Stu­di­en­ge­büh­ren

Die Kos­ten für ein Stu­di­um an einer Eli­te­uni­ver­si­tät kön­nen als vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit berück­sich­tigt wer­den, so das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz. Daher kön­nen Auf­wen­dun­gen für ein erst­ma­li­ges (Wirt­schafts-) Stu­di­um als vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt wer­den.

Stu­di­en­ge­büh­ren

Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ? BFH ? kön­nen Auf­wen­dun­gen für ein Stu­di­um als vor­ab ent­stan­de­ne Wer­bungs­kos­ten bei einer erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung aner­kannt wer­den, wenn die Auf­wen­dun­gen in einem hin­rei­chend kon­kre­ten, objek­tiv fest­stell­ba­ren Zusam­men­hang mit künf­ti­gen steu­er­ba­ren Ein­nah­men aus der ange­streb­ten beruf­li­chen Tätig­keit ste­hen (sog. Pilo­ten­ur­teil).

Der Klä­ger stu­dier­te an der WHU (Wis­sen­schaft­li­che Hoch­schu­le für Unter­neh­mens­füh­rung) in Val­len­dar und hat­te in die­ser Zeit kei­ne Ein­nah­men. Er mach­te sei­ne Auf­wen­dun­gen für das Stu­di­um beim Finanz­amt als vor­weg­ge­nom­me­ne WK gel­tend und berief sich auf die neue­re Recht­spre­chung des BFH, die auch in sei­nem Fal­le Anwen­dung fin­den müs­se. Das Finanz­amt war ande­rer Mei­nung und begrün­de­te das damit, dass ein kon­kre­ter Zusam­men­hang mit künf­ti­gen steu­er­ba­ren Ein­nah­men aus der ange­streb­ten Tätig­keit beim Klä­ger nicht fest­stell­bar sei. Da bei dem Stu­di­um zwei Aus­lands­se­mes­ter obli­ga­to­risch sei­en, sei schon frag­lich, ob die künf­ti­ge Tätig­keit über­haupt im Inland aus­ge­übt wer­den sol­le. Außer­dem sei nicht objek­tiv fest­stell­bar, wel­che beruf­li­che Tätig­keit ange­strebt wer­de. Einem Diplom­kauf­mann eröff­ne sich näm­lich ein wei­tes Betä­ti­gungs­feld, er kön­ne z.B. als Inha­ber eines Han­dels­ge­schäf­tes bzw. Steu­er­be­ra­ter selb­stän­dig oder als Ange­stell­ter nicht­selb­stän­dig oder ander­wei­tig tätig sein.

Die Kla­ge, mit der der Klä­ger gel­tend gemacht hat­te, die WHU sei eine pri­va­te Uni­ver­si­tät mit bes­ten Refe­ren­zen, sie bele­ge im natio­na­len wie auch im inter­na­tio­na­len Bereich Spit­zen­plät­ze, die Aus­bil­dung sei so gut, dass den Absol­ven­ten mit gro­ßer Sicher­heit eine Ein­stel­lung nach dem Stu­di­um mit über­durch­schnitt­li­chen Gehäl­tern garan­tiert wer­de, war erfolg­reich.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, der Abzug von Auf­wen­dun­gen als vor­ab ent­stan­de­ne WK set­ze vor­aus, dass bereits im Zeit­punkt der Ver­aus­ga­bung anhand objek­ti­ver Umstän­de ein Zusam­men­hang mit künf­ti­gen steu­er­pflich­ti­gen Ein­nah­men fest­stell­bar sein müs­se. Auf Grund des Alters des Klä­gers (21 Jah­re im Streit­jahr) und der beson­de­ren Zugangs- und Durch­füh­rungs­mo­da­li­tä­ten des WHU-Stu­di­ums stel­le sich die Sach­la­ge nach Über­zeu­gung des Senats so dar, dass schon von Beginn des Stu­di­ums an nach der Kon­zep­ti­on der Uni­ver­si­tät eine über­durch­schnitt­lich regle­men­tier­te, leis­tungs­ori­en­tier­te und pra­xis­be­ton­te Absol­vie­rung des Stu­di­en­gangs im Vor­der­grund ste­he, mit dem Ziel, den Stu­die­ren­den als Absol­ven­ten einer ?Eli­te­uni­ver­si­tät? bes­te Zugangs­vor­aus­set­zun­gen für den Arbeits­markt zu gewähr­leis­ten. Die­se Ziel­füh­rung wer­de auch maß­geb­lich durch den Ruf der Uni­ver­si­tät, den sie sich vor allem im Bereich der Pri­vat­wirt­schaft erar­bei­tet habe, gewähr­leis­tet. Der ?Spie­gel? habe sie als eine der ?bes­ten Betriebs­wirt­schafts­schu­len der Repu­blik? bezeich­net. Der Klä­ger, der im Jah­re 2005 das Diplom als Diplom-Kauf­mann mit der Gesamt­no­te sehr gut abge­legt habe, hät­te bereits vor Abschluss des Stu­di­ums drei kon­kre­te Stel­len­an­ge­bo­te gehabt. Seit dem 1. Novem­ber 2005 sei er in Düs­sel­dorf als ange­stell­ter Unter­neh­mens­be­ra­ter beschäf­tigt. Im Übri­gen gehe es nach Ansicht des Senats zu weit, vom Klä­ger ver­lan­gen zu wol­len, dass er bereits zu Beginn des Stu­di­ums sagen sol­le, ob er sein Geld spä­ter mit nicht­selb­stän­di­ger Arbeit oder mit selb­stän­di­ger Arbeit ver­die­nen wol­le. Jeden­falls ste­he es zur Über­zeu­gung des Gerich­tes fest, dass es die Absicht des Klä­gers zu Beginn des Stu­di­ums gewe­sen sei, nach der Diplo­mie­rung schnellst­mög­lich (gut dotier­te) abhän­gi­ge Beschäf­ti­gung zu suchen; der spä­te­re Gesche­hens­ab­lauf habe die­se inne­re Tat­sa­che bestä­tigt.

Nach der wer­bungs­kos­ten­min­dern­den Berück­sich­ti­gung der an den Klä­ger gezahl­ten Ver­gü­tungs­leis­tung für das Aus­lands­prak­ti­kum brach­te das FG Rhein­land-Pfalz Wer­bungs­kos­ten in Höhe von rd. 15.000.- ? in Ansatz.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 20. Febru­ar 2006 – 5 K 2443/​04