wer­den könn­te.

Nach die­ser Vor­schrift gilt für Schul­geld­zah­lun­gen an Schu­len in frei­er Trä­ger­schaft oder an über­wie­gend pri­vat finan­zier­te Schu­len, die in einem ande­ren Mit­glied­staat der EU oder in einem Staat bele­gen sind, auf den das Abkom­men über den EWR Anwen­dung fin­det, eine beson­de­re Über­gangs­re­ge­lung. § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist danach für noch nicht bestands­kräf­ti­ge Steu­er­fest­set­zun­gen der Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me vor 2008 mit der Maß­ga­be anzu­wen­den, dass es sich nicht um eine gemäß Art. 7 Abs. 4 GG erlaub­te Ersatz­schu­le oder eine nach Lan­des­recht aner­kann­te all­ge­mein­bil­den­de Ergän­zungs­schu­le han­deln muss, sofern die­se Schu­len zu einem von dem zustän­di­gen inlän­di­schen Minis­te­ri­um eines Lan­des, von der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Län­der oder von einer inlän­di­schen Zeug­nis­an­er­ken­nungs­stel­le aner­kann­ten oder einem inlän­di­schen Abschluss an einer öffent­li­chen Schu­le als gleich­wer­tig aner­kann­ten all­ge­mein­bil­den­den oder berufs­bil­den­den Schul‑, Jahr­gangs- oder Berufs­ab­schluss füh­ren.

Die auf­grund der EuGH-Recht­spre­chung not­wen­dig gewor­de­ne Neu­re­ge­lung der steu­er­li­chen Berück­sich­ti­gung des Schul­gelds für Pri­vat­schu­len durch das JStG 2009 führt dazu, dass nicht mehr die lan­des­recht­li­che Aner­ken­nung einer bestimm­ten Pri­vat­schu­le, son­dern der durch die Schu­le ver­mit­tel­te Abschluss für die Fra­ge der Abzieh­bar­keit des Schul­gelds ent­schei­dend ist, da nach Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers eine Über­tra­gung der bis­he­ri­gen schul­recht­li­chen Kri­te­ri­en auf aus­län­di­sche Schu­len nicht mög­lich war9.

Da das Urteil des Finanz­ge­richts vor dem Inkraft­tre­ten des JStG 2009 erging, feh­len zwangs­läu­fig finanz­ge­richt­li­che Fest­stel­lun­gen, ob die Vor­aus­set­zun­gen des § 52 Abs. 24b Satz 2 EStG n.F. gege­ben sind. Das Finanz­ge­richt wird die­se im zwei­ten Rechts­gang nach­zu­ho­len und dabei die fol­gen­den Aspek­te zu beach­ten haben:

  • Soll­te sich her­aus­stel­len, dass es sich bei der Hoge­school um eine (Fach-)Hochschule im schul­recht­li­chen Sin­ne han­delt, ist ein Son­der­aus­ga­ben­ab­zug zu ver­sa­gen, da die Über­gangs­re­ge­lung aus­drück­lich nur den Begriff "Schu­le" ver­wen­det. Der Abzug von (Fach-)Hochschulgebühren ist damit auch nach der Neu­re­ge­lung des Schul­geld­ab­zu­ges durch das JStG 2009 nicht mög­lich10.

    Es bedarf kei­ner teleo­lo­gi­schen Exten­si­on des § 52 Abs. 24b EStG n.F. auf (Fach-)Hochschulen, um eine euro­pa­rechts­wid­ri­ge Dis­kri­mi­nie­rung zu ver­mei­den. Zwar war bis­lang aus­nahms­wei­se ein Abzug für an (Fach-)Hochschulen geleis­te­te Zah­lun­gen mög­lich, wenn Hoch­schu­len bei inlän­di­scher Ansäs­sig­keit als Ersatz- oder Ergän­zungs­schu­le i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. geneh­migt oder aner­kannt wur­den bzw. hät­ten geneh­migt oder aner­kannt wer­den kön­nen. In einem sol­chen Fall ergibt sich der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für das geleis­te­te Schul­geld jedoch bereits auf­grund des euro­pa­rechts­kon­form aus­ge­leg­ten § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F.

  • Das Finanz­ge­richt wird wei­ter­hin klä­ren müs­sen, ob es sich bei der Hoge­school um eine staat­li­che oder um eine pri­va­te Schu­le han­delt. Nach der Über­gangs­re­ge­lung des § 52 Abs. 24b Satz 2 EStG n.F. sind ledig­lich Schul­geld­zah­lun­gen an Schu­len in frei­er Trä­ger­schaft oder an über­wie­gend pri­vat finan­zier­te Schu­len im EU/EWR-Aus­land von der Über­gangs­re­ge­lung erfasst.

