Til­gung einer Bürg­schafts­ver­pflich­tung als Wer­bungs­kos­ten

Aus­ga­ben zur Til­gung einer Bürg­schafts­ver­pflich­tung durch den Arbeit­neh­mer einer Gesell­schaft füh­ren auch dann zu Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit, wenn eine Gesell­schaf­ter­stel­lung ver­ein­bart ist.

Til­gung einer Bürg­schafts­ver­pflich­tung als Wer­bungs­kos­ten

Wer­bungs­kos­ten sind nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung lie­gen Wer­bungs­kos­ten vor, wenn die Auf­wen­dun­gen durch den Beruf bzw. durch die Erzie­lung steu­er­pflich­ti­ger Ein­nah­men ver­an­lasst sind. Das ist der Fall, wenn ein objek­ti­ver Zusam­men­hang mit dem Beruf besteht und die Auf­wen­dun­gen sub­jek­tiv zur För­de­rung des Berufs getä­tigt wer­den 1.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für nach­träg­li­che Wer­bungs­kos­ten, die ent­ste­hen kön­nen, wenn der Arbeit­neh­mer nach Been­di­gung des Dienst­ver­hält­nis­ses Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit dem­sel­ben erbrin­gen muss. In einem sol­chen Fall muss bereits zu dem Zeit­punkt, in dem der Grund für die Auf­wen­dun­gen gelegt wird, der dar­ge­stell­te beruf­li­che Zusam­men­hang bestehen. Danach kön­nen grund­sätz­lich auch Aus­ga­ben zur Til­gung einer Bürg­schafts­ver­pflich­tung Wer­bungs­kos­ten sein. Wer­den sie als nach­träg­li­che Wer­bungs­kos­ten gel­tend gemacht, muss dem­ge­mäß bereits die Über­nah­me der Bürg­schafts­ver­pflich­tung beruf­lich ver­an­lasst gewe­sen sein 2.

Ist der Steu­er­pflich­ti­ge nicht nur Arbeit­neh­mer einer Gesell­schaft, son­dern auch deren Gesell­schaf­ter, kann die Über­nah­me einer Bürg­schaft auch durch sei­ne Gesell­schaf­ter­stel­lung ver­an­lasst sein. Ste­hen Auf­wen­dun­gen mit meh­re­ren Ein­kunfts­ar­ten in einem objek­ti­ven Zusam­men­hang, sind sie bei der Ein­kunfts