Spen­den ins EU-Aus­land

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten hat in sei­nem auf ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­fi­nanz­hofs ergan­ge­nen "Persche"-Urteil 1 zur steu­er­li­chen Abzieh­bar­keit von Spen­den an eine gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on die­se EU-Spen­den den inlän­di­schen Spen­den gleich­ge­stellt:

Spen­den ins EU-Aus­land
  1. Macht ein Steu­er­pflich­ti­ger in einem Mit­glied­staat die steu­er­li­che Abzugs­fä­hig­keit von Spen­den an Ein­rich­tun­gen gel­tend, die in einem ande­ren Mit­glied­staat ansäs­sig und dort als gemein­nüt­zig aner­kannt sind, fal­len sol­che Spen­den auch dann unter die Bestim­mun­gen des EG-Ver­trags über den frei­en Kapi­tal­ver­kehr, wenn es sich um Sach­spen­den in Form von Gegen­stän­den des täg­li­chen Gebrauchs han­delt.
  2. Arti­kel 56 EG steht der Rege­lung eines Mit­glied­staats ent­ge­gen, wonach bei Spen­den an als gemein­nüt­zig aner­kann­te Ein­rich­tun­gen nur Spen­den an im Inland ansäs­si­ge Ein­rich­tun­gen von der Steu­er abge­zo­gen wer­den kön­nen, ohne jede Mög­lich­keit für den Spen­der, nach­zu­wei­sen, dass eine Spen­de an eine Ein­rich­tung, die in einem ande­ren Mit­glied­staat ansäs­sig ist, die nach die­ser Rege­lung gel­ten­den Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung einer sol­chen Ver­güns­ti­gung erfüllt.

Der Bun­des­fi­nanz­hof, der den Euro­päi­schen Gerichts­hof in die­ser Sache im Hin­blick auf § 10b Absatz 1 und Absatz 1a EStG ange­ru­fen hat­te 2, hat in Umset­zung die­ser Ent­schei­dung des EuGH sodann ent­schie­den 3:

Der EuGH-Ent­schei­dung ent­spre­chend hat der Steu­er­pflich­ti­ge unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die Mög­lich­keit, auch Spen­den an eine Ein­rich­tung, die in einem ande­ren Mit­glied­staat ansäs­sig ist, abzu­zie­hen. Das ist der Fall, wenn die begüns­tig­te Ein­rich­tung die Vor­aus­set­zun­gen der natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten (also die Vor­aus­set­zun­gen der §§ 51 bis 68 AO) für die Gewäh­rung von Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen erfüllt. Kön­nen Spen­den an eine Ein­rich­tung eines ande­ren Mit­glied­staats als gemein­nüt­zig aner­kannt wer­den, was die natio­na­len Stel­len des Mit­glied­staats des Steu­er­pflich­ti­gen ein­schließ­lich der Gerich­te zu beur­tei­len haben, kann der Abzug nicht allein aus dem Grund ver­wehrt wer­den, dass die Ein­rich­tung nicht im Inland ansäs­sig ist. Die betei­lig­ten Steu­er­be­hör­den kön­nen vom Steu­er­pflich­ti­gen alle Bele­ge ver­lan­gen, die ihnen für die Beur­tei­lung der Fra­ge not­wen­dig erschei­nen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Abzieh­bar­keit der Aus­ga­ben nach den ein­schlä­gi­gen Rechts­vor­schrif­ten erfüllt sind und der ver­lang­te Abzug dem­entspre­chend gewährt wer­den kann. Es ist Sache der zustän­di­gen natio­na­len Behör­den ein­schließ­lich der Gerich­te zu über­prü­fen, ob der Nach­weis für die Ein­hal­tung der von die­sem Mit­glied­staat für die Gewäh­rung der frag­li­chen Steu­er­ver­güns­ti­gung auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen gemäß den Regeln des natio­na­len Rechts erbracht wor­den ist. Erweist sich die Nach­prü­fung der von dem Steu­er­pflich­ti­gen vor­ge­leg­ten Aus­künf­te als schwie­rig, ins­be­son­de­re wegen der in Arti­kel 8 der Amts­hil­fe-Richt­li­nie 4 vor­ge­se­he­nen Gren­zen des Aus­kunfts­aus­tauschs, sind die Finanz­be­hör­den nicht dar­an gehin­dert, bei Nicht­vor­la­ge der Nach­wei­se, die sie für die zutref­fen­de Steu­er­fest­set­zung als erfor­der­lich anse­hen, den bean­trag­ten Steu­er­ab­zug zu ver­wei­gern.

