Split­ting­ta­rif – und die Besteue­rung ver­wit­we­ter Allein­er­zie­hen­der

Die Fra­ge, ob die Besteue­rung (ver­wit­we­ter) Allein­er­zie­hen­der nach dem Grund­ta­rif gemäß § 25 EStG ‑anstel­le einer Besteue­rung nach dem Split­ting­ta­rif gemäß §§ 26, 26b EStG- als Ver­stoß gegen das Grund­recht auf Schutz (der Ehe und) der Fami­lie gemäß Art. 6 Abs. 1 GG bzw. als Ver­stoß gegen das Grund­recht auf gleich­mä­ßi­ge Besteue­rung auf­grund des all­ge­mei­nen Gleich­heits­grund­sat­zes gemäß Art. 3 GG anzu­se­hen ist, hat der Bun­des­fi­nanz­hof erneut ver­neint und sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung damit bestä­tigt1.

Split­ting­ta­rif – und die Besteue­rung ver­wit­we­ter Allein­er­zie­hen­der

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits ent­schie­den, dass die Grün­de, die den Split­ting­ta­rif für Ehe­leu­te recht­fer­ti­gen, auf Allein­er­zie­hen­de mit Kin­dern nicht über­trag­bar sind, so dass der Gleich­heits­satz in Ver­bin­dung mit Art. 6 Abs. 1 GG eine Aus­deh­nung des Split­ting­vor­teils auf die­se Per­so­nen­grup­pe nicht gebie­tet.

Zwi­schen Allein­er­zie­hen­den und ihren Kin­dern besteht hier­nach weder wirt­schaft­lich noch fami­li­en­recht­lich eine Gemein­schaft des Erwerbs, die zu einer antei­li­gen Teil­ha­be am Fami­li­en­ein­kom­men führt, son­dern ein Unter­halts­ver­hält­nis. Auch kommt für Allein­ste­hen­de mit Kin­dern ein durch Art. 6 Abs. 1 GG zu schüt­zen­des Recht, über die Auf­ga­ben­ver­tei­lung in der Ehe part­ner­schaft­lich zu ent­schei­den, von vorn­her­ein nicht in Betracht2.

Der Bun­des­fi­nanz­hof kann nicht erken­nen, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an die­sen Grund­sät­zen in sei­nem Beschluss „Lebens­part­ner­schaft/​Ehe­gat­ten­split­ting” nicht mehr fest­hält. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geht in die­ser Ent­schei­dung viel­mehr nach wie vor davon aus, dass sich Ehe/​Lebenspartnerschaft sowohl von unge­bun­de­nen Part­ner­be­zie­hun­gen als auch von den Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen Ver­wand­ten unter­schei­den3.

Abwei­chen­des folgt auch nicht aus einer Gegen­über­stel­lung der Kin­der­frei­be­trä­ge nach § 32 Abs. 6 EStG in Höhe von 7.008 EUR im Streit­jahr einer­seits und des im Rah­men des Real­split­tings nach § 10 Abs. 1 Nr. 1 EStG mög­li­chen Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs von bis zu 13.805 EUR ande­rer­seits. Denn ‑anders als die Rege­lung der Kin­der­frei­be­trä­ge- ent­spricht das Real­split­ting dem Prin­zip der mate­ri­ell-recht­li­chen Kor­re­spon­denz, das sei­ner­seits auf dem Kon­zept des Trans­fers von Ein­künf­ten beruht4.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der im Jahr 2011 zu gewäh­ren­den Frei­be­trä­ge i.S. des § 32 Abs. 6 EStG bereits in dem Beschluss vom 19.03.20145 dahin­ge­hend beant­wor­tet hat, dass kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit bestehen. Dar­an hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17. Janu­ar 2017 – III B 20/​1

  1. BFH, Beschluss vom 29.09.2016 – III R 62/​13, NJW 2017, 430, m.w.N.
  2. vgl. BVerfG, Urteil vom 03.11.1982 – 1 BvR 620/​78, 1 BvR 1335/​78, 1 BvR 1104/​79, 1 BvR 363/​80, BVerfGE 61, 319, BSt­Bl II 1982, 717, unter C.I. 4.b; s. hier­zu auch den BFH, Beschluss in NJW 2017, 430, und die BFH, Beschlüs­se vom 17.10.2012 – III B 68/​12, BFH/​NV 2013, 362, Rz 28, und in BFH/​NV 2013, 1406, Rz 14
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.05.2013 – 2 BvR 909/​06, 2 BvR 1981/​06, 2 BvR 288/​07, BVerfGE 133, 377, unter C.II. 3.a
  4. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 09.12 2009 – X R 49/​07, BFH/​NV 2010, 1790, Rz 28, m.w.N.
  5. BFH, Beschluss vom 19.03.2014 – III B 74/​13, BFH/​NV 2014, 1032, Rz 9 ff.