Split­ting­ta­rif für ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaf­ten?

Gleich drei Sena­te des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg muss­ten sich aktu­ell mit der Fra­ge befas­sen, ob der Steu­er­vor­teil des Split­ting­ta­rifs (bzw. – im Lohn­steu­er­ab­zugs­ver­fah­ren – der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V) nicht nur von nicht dau­er­haft getrennt leben­den Ehe­gat­ten, son­dern auch von gleich­ge­schlecht­li­chen Part­nern, die gemein­sam in einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft leben, in Anspruch genom­men wer­den kann. Und wie sich das für Juris­ten gehört, sind die drei Sena­te zu durch­aus unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen gelangt.

Split­ting­ta­rif für ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaf­ten?

Die zeit­lich ers­te Ent­schei­dung stammt vom 12. Senat des Finanz­ge­richts­ge­richts Baden-Würt­tem­berg. Die­ser hat eine sol­che Aus­deh­nung des Split­ting­vor­teils auf ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaf­ten abge­lehnt, weil dies dem ein­deu­ti­gen Geset­zes­wort­laut wider­spre­che und ihr der klar erkenn­ba­re gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le ent­ge­gen­ste­he, eine der­ar­ti­ge Gleich­stel­lung gleich­ge­schlecht­li­cher Lebens­part­ner­schaf­ten mit der Ehe eben nicht vor­zu­neh­men. Davon, dass die­se Ungleich­be­hand­lung ver­fas­sungs­wid­rig sein könn­te, zeig­te sich der 12. Senat nicht über­zeugt.

Im Ergeb­nis eben­falls abschlä­gig beschie­den hat sodann der 4. Senat mit das Anlie­gen zwei­er Lebens­part­ner, im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes auf ihren Lohn­steu­er­kar­ten die güns­ti­ge­re Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V zuge­wie­sen zu bekom­men. Auch wenn ernst­li­che Zwei­fel dar­an bestün­den, ob die Beschrän­kung die­ser Lohn­steu­er­klas­sen­wahl auf Ehe­gat­ten mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar ist, müs­se das Aus­set­zungs­in­ter­es­se der Lebens­part­ner bei der gebo­te­nen Abwä­gung hin­ter dem öffent­li­chen Inter­es­se an einer geord­ne­ten Haus­halts­füh­rung und dem Gel­tungs­an­spruch des (jeden­falls der Form nach ord­nungs­ge­mäß erlas­se­nen) Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes zurück­ste­hen.

Die glei­che Abwä­gung hat auch der 3. Senat in sei­nen vor­ge­nom­men, ist dabei jedoch in zwei bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren zum gegen­tei­li­gen Ergeb­nis gelangt und hat des­halb im Wege der Aus­set­zung der Voll­zie­hung den ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern den Lohn­steu­er­ab­zug nach der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V gewährt.

Gegen die spä­te­re die­ser bei­den Ent­schei­dun­gen des 3. Senats hat hat die unter­le­ge­ne Finanz­ver­wal­tung Beschwer­de zum Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­legt [1]. Das letz­te Wort ist also noch nicht gespro­chen.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 5. Dezem­ber 2011 – 12 K 848/​11;
Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2011 – 4 V 1910/​11;
Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschlüs­se vom 12. Sep­tem­ber 2011 – 3 V 2820/​11; und vom 2. Dezem­ber 2011 – 3 V 3699/​11

  1. BFH – III B 4/​12[]