Teil­wei­se beruf­li­che Aus­lands­rei­se

Immer wie­der Anlass zum Streit mit dem Finanz­amt bil­den die Kos­ten einer teils beruf­lich, teils pri­vat ver­an­lass­ten Aus­lands­rei­se: Kön­nen der­art gemischt ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen auf­ge­teilt wer­den?

Teil­wei­se beruf­li­che Aus­lands­rei­se

Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs kön­nen Auf­wen­dun­gen, die nur zum Teil beruf­lich oder betrieb­lich ver­an­lasst sind, grund­sätz­lich ins­ge­samt nicht als Wer­bungs­kos­ten oder Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den. Die­ses soge­nann­te Auf­tei­lungs- und Abzugs­ver­bot hat der BFH aus § 12 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ent­nom­men. Der VI. Senat des BFH möch­te nun an die­ser strik­ten Beur­tei­lung nicht mehr fest­hal­ten und befür­wor­tet eine Auf­tei­lung gemischt ver­an­lass­ter Auf­wen­dun­gen, wenn hier­für ein objek­ti­ver Maß­stab zur Ver­fü­gung steht. Er hat des­halb den Gro­ßen Senat des BFH ange­ru­fen und ihm die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob Auf­wen­dun­gen für die Hin- und Rück­rei­se bei gemischt ver­an­lass­ten Rei­sen in Wer­bungs­kos­ten und nicht abzieh­ba­re Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung auf­ge­teilt wer­den kön­nen.

In dem zugrun­de­lie­gen­den Streit­fall besuch­te der Klä­ger, der als EDV-Con­trol­ler ange­stellt war, eine füh­ren­de Com­pu­ter-Mes­se in den USA. An vier Tagen des ins­ge­samt sie­ben-tägi­gen USA-Auf­ent­halts nahm der Klä­ger an ver­schie­de­nen beruf­li­chen Fach­ver­an­stal­tun­gen teil. Drei Tage stan­den ihm für pri­va­te Akti­vi­tä­ten zur Ver­fü­gung. Der Klä­ger mach­te die Auf­wen­dun­gen für die USA-Rei­se als Wer­bungs­kos­ten bei sei­nen Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gel­tend. Das Finanz­amt erkann­te zunächst nur die Tagungs­ge­büh­ren an. Die Kla­ge hat­te inso­weit Erfolg, als das Finanz­ge­richt auch die Auf­wen­dun­gen für vier Über­nach­tun­gen und ent­spre­chen­de Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen berück­sich­tig­te. Die Kos­ten des Hin- und Rück­flugs teil­te das Finanz­ge­richt auf und erkann­te sie zu 4/​7 als Wer­bungs­kos­ten an. Hier­ge­gen wand­te sich das Finanz­amt mit sei­ner Revi­si­on.

Der zustän­di­ge VI. Senat des BFH ist der Auf­fas­sung, dass das Finanz­ge­richt die Auf­wen­dun­gen für die Hin- und Rück­rei­se zu Recht auf­ge­teilt und teil­wei­se als Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt hat. Nach dem aus Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes abzu­lei­ten­den Prin­zip der Besteue­rung nach der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit sei­en grund­sätz­lich alle beruf­lich ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen Wer­bungs­kos­ten. Folg­lich han­de­le es sich auch bei den Flug­kos­ten inso­weit um Wer­bungs­kos­ten, als die USA-Rei­se beruf­lich ver­an­lasst sei. Das von der Recht­spre­chung des BFH geschaf­fe­ne Auf­tei­lungs- und Abzugs­ver­bot für gemischt beruf­lich und pri­vat ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen ste­he dem nicht ent­ge­gen. Denn das Auf­tei­lungs- und Abzugs­ver­bot sei nicht anzu­wen­den, wenn sich der dem Beruf die­nen­de Teil der Auf­wen­dun­gen nach objek­ti­ven Maß­stä­ben von dem pri­vat ver­an­lass­ten Teil abgren­zen las­se. Dies sei hier der Fall, da für die Auf­tei­lung der gemischt ver­an­lass­ten Rei­se­kos­ten das Ver­hält­nis der beruf­lich und pri­vat ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le der Rei­se her­an­ge­zo­gen wer­den kön­ne.

Dem Gro­ßen Senat wird fol­gen­de Rechts­fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt:

Kön­nen Auf­wen­dun­gen für die Hin- und Rück­rei­se bei gemischt beruf­lich (betrieb­lich) und pri­vat ver­an­lass­ten Rei­sen in abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten (Betriebs­aus­ga­ben) und nicht abzieh­ba­re Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung nach Maß­ga­be der beruf­lich (betrieb­lich) und pri­vat ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le der Rei­se auf­ge­teilt wer­den, wenn die beruf­lich (betrieb­lich) ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le fest­ste­hen und nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind?

Allen Betrof­fe­nen sei daher drin­gend gera­ten, gegen nach­tei­li­ge Steu­er­be­schei­de fris­t­wah­rend Ein­spruch ein­zu­le­gen und hier­bei auf das vor dem Gro­ßen Senat des BFH anhän­gi­ge Ver­fah­ren hin­zu­wei­sen
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 20. Juli 2006 -VI R 94/​01