Tanz­tur­nie­re

Auf­wen­dun­gen für Tanz­tur­nie­re, Tur­nier­be­klei­dung und Tanz­schu­he kön­nen auch bei neben­be­ruf­lich täti­gen Tanz­trai­nern zu abzugs­fä­hi­gen Betriebs­aus­ga­ben füh­ren. Mit die­sem Urteil hat sich das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz mit dem – häu­fig auf­tre­ten­den – Pro­blem der so genann­ten ?Misch­kos­ten?, d. h. der Abgren­zung von abzugs­fä­hi­gen Betriebs­aus­ga­ben und Kos­ten der pri­va­ten Lebens­füh­rung, befasst. Dabei hat es dazu Stel­lung genom­men, wel­che Auf­wen­dun­gen bei neben­be­ruf­lich täti­gen Sport­trai­nern steu­er­lich berück­sich­ti­gungs­fä­hig sind.

Tanz­tur­nie­re

Im Streit­fall waren der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau als Trai­ner bei einem Tanz­sport­club beschäf­tigt und erziel­ten aus die­ser Tätig­keit auf Stun­den­lohn­ba­sis Hono­ra­re. Dane­ben nah­men sie an ver­schie­de­nen Tanz­tur­nie­ren teil. In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2002 erklär­ten sie aus der neben­be­ruf­li­chen Tätig­keit einen Gewinn in Höhe von 1.900.- ?. Von den gel­tend gemach­ten Betriebs­aus­ga­ben erkann­te das Finanz­amt jedoch einen Teil­be­trag in Höhe von 2.252,51 ? nicht an und erhöh­te den erklär­ten Gewinn um die­sen Betrag. Das wur­de damit begrün­det, dass es sich inso­weit um Auf­wen­dun­gen han­de­le, die im Zusam­men­hang mit Tanz­tur­nie­ren ste­hen wür­den (bes. Tur­nier­klei­dung und Tanz­schu­he) und aus die­ser Tätig­keit, also der Teil­nah­me an Tur­nie­ren, kei­ne Ein­nah­men erzielt wür­den. Bei der Tur­nier­klei­dung sei nicht aus­zu­schlie­ßen, dass es sich dabei um Klei­dung han­de­le, die auch bei pri­va­ten Anläs­sen getra­gen wer­den kön­ne. Auch wenn Tanz­schu­he mit einer Chrom­le­der­soh­le nicht als Stra­ßen­schu­he geeig­net sei­en, sei nicht ersicht­lich, dass es sich um Trai­nings­schu­he han­de­le.

Die dage­gen ange­streng­te Kla­ge, mit der der Klä­ger u. a. vor­ge­tra­gen hat­te, um eine Trai­ner­li­zenz zu erhal­ten, sei es not­wen­dig, selbst in bestimm­ten Leis­tungs­klas­sen zu tan­zen, also an Tur­nie­ren teil­zu­neh­men, war erfolg­reich.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u. a. aus, bei einer wer­ten­den Gesamt­schau kön­ne der Ansatz der gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen nicht des­we­gen abge­lehnt wer­den, weil sie der Teil­nah­me an Tanz­tur­nie­ren zuzu­ord­nen sei­en und aus die­ser Tätig­keit kein Ent­gelt erzielt wer­de. Es sei viel­mehr zu über­prü­fen, ob die Kos­ten aus­schließ­lich oder zumin­dest ganz über­wie­gend dazu auf­ge­wandt wor­den sei­en, um die Ein­nah­men aus der Trai­ner­tä­tig­keit zu sichern, bzw. zu erwei­tern oder ob sie aus in der per­sön­li­chen Lebens­späh­re lie­gen­den Moti­ven her­aus ent­stan­den sei­en. Der ent­schei­den­de Senat gehe davon aus, dass der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau auch die im Zusam­men­hang mit den Tanz­tur­nie­ren ste­hen­den Kos­ten, ins­be­son­de­re auch die für die Tur­nier­klei­dung, aus aus­schließ­lich bzw. jeden­falls nahe­zu aus­schließ­lich betrieb­li­chen Grün­den auf sich genom­men hät­ten. Die Qua­li­fi­ka­ti­on eines Sport­trai­ners wer­de näm­lich ganz ent­schei­dend an sei­nen eige­nen sport­li­chen Erfol­gen gemes­sen. Um sol­che Erfol­ge erzie­len zu kön­nen, sei die Teil­nah­me an sport­li­chen Wett­kämp­fen aber unab­ding­bar. Nach Ein­sicht­nah­me der in den Akten befind­li­chen Fotos der Tur­nier­klei­dung, bzw. der in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­zeig­ten Klei­der (Frack und Tanz­kleid) bestehe nach dem Dafür­hal­ten des Gerichts kei­ne ernst­haf­te pri­va­te Gele­gen­heit zum Tra­gen die­ser Klei­dungs­stü­cke, denn die­se sei­en viel­mehr ganz auf Tanz­tur­nie­re ? im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ? zuge­schnit­ten. Im Übri­gen sei­en bestimm­te Tätig­kei­ten, zu denen auch die­je­ni­ge eines Sport­trai­ners gehö­re, ohne ein erheb­li­ches Maß an Freu­de und Begeis­te­rung bei ihrer Aus­übung, bzw. an Ehr­geiz und Erfolgs­wil­len nicht denk­bar, so dass die­se Aspek­te bei der hier erfor­der­li­chen Abgren­zung nicht aus­schlag­ge­bend sein könn­ten.

Hin­weis: Es wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in dem dar­ge­stell­ten Fall die Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht des Klä­gers und sei­ner Ehe­frau unpro­ble­ma­tisch war.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 22. August 2006 – 2 K 1930/​04