Anwen­dung in allen offe­nen Fäl­len

Nach dem aktu­el­len Erlass des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums sind die­se bei­den Urtei­le bis zur Ver­kün­dung einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung in allen noch nicht bestands­kräf­tig ver­an­lag­ten Fäl­len ange­wen­det.

Klar­stel­lend weist das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um dar­auf hin, dass das Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs aus­schließ­lich Spen­den in einen ande­ren Staat der Euro­päi­schen Uni­on und des Euro­päi­schen Wirt­schafts­raums betrifft und dem­ge­mäß auch nur inso­weit anzu­wen­den ist. Wei­te­re Vor­aus­set­zung ist, dass die­se Staa­ten gegen­sei­tig zwi­schen­staat­li­che Amts­hil­fe im Bereich der Steu­er­fest­set­zung und gegen­sei­tig Unter­stüt­zung bei der zwi­schen­staat­li­chen Bei­trei­bung von Steu­er­for­de­run­gen leis­ten.

Unter "Amts­hil­fe" ist dabei der Aus­kunfts­aus­tausch im Sin­ne oder ent­spre­chend der Richt­li­nie 77/​799/​EWG des Rates vom 19. Dezem­ber 1977 über die gegen­sei­ti­ge Amts­hil­fe zwi­schen den zustän­di­gen Behör­den der Mit­glied­staa­ten im Bereich der direk­ten Steu­ern und der Mehr­wert­steu­er 5 ein­schließ­lich der in die­sem Zusam­men­hang anzu­wen­den­den Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen in den für den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum gel­ten­den Fas­sun­gen oder eines ent­spre­chen­den Nach­fol­ge­rechts­ak­tes ver­ste­hen. Unter der Unter­stüt­zung bei der zwi­schen­staat­li­chen Bei­trei­bung von Steu­er­for­de­run­gen ver­steht das BMF die gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung bei der Bei­trei­bung von For­de­run­gen im Sin­ne oder ent­spre­chend der Richt­li­nie 2008/​55/​EG des Rates vom 26. Mai 2008 über die gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung bei der Bei­trei­bung von For­de­run­gen in Bezug auf bestimm­te Abga­ben , Zöl­le, Steu­ern und sons­ti­ge Maß­nah­men 6 ein­schließ­lich der in die­sem Zusam­men­hang anzu­wen­den­den Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen in den für den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum gel­ten­den Fas­sun­gen oder eines ent­spre­chen­den Nach­fol­ge­rechts­ak­tes.

Nach­weis für die Berech­ti­gung zum Spen­den­ab­zug

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um beab­sich­tigt, die Moda­li­tä­ten der Nach­wei­ser­brin­gung für die Berech­ti­gung zum Spen­den­ab­zug in einem wei­te­ren BMF-Schrei­ben zu regeln. Grund­la­ge dafür wer­den vor allem die Aus­sa­gen des EuGH in dem "Persche"-Urteil sein, die sich der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil voll­in­halt­lich zu Eigen gemacht hat.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 6. April 2010
– IV C 4 – S 2223/​07/​0005 – (2010/​0210938)

  1. EuGH, Urteil vom 27.01.2009 – C‑318/​07 [Per­sche][]
  2. BFH, Beschluss vom 03.05.2007 – X R 46/​05[]
  3. BFH, Urteil vom 27.05. 2009 – X R 46/​05[]
  4. Richt­li­nie 77/​799/​EWG des Rates vom 19. Dezem­ber 1977 über die gegen­sei­ti­ge Amts­hil­fe zwi­schen den zustän­di­gen Behör­den der Mit­glied­staa­ten im Bereich der direk­ten und indi­rek­ten Steu­ern, ABlEG 1977, Num­mer L 336, Sei­te 15, in der durch die Akte über die Bedin­gun­gen des Bei­tritts der Repu­blik Öster­reich, der Repu­blik Finn­land und des König­reichs Schwe­den und die Anpas­sun­gen der die Euro­päi­sche Uni­on begrün­den­den Ver­trä­ge, ABlEG 1994, Num­mer C 241, Sei­te 21, und ABlEG 1995, Num­mer L 1, Sei­te 1, geän­der­ten Fas­sung[]
  5. ABl. L 336 vom 27. Dezem­ber 1977, Sei­te 15, zuletzt geän­dert durch die Richt­li­nie 2006/​98/​EG des Rates vom 20. Novem­ber 2006, ABl. L 363 vom 20. Dezem­ber 2006, Sei­te 129[]
  6. ABl. L 150 vom 10. Juni 2008, Sei­te 28[]