Tier­be­treu­ungs­kos­ten

Auf­wen­dun­gen für die Betreu­ung eines Haus­tie­res sind nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf als Auf­wen­dun­gen für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen steu­er­be­güns­tigt.

Tier­be­treu­ungs­kos­ten

In dem hier vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall hal­ten die Klä­ger eine Haus­kat­ze in ihrer Woh­nung. Mit der Betreu­ung des Tie­res wäh­rend ihrer Abwe­sen­heit beauf­trag­ten sie eine Tier- und Woh­nungs­be­treue­rin, die ihnen pro Tag 12 €, im Streit­jahr 2012 ins­ge­samt 302, 90 €, in Rech­nung stell­te. Die Rech­nun­gen begli­chen die Klä­ger per Über­wei­sung. Mit der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung bean­trag­ten sie eine Steu­er­ermä­ßi­gung für die Inan­spruch­nah­me haus­halts­na­her Dienst­leis­tun­gen. Das Finanz­amt lehn­te dies unter Ver­weis auf das ein­schlä­gi­ge Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen ab. In die­ser für das Finanz­amt ver­bind­li­chen Anwei­sung wird eine Steu­er­ermä­ßi­gung für Tier­be­treu­ungs, -pfle­ge- und ‑arzt­kos­ten aus­ge­schlos­sen.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben: Ent­ge­gen der Ansicht der Finanz­ver­wal­tung habe die Ver­sor­gung von Haus­tie­ren einen engen Bezug zur Haus­wirt­schaft des Hal­ters und wer­de des­halb von der Steu­er­be­güns­ti­gung für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen erfasst. Nach die­ser Vor­schrift ermä­ßigt sich die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er auf Antrag um 20% (höchs­tens 4.000 €) der Auf­wen­dun­gen für die Inan­spruch­nah­me von haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen, die im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den. Der Begriff "haus­halts­na­he Dienst­leis­tung" ist gesetz­lich nicht näher bestimmt. Nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung gehö­ren dazu haus­wirt­schaft­li­che Ver­rich­tun­gen, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts oder ent­spre­chend Beschäf­tig­te erle­digt wer­den und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den anfal­len. Hier­zu zäh­len nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf auch Leis­tun­gen, die ein Steu­er­pflich­ti­ger für die Ver­sor­gung und Betreu­ung des in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­me­nen Haus­tiers erbringt. Kat­zen, die in der Woh­nung des Hal­ters leben, sind des­sen Haus­halt zuzu­rech­nen. Tätig­kei­ten wie die Rei­ni­gung des Kat­zen­klos, die Ver­sor­gung der Kat­ze mit Fut­ter und Was­ser und die sons­ti­ge Beschäf­ti­gung des Tie­res fal­len regel­mä­ßig an und wer­den typi­scher­wei­se durch den Hal­ter und des­sen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge erle­digt. Sie gehö­ren damit zur Haus­wirt­schaft des Hal­ters.

Nach § 35a Abs. 2 Satz 1 2. Alter­na­ti­ve EStG ermä­ßigt sich die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er, ver­min­dert um die sons­ti­gen Steu­er­ermä­ßi­gun­gen, auf Antrag um 20%, höchs­tens 600 €, der Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für die Inan­spruch­nah­me von haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen, die nicht Dienst­leis­tun­gen nach § 35a Abs. 3 EStG sind und in einem in der Euro­päi­schen Uni­on oder dem Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum lie­gen­den Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den (§ 35a Abs. 4 EStG).

)) Der Begriff "haus­halts­na­he Dienst­leis­tung" ist gesetz­lich nicht näher bestimmt. Nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung, der das Finanz­ge­richt folgt, müs­sen die Leis­tun­gen eine hin­rei­chen­de Nähe zur Haus­halts­füh­rung auf­wei­sen bzw. damit im Zusam­men­hang ste­hen. Dazu gehö­ren haus­wirt­schaft­li­che Ver­rich­tun­gen, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts oder ent­spre­chend Beschäf­tig­te erle­digt wer­den und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den anfal­len 1. Der Begriff "haus­halts­nah" ist hier­bei als sinn­ver­wandt mit dem Begriff "haus­wirt­schaft­lich" anzu­se­hen. Haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten sind sol­che, die übli­cher­wei­se zur Ver­sor­gung der dort leben­den Fami­lie in einem Pri­vat­haus­halt erbracht wer­den. Dazu gehö­ren – bei­spiel­haft – die Zube­rei­tung von Mahl­zei­ten, die Gar­ten- und Raum­pfle­ge und die Pfle­ge, Ver­sor­gung und Betreu­ung von Kin­dern, Kran­ken, alten Men­schen und pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­so­nen 2. Nicht begüns­tigt sind Beschäf­ti­gun­gen, die zwar im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen aus­ge­übt wer­den, aber kei­nen (engen) Bezug zur Haus­wirt­schaft haben.