    Der erken­nen­de Senat weist dar­auf hin, dass gemein­schafts­recht­lich eine Aus­wei­tung des § 52 Abs. 24b EStG n.F. auf staat­li­che Schu­len nicht gebo­ten ist.

    So hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof den Unter­richt in bestimm­ten Ein­rich­tun­gen, die zu einem staat­li­chen Bil­dungs­sys­tem gehö­ren und ganz oder haupt­säch­lich aus öffent­li­chen Mit­teln finan­ziert wer­den, vom Begriff der Dienst­leis­tung i.S. von Art. 49 und 50 des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft11 aus­ge­nom­men12. Der Staat wol­le durch die Errich­tung und Erhal­tung eines sol­chen staat­li­chen Bil­dungs­sys­tems, das in der Regel aus dem Staats­haus­halt und nicht von den Schü­lern oder ihren Eltern finan­ziert wer­de, kei­ne gewinn­brin­gen­de Tätig­keit auf­neh­men, son­dern erfül­le viel­mehr sei­ne Auf­ga­ben auf sozia­lem, kul­tu­rel­lem und bil­dungs­po­li­ti­schem Gebiet gegen­über sei­nen Bür­gern.

    Auch Art. 18 EG (jetzt Art. 21 AEUV) erfor­dert kei­ne Ein­be­zie­hung von staat­li­chen EU/E­WR-Schu­len in die Über­gangs­re­ge­lung. Zwar ist ein Ver­stoß gegen die Frei­zü­gig­keit i.S. des Art. 18 EG (jetzt Art. 21 AEUV) nach Auf­fas­sung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs dann zu prü­fen, wenn kei­ne Ver­let­zung des Art. 49 und 50 EG (jetzt Art. 56 und 57 AEUV) vor­liegt13. § 52 Abs. 24b EStG n.F. ver­stößt jedoch nicht gegen Art. 18 EG (jetzt Art. 21 AEUV), da auch eine staat­li­che inlän­di­sche Schu­le nicht von § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG a.F. erfasst wäre und ein Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für das ent­spre­chen­de Schul­geld nicht in Betracht käme14.

  • Als wei­te­re Vor­aus­set­zung für den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug wird zu prü­fen sein, ob es sich bei dem durch die Hoge­school ver­mit­tel­ten Abschluss der C um einen von dem zustän­di­gen inlän­di­schen Minis­te­ri­um eines Lan­des, von der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Län­der oder von einer inlän­di­schen Zeug­nis­an­er­ken­nungs­stel­le aner­kann­ten oder einem inlän­di­schen Abschluss an einer öffent­li­chen Schu­le als gleich­wer­tig aner­kann­ten all­ge­mein­bil­den­den oder berufs­bil­den­den Schul‑, Jahr­gangs- oder Berufs­ab­schluss han­delt. Die Prü­fung und Fest­stel­lung der schul­recht­li­chen Kri­te­ri­en obliegt allein dem zustän­di­gen inlän­di­schen Lan­des­mi­nis­te­ri­um, der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz oder der zustän­di­gen inlän­di­schen Zeug­nis­an­er­ken­nungs­stel­le. An das Ergeb­nis die­ser Prü­fung sind die Finanz­ver­wal­tung und die Finanz­ge­richts­bar­keit eben­so gebun­den, wie sie es bei der frü­he­ren Rechts­la­ge waren15.
  • Der Bun­des­fi­nanz­hof weist im Übri­gen dar­auf hin, dass den Klä­ger erhöh­te Mit­wir­kungs­pflich­ten nach § 90 Abs. 2 der Abga­ben­ord­nung tref­fen, da es sich um ein Ent­gelt han­delt, das an eine EU/E­WR-aus­län­di­sche Schu­le gezahlt wor­den ist.

Die Rechts­auf­fas­sung des Finanz­am­tes, der Klä­ger selbst müs­se aus dem Ver­trag mit der Hoge­school ver­pflich­tet sein, kann der Bun­des­fi­nanz­hof nicht tei­len. Der Abzug­s­tat­be­stand des § 10 EStG setzt zwar – wie das Finanz­amt auch unter Bezug­nah­me auf die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs16 vor­ge­tra­gen hat – nicht nur vor­aus, dass der Steu­er­schuld­ner selbst den Auf­wand wirt­schaft­lich trägt, son­dern grund­sätz­lich auch, dass er die Leis­tung als Ver­trags­part­ner erbringt17.

