Sub­ven­ti­ons­be­trug bei der Eigen­heim­zu­la­ge – und die Fest­set­zungs­frist

Die Fest­set­zungs­frist für die Eigen­heim­zu­la­ge ver­län­gert sich nicht auf zehn Jah­re, wenn die Eigen­heim­zu­la­ge durch unrich­ti­ge Anga­ben (Sub­ven­ti­ons­be­trug) erschli­chen wor­den ist.

Sub­ven­ti­ons­be­trug bei der Eigen­heim­zu­la­ge – und die Fest­set­zungs­frist

Der Bun­des­fi­nanz­hof führt damit sei­ne Recht­spre­chugn aus 2013 zur Steu­er­haf­tung beim Sub­ven­ti­ons­be­trug 1 fort.

Gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Eig­ZulG sind auf die Eigen­heim­zu­la­ge die für Steu­er­ver­gü­tun­gen gel­ten­den Vor­schrif­ten der AO ent­spre­chend anzu­wen­den. Auf die Fest­set­zung einer Steu­er­ver­gü­tung sind die für die Steu­er­fest­set­zung gel­ten­den Vor­schrif­ten sinn­ge­mäß anzu­wen­den (§ 155 Abs. 4 AO). Eine Steu­er­fest­set­zung, ihre Auf­he­bung oder Ände­rung sind nicht mehr zuläs­sig, wenn die Fest­set­zungs­frist abge­lau­fen ist (§ 169 Abs. 1 Satz 1 AO). Die Fest­set­zungs­frist beträgt vier Jah­re für Steu­ern und Steu­er­ver­gü­tun­gen (§ 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO); sie beträgt zehn Jah­re, soweit eine Steu­er hin­ter­zo­gen, und fünf Jah­re, soweit sie leicht­fer­tig ver­kürzt wor­den ist (§ 169 Abs. 2 Satz 2 AO). Wird eine Steu­er oder Steu­er­ver­gü­tung nur auf Antrag fest­ge­setzt, so beginnt die Frist nicht vor Ablauf des Kalen­der­jah­res, in dem der Antrag gestellt wird (§ 170 Abs. 3 AO).

Nach die­sen gesetz­li­chen Maß­stä­ben begann die Frist für die Auf­he­bung oder Ände­rung der Fest­set­zung mit Ablauf des Jah­res 2004 zu lau­fen, denn in die­sem Jahr hat die Klä­ge­rin den nach § 12 Abs. 1 Eig­ZulG erfor­der­li­chen Antrag gestellt.

Der Bun­des­fi­nanz­hof muss nicht ent­schei­den, ob die Eigen­hei­mer­wer­be­rin vor­lie­gend durch das Ver­schwei­gen der Rück­ab­wick­lung des Grund­stücks­kauf­ver­tra­ges einen vor­sätz­li­chen Sub­ven­ti­ons­be­trug began­gen oder ob sie ledig­lich wahr­heits­ge­mäß aber unvoll­stän­dig auf das Auf­klä­rungs­schrei­ben des Finanz­am­tes geant­wor­tet und dadurch nicht getäuscht, son­dern viel­mehr die Ableh­nung ihres Antrags in Kauf genom­men hat.

Nach der inso­weit geän­der­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist das Erschlei­chen der Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge kei­ne "Steu­er­hin­ter­zie­hung" i.S. von § 71 AO 2. Nach Maß­ga­be der Grün­de die­ser Ent­schei­dung, denen sich der Bun­des­fi­nanz­hof anschließt, ist das Erschlei­chen der Eigen­heim­zu­la­ge eben­falls kei­ne Steu­er­hin­ter­zie­hung i.S. von § 169 Abs. 2 Satz 2 AO. Die Vor­schrift ist des­halb weder auf­grund der Glo­bal­ver­wei­sung auf die für Steu­er­ver­gü­tun­gen gel­ten­den Vor­schrif­ten der AO (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Eig­ZulG) noch auf­grund der Zustän­dig­keits­norm in § 15 Abs. 2 Eig­ZulG anwend­bar 3.

Ob eine Steu­er­hin­ter­zie­hung oder eine leicht­fer­ti­ge Steu­er­ver­kür­zung vor­liegt, bestimmt sich (bei § 169 Abs. 2 Satz 2 wie bei § 71 AO) man­gels einer steu­er­li­chen Defi­ni­ti­on nach den §§ 370, 378 AO 4.

Das straf­ba­re Erschlei­chen einer Sub­ven­ti­on wird aber nicht von die­sen Nor­men erfasst, son­dern von § 264 StGB. Dies zu ändern, wäre Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Janu­ar 2016 – IX R 20/​15

  1. BFH, Urteils vom 19.12 2013 – III R 25/​10, BFHE 244, 217, BSt­Bl II 2015, 119[]
  2. BFH, Urteil vom 19.12 2013 – III R 25/​10, BFHE 244, 217, BSt­Bl II 2015, 119[]
  3. vgl. im Ein­zel­nen BFH, Urteil in BFHE 244, 217, BSt­Bl II 2015, 119[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 29.10.2013 – VIII R 27/​10, BFHE 243, 116, BSt­Bl II 2014, 295, m.w.N.[]