Nach Maß­ga­be die­ser Grund­sät­ze sind Leis­tun­gen, die die Klä­ger für die Ver­sor­gung und Betreu­ung der in ihren Haus­halt auf­ge­nom­me­nen und dort leben­den Haus­kat­ze auf­brin­gen, haus­halts­nah. Tätig­kei­ten wie die Rei­ni­gung des Kat­zen­klos, die Ver­sor­gung der Kat­ze mit Fut­ter und Was­ser und die sons­ti­ge Beschäf­ti­gung der Haus­kat­ze fal­len regel­mä­ßig an und wer­den typi­scher­wei­se durch die Klä­ger selbst erle­digt. Haus­tie­re, die wie die Haus­kat­ze der Klä­ger, in der Woh­nung des Hal­ters leben, sind dem Haus­halt des betref­fen­den Hal­ters zuzu­rech­nen. Ihre dor­ti­ge Ver­sor­gung weist dem­ge­mäß nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts auch einen (engen) Bezug zur Haus­wirt­schaft des Hal­ters auf 3.

)) "In" einem Haus­halt i. S. des § 35a Abs. 4 Satz 1 EStG wird die haus­halts­na­he Dienst­leis­tung erbracht, wenn sie im Bereich des vor­han­de­nen Haus­halts geleis­tet wird. Nach dem maß­geb­li­chen räum­lich-funk­tio­na­len Ver­ständ­nis der Vor­schrift fal­len dar­un­ter Leis­tun­gen in der Woh­nung des Steu­er­pflich­ti­gen selbst, aber auch Leis­tun­gen außer­halb der Woh­nung, die einen funk­tio­na­len Bezug zum Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­wei­sen 4. Die Ver­sor­gung und Betreu­ung der Haus­kat­ze der Klä­ger hat aus­schließ­lich in der Woh­nung der Klä­ger statt­ge­fun­den. Damit sind die Leis­tun­gen i. S. des § 35a Abs. 4 Satz 1 EStG "in" dem Haus­halt der Klä­ger erbracht wor­den.

)) Dar­über hin­aus lie­gen auch die wei­te­ren Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Tarifer­mä­ßi­gung vor: Ein Abzug der Auf­wen­dun­gen als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten bzw. Son­der­aus­ga­ben und außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen schei­det ersicht­lich aus (§ 35a Abs. 5 Satz 1 EStG). Die Klä­ger haben für die Auf­wen­dun­gen Rech­nun­gen erhal­ten und die Zah­lun­gen auf ein Kon­to der Leis­tungs­er­brin­ge­rin über­wie­sen (§ 35a Abs. 5 Satz 3 EStG).

)) Die gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen sind in vol­lem Umfang zu berück­sich­ti­gen. Gemäß § 35a Abs. 5 Satz 2 EStG ist die Tarifer­mä­ßi­gung auf die Arbeits­kos­ten beschränkt. Dar­un­ter fal­len neben den Auf­wen­dun­gen für die Inan­spruch­nah­me der haus­halts­na­hen Dienst­leis­tung selbst auch in Rech­nung gestell­te Fahrt­kos­ten 5.

Die Tarifer­mä­ßi­gung nach § 35a Abs. 2 Satz 1 2. Alter­na­ti­ve EStG beträgt somit 20% von 309, 90 €, mit­hin 60, 58 €.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 4. Febru­ar 2015 – 15 K 1779/​14 E

  1. BFH, Urtei­le vom 20.03.2014 – VI R 55/​12, BFHE 245, 45, BSt­Bl II 2014, 880; vom 01.02.2007 – VI R 74/​05, BFH/​NV 2007, 900; FG Nürn­berg, Urteil vom 04.10.2012 4 K 1065/​12, EFG 2013, 224 mit Anm. Pfüt­zen­reu­ter; Bode in Finanz­ge­richtM, EStG, § 35a Rn. C 4 i.V.m. B 4 ff.; Krü­ger in Schmidt, EStG, 33. Aufl., § 35a Rz. 7[]
  2. vgl. den Aus­schuss­be­richt für Wirt­schaft und Arbeit vom 14.11.2002, BT-Drs. 5/​91, zu Art 8 Nr. 7[]
  3. eben­so FG Müns­ter, Urteil vom 25.02.2012 – 14 K 2289/​11, EFG 2012, 1674 – für die Betreu­ung eines Hun­des; a. A. BMF, Schrei­ben vom 10.01.2014 – IV C 4 – S 2296‑b/07/0003:004, 2014/​0023765, BSt­Bl I 2014, 75, Anla­ge 1 zu Rn. 7 zum Stich­wort "Tier­be­treu­ungs, ‑pfle­ge- oder –arzt­kos­ten"[]
  4. BFH, Urtei­le vom 20.03.2014 – VI R 55/​12, BFHE 245, 45, BSt­Bl II 2014, 880 und – VI R 56/​12, BFHE 245, 49, BSt­Bl II 2014, 49, jeweils m. w. N.; Wüllenk­em­per, EFG 2013, 52[]
  5. BMF, Schrei­ben vom 10.01.2014 – IV C 4 – S 2296‑b/07/0003:004, 2014/​0023765, BSt­Bl I 2014, 75, Anla­ge 1 zu Rn. 39; Köh­ler in Bordewin/​Brandt, EStG, § 35a Rn. 259; Bode in Finanz­ge­richtM, EStG, § 35a Rn. F 5; Erhard in Blü­mich, EStG, § 35a Rn. 55; Apitz in HHR, EStG, § 35a Rn. 25[]