Die­se Recht­spre­chung, die vor allem im Hin­blick auf die Über­nah­me von Ver­si­che­rungs­bei­trä­gen ergan­gen ist, kann jedoch nicht unein­ge­schränkt auf den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für das Schul­geld über­tra­gen wer­den. Bereits aus dem Tat­be­stand des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG ergibt sich, dass die­se Son­der­aus­ga­be im Gegen­satz zu den ande­ren in § 10 Abs. 1 EStG genann­ten Auf­wen­dun­gen aus­nahms­wei­se nicht dem Steu­er­pflich­ti­gen selbst zugu­te­kommt, son­dern einer ande­ren Per­son, sei­nem Kind. Die Über­nah­me von Schul­geld wie auch von Stu­di­en­ge­büh­ren stellt einen typi­schen Unter­halts­auf­wand dar18, zum Aus­bil­dungs­un­ter­halt i.S. von § 1610 BGB gehö­ren auch Stu­di­en­ge­büh­ren19. Somit kom­men die Eltern mit der Zah­lung des Schul­gelds ihren Unter­halts­ver­pflich­tun­gen nach. Die­se recht­li­che Ver­pflich­tung reicht aus, um den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG in Anspruch neh­men zu kön­nen; es ist damit nicht zwin­gend erfor­der­lich, dass der Unter­halts­ver­pflich­te­te selbst Ver­trags­part­ner des mit der Pri­vat­schu­le i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG abge­schlos­se­nen Ver­tra­ges wird20.

Die Revi­si­on ist begrün­det und führt zur Auf­he­bung der Vor­ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Finanz­ge­richt (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 FGO).

  1. seit Inkraft­tre­ten des Bür­ger­ent­las­tungs­ge­set­zes Kran­ken­ver­si­che­rung vom 16.07.2009, BGBl I 2009, 1959, § 52 Abs. 24a EStG []
  2. JStG 2007 vom 13. Dezem­ber 2006, BGBl I 2006, 2878 []
  3. vgl. BFH, Urteil vom 29.04.2009 – X R 30/​08, BFH/​NV 2009, 1623, m.w.N. []
  4. vgl. BFH, Urteil vom 05.11.2002 – IX R 32/​02, BFH/​NV 2003, 599 []
  5. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2003, 599; Urteil in BFH/​NV 2009, 1623, FG Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 06.11.2004 – 18 K 1022/​03 E, EFG 2005, 353, und vom 11.04.2008 – 18 K 375/​06 E, EFG 2008, 1199; FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 06.04.2006 8 K 57/​03, EFG 2006, 976 []
  6. gefes­tig­te BFH-Recht­spre­chung, vgl. Urteil in BFH/​NV 2009, 1623, m.w.N. []
  7. EuGH, Urtei­le in Slg. 2007 I‑6849 und vom 11.09.2007, Rs. C‑318/​05, Kommission/​Deutschland, Slg. 2007, I‑6957 []
  8. BFH, Urteil in BFHE 222, 428, BSt­Bl II 2008, 976 []
  9. vgl. Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs des JStG 2009, BTDrucks 16/​10189, 49 []
  10. so aus­drück­lich Bericht des Finanz­aus­schus­ses zu dem Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung eines Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2009, BTDrucks 16/​11108, 12 []
  11. jetzt Art. 56 und 57 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on –AEUV– []
  12. u.a. EuGH-Urtei­le in Slg. 2007, I‑6849, Rz 38 f., und vom 20.05.2010, Rs. C‑56/​09, Zanot­ti, Slg. 2010, I‑4517, Rz 31, jeweils m.w.N. []
  13. sie­he dazu BFH, Urteil vom 03.12.2008 X R 26/​08, BFH/​NV 2009, 902 []
  14. eben­so BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 902; FG Müns­ter, Urteil vom 19.06.2009 14 K 1652/​06 E, EFG 2010, 49; Kulosa in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 10 EStG Rz 277 []
  15. vgl. Schaffhausen/​Plenker, Deut­sches Steu­er­recht 2009, 1123, 1124 []
  16. vgl. BFH, Urteil vom 08.03.1995 – X R 80/​91, BFHE 177, 375, BSt­Bl II 1995, 637 []
  17. BFH, Urteil vom 19.04.1989 – X R 28/​86, BFHE 157, 505, BSt­Bl II 1989, 862, m.w.N. []
  18. so auch BFH, Urteil vom 17.12.2009 – VI R 63/​08, BFHE 227, 487, BSt­Bl II 2010, 341 []
  19. vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 23.12.2008 – 11 UF 519/​08, NJW-Recht­spre­chungs-Report Zivil­recht 2009, 1153 []
  20. so jetzt auch Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Müns­ter, Ver­fü­gung vom 05.11. 2010, Steu­er­erlas­se in Kar­tei­form, § 10 Abs. 1 Ziff. 9 n.F., Nr. 17; a.A. Stö­cker in Bordewin/​Brandt, § 10 EStG, Rz 860 []