Steu­er­ermä­ßi­gung Hand­wer­k­erleis­tun­gen 2008

Die Steu­er­ermä­ßi­gung für Hand­wer­k­erleis­tun­gen kann nicht bereits im Jah­re 2008 in der ver­dop­pel­ten Höhe von 1.200.- € ange­setzt wer­den, urteil­te nach dem Finanz­ge­richt Müns­ter nun auch das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz.

Steu­er­ermä­ßi­gung Hand­wer­k­erleis­tun­gen 2008

Die Rechts­strei­te gehen dar­auf zurück, dass der Höchst­be­trag der Steu­er­ermä­ßi­gung für Hand­wer­k­erleis­tun­gen auf bis­her 600.- € lau­te­te; mit einer im Jah­re 2008 durch­ge­führ­ten Geset­zes­än­de­rung wur­de die­ser Höchst­be­trag für die Jah­re ab 2009 auf 1.200.- € ver­dop­pelt. Strei­tig war nun, ob die die Anwen­dungs­vor­schrif­ten so ver­stan­den wer­den kön­nen, dass der höhe­re Betrag von 1.200.- € schon bereits für das Jahr 2008 gewährt wer­den kann.

In dem jetzt vom Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Recht­streit waren den Klä­gern im Jah­re 2008 Auf­wen­dun­gen für Hand­wer­k­erleis­tun­gen – in Form von Arbei­ten am Dach, Fas­sa­de und Gara­gen – in Höhe von über 4.200.- € ent­stan­den. In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2008 begehr­ten sie eine Steu­er­ermä­ßi­gung von 20% des Betra­ges, also rd. 840.- €. Das beklag­te Finanz­amt gewähr­te aller­dings nur eine Steu­er­ermä­ßi­gung von 600.- € und begrün­de­te das damit, dass Auf­wen­dun­gen für Hand­wer­k­erleis­tun­gen im Jah­re 2008 nur bis zu die­sem Höchst­be­trag ange­setzt wer­den könn­ten. Der geän­der­te Höchst­be­trag kön­ne erst ab 2009 berück­sich­tigt wer­den.

Mit ihrer dage­gen gerich­te­ten Kla­ge tru­gen die Klä­ger vor, die Anwen­dungs­vor­schrift, durch die eine Anwen­dung des ver­dop­pel­ten Höchst­be­tra­ges bereits im Jah­re 2008 habe ver­hin­dert wer­den sol­len, sei erst zum 1. Janu­ar 2009 in Kraft getre­ten, wäh­rend die Geset­zes­vor­schrift, die den Höchst­be­trag von 600.- € auf 1.200.- € ver­dop­pelt habe, am Tage nach der Ver­kün­dung (29.12.2008), also noch im Jah­re 2008, in Kraft getre­ten sei. Dar­aus fol­ge, dass der ver­dop­pel­te Höchst­be­trag schon im Jah­re 2008 berück­sich­tigt wer­den kön­ne.

Die Klä­ger hat­ten mit die­ser Argu­men­ta­ti­on aller­dings kei­nen Erfolg. Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz sah die Steu­er­ermä­ßi­gung hin­sicht­lich des Jah­res 2008 noch auf den Höchst­be­trag von 600.- € beschränkt. Aus dem Umstand, dass die Geset­zes­än­de­rung mit der Ver­dopp­lung des Höchst­be­tra­ges zeit­lich vor der Anwen­dungs­vor­schrift in Kraft getre­ten sei, kön­ne nichts ande­res geschlos­sen wer­den. Inso­weit lie­ge ledig­lich ein erkenn­ba­res Redak­ti­ons­ver­se­hen des Gesetz­ge­bers vor.

Eine wört­li­che Aus­le­gung der Geset­zes­vor­schrif­ten wür­de näm­lich zu einem sinn­wid­ri­gen Ergeb­nis füh­ren, das vom Gesetz­ge­ber nicht gewollt sein kön­ne.

Unter Berück­sich­ti­gung der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und vom Sinn und Zweck des Geset­zes, der sich ins­be­son­de­re der Geset­zes­be­grün­dung (u.a. in die Zukunft gerich­te­te Impul­se für die Über­win­dung der Kon­junk­tur­schwä­che und Arbeits­platz­si­che­rung) ent­neh­men las­se, sei­en die in Rede ste­hen­den Vor­schrif­ten dahin aus­zu­le­gen, dass die Ver­dop­pe­lung des Höchst­be­tra­ges der Steu­er­ermä­ßi­gung für die Inan­spruch­nah­me von Hand­wer­k­erleis­tun­gen erst ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2009 gel­ten soll­te. Das Redak­ti­ons­ver­se­hen beru­he dar­auf, dass eigent­lich eine Kol­li­si­on hin­sicht­lich des Inkraft­tre­tens des Wachs­tums­stär­kungs­ge­set­zes und des Fami­li­en­leis­tungs­ge­set­zes hät­te ver­mie­den wer­den sol­len. Dar­aus fol­ge, dass nicht gewollt gewe­sen sei, die für 2009 geplan­te Begüns­ti­gung (Anhe­bung des Höchst­be­tra­ges auf 1.200.- €) bereits im Jah­re 2008 wirk­sam wer­den zu las­sen.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 26. Janu­ar 2010 – 3 K 2002/​09