Steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung von Mit­glieds­bei­trä­gen

Wer­den kul­tu­rel­le Zwe­cke im Sin­ne des Abschnitts A Nr. 3 der Anla­ge 1 zu § 48 Abs. 2 ESt­DV geför­dert, sind neben Spen­den auch Mit­glieds­bei­trä­ge steu­er­lich abzieh­bar. Nur Spen­den, nicht aber Mit­glieds­bei­trä­ge, dür­fen dage­gen steu­er­lich abge­zo­gen wer­den, wenn kul­tu­rel­le Betä­ti­gun­gen geför­dert wer­den, die in ers­ter Linie der Frei­zeit­ge­stal­tung die­nen. Wer­den Zwe­cke geför­dert, die sowohl in Abschnitt A als auch in Abschnitt B der Anla­ge 1 zu § 48 Abs. 2 ESt­DV bezeich­net sind, dür­fen eben­falls nur Spen­den, nicht aber Mit­glieds­bei­trä­ge, steu­er­lich abge­zo­gen wer­den (§ 48 Abs. 4 Satz 2 ESt­DV).
Gewährt eine gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung ihren Mit­glie­dern geld­wer­te Vor­tei­le, durch die kul­tu­rel­le Betä­ti­gun­gen geför­dert wer­den, die in ers­ter Linie der Frei­zeit­ge­stal­tung der Mit­glie­der die­nen, dür­fen die Mit­glieds­bei­trä­ge, so das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in einem Rund­schrei­ben, steu­er­lich nicht abge­zo­gen wer­den.

Steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung von Mit­glieds­bei­trä­gen

Des­halb hat z.B. die Beschaf­fung von ver­bil­lig­ten oder unent­gelt­li­chen Ein­tritts­kar­ten für Mit­glie­der zu Ver­an­stal­tun­gen, die auch der All­ge­mein­heit zugäng­lich sind, zur Fol­ge, dass die Mit­glieds­bei­trä­ge steu­er­lich nicht abzieh­bar sind. Mit­glieds­bei­trä­ge dür­fen eben­falls nicht abge­zo­gen wer­den, wenn bereits die Mög­lich­keit der Inan­spruch­nah­me von geld­wer­ten Vor­tei­len durch Mit­glie­der besteht; auf die tat­säch­li­che Inan­spruch­nah­me kommt es nicht an. Auch wenn die gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung nur ein­zel­nen Mit­glie­dern ent­spre­chen­de geld­wer­te Vor­tei­le anbie­tet oder gewährt, för­dert sie damit eine kul­tu­rel­le Betä­ti­gung im Sin­ne von Abschnitt B Nr. 2 der Anla­ge 1 zu § 48 Abs. 2 ESt­DV mit der Fol­ge, dass für alle Mit­glie­der die Mit­glieds­bei­trä­ge steu­er­lich nicht abge­zo­gen wer­den dür­fen.

Dage­gen führt nicht jede Annehm­lich­keit, die Mit­glie­dern gewährt wird, schon dazu, dass die Mit­glieds­bei­trä­ge steu­er­lich nicht abge­zo­gen wer­den dür­fen. Dies gilt z.B. für die Beschaf­fung von Ein­tritts­kar­ten, die nicht ver­bil­ligt sind, oder die Ver­schaf­fung eines – ggf. erleich­ter­ten – Zugangs zu nicht ver­bil­lig­ten Ein­tritts­kar­ten für Ver­an­stal­tun­gen, die auch der All­ge­mein­heit zugäng­lich sind. Glei­ches gilt, wenn pro Kalen­der­jahr unent­gelt­lich oder teil­ent­gelt­lich ein ?Dan­ke­schön­kon­zert? oder eine ähn­li­che Ver­an­stal­tung exklu­siv für Mit­glie­der (geschlos­se­ne Ver­an­stal­tung), ange­bo­ten wird, auch wenn sie ihrem Cha­rak­ter nach einer öffent­li­chen Ver­an­stal­tung ent­spricht. Thea­ter- und Orches­ter­pro­ben, zu denen nur Mit­glie­der Zugang haben, sind kei­ne ihrem Cha­rak­ter nach öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Die Mög­lich­keit für Mit­glie­der, ent­spre­chen­de Pro­ben zu besu­chen, führt daher eben­falls nicht dazu, dass die Mit­glieds­bei­trä­ge steu­er­lich nicht abge­zo­gen wer­den dür­fen.

Die­se Abgren­zung gilt unab­hän­gig davon, ob die gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung ein­heit­li­che oder gestaf­fel­te Mit­glieds­bei­trä­ge erhebt.

Wegen der bis­he­ri­gen Unsi­cher­heit in Bezug auf die Abzieh­bar­keit der Mit­glieds­bei­trä­ge ist es nach dem Rund­schrei­ben des BMF nicht zu bean­stan­den, wenn nach den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen erst­mals ab dem Jahr 2007 ver­fah­ren wird.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 19. Janu­ar 2006 – IV C 4 – S 2223 – 2/​06