Tele­fon­kos­ten auf der Dienst­rei­se

Tele­fon­kos­ten eines Sol­da­ten auf Dienst­rei­se mit über ein­wö­chi­ger Abwe­sen­heit sind nach einem aktu­el­len Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts als Wer­bungs­kos­ten abzugs­fä­hig.

Tele­fon­kos­ten auf der Dienst­rei­se

Wer­bungs­kos­ten sind gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men. Dies beinhal­tet unter Ein­be­zie­hung der in § 4 Abs. 4 EStG ent­hal­te­nen Defi­ni­ti­on der Betriebs­aus­ga­ben nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs alle Auf­wen­dun­gen, die durch den Beruf ver­an­lasst sind 1. Nach § 12 Nr. 1 EStG dür­fen jedoch Auf­wen­dun­gen für die Lebens­füh­rung, die die wirt­schaft­li­che oder gesell­schaft­li­che Stel­lung des Steu­er­pflich­ti­gen mit sich bringt, nicht abge­zo­gen wer­den, auch wenn sie zur För­de­rung des Berufs oder der Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen erfol­gen.

Das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt folgt zwar der Rechts­auf­fas­sung des Finanz­am­tes, dass der Kon­takt, hier: die Tele­fo­na­te mit Ange­hö­ri­gen und der Freun­din, grund­sätz­lich dem Bereich der pri­va­ten Lebens­füh­rung zuzu­ord­nen sind. Sind jedoch die Kos­ten der­ar­ti­ger Tele­fo­na­te durch eine beruf­li­che Aus­wärts­tä­tig­keit – über eine Woche hin­aus – ver­an­lasst, sind die­se Kos­ten beruf­lich ver­an­lasst. Nach der in den Lohn­steu­er­richt­li­ni­en über­nom­me­nen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 2 sind Tele­fon­kos­ten für ein wöchent­li­ches – typi­siert: fünf­zehn­mi­nü­ti­ges – Tele­fo­nat anstel­le einer durch­ge­führ­ten Fami­li­en­heim­fahrt im Rah­men einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar.

Der BFH führt in sei­ner Ent­schei­dung vom 18. März 1988 aus, der Gesetz­ge­ber sehe (nur) eine wöchent­li­che Kon­takt­auf­nah­me zwi­schen dem aus­wärts beschäf­ti­gen Steu­er­pflich­ti­gen und sei­ner Fami­lie als beruf­lich ver­an­lasst (und damit als not­wen­dig) an. Der pri­va­te Anlass der Tele­fo­na­te wird mit­hin durch die beruf­lich beding­te Abwe­sen­heit, die den per­sön­li­chen pri­va­ten Kon­takt ver­hin­dert, über­la­gert. Dies gilt zur Über­zeu­gung des Gerichts unab­hän­gig davon, ob die beruf­li­che Abwe­sen­heit steu­er­lich als dop­pel­te Haus­halts­füh­rung oder als Fahr­tä­tig­keit oder Dienst­rei­se auf­ge­fasst wird. Die­se Unter­schei­dung betrifft die Umstän­de der Tätig­keit am aus­wär­ti­gen Ein­satz­ort. Für den Steu­er­pflich­ti­gen ist sie uner­heb­lich. Sei­ne län­ge­re Abwe­sen­heit bedingt, dass er anstel­le des per­sön­li­chen Kon­takts tele­fo­niert. Ist der Steu­er­pflich­ti­ge aus beruf­li­chen Grün­den – hier: Ein­satz auf der Fre­gat­te sei­nes Arbeit­ge­bers – mehr als eine Woche abwe­send, ohne zwi­schen­durch nach Hau­se zu fah­ren, sind die Kos­ten für ein wöchent­li­ches Tele­fo­nat des­halb auch im Fall einer Fahr­tä­tig­keit oder einer Dienst­rei­se – eben­so wie bei einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung – nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, denn die Abwe­sen­heit und ihre eine Woche über­stei­gen­de Dau­er sind nicht pri­vat, son­dern beruf­lich ver­an­lasst. Kehrt der Steu­er­pflich­ti­ge bei einer Aus­wärts­tä­tig­keit dage­gen in kür­ze­ren Zeit­ab­stän­den nach Hau­se zurück, "drängt sich daher die Not­wen­dig­keit der tele­fo­ni­schen Kon­takt­nah­me nicht so auf wie bei dop­pel­ter Haus­halts­füh­rung. Mit­hin kommt eine Über­tra­gung der vom Bun­des­fi­nanz­hof zu § 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auf § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG … dann nicht in Betracht." 3.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2009 – 7 K 2/​07

  1. Schmidt /​Drens­eck, Kom­men­tar zum EStG, 28. Aufl. 2009, Rdz. 7 zu § 9 EStG mit wei­te­ren Nach­wei­sen – m.w.N., BFH, Urteil vom 28.11.1980 – VI R 193/​77, BSt­Bl. II 1981, 368, BFHE 132, 431[]
  2. BFH, Urteil vom 18.03.1988 – VI R 90/​84, BSt­Bl. II 1988, 988, BFHE 153, 526; fer­ner Urteil vom 08.11.1996 – VI R 48/​96, BFH/​NV 1997, 472[]
  3. vgl. Hess. FG, Urteil vom 04.07.1991, 13 K 13552/​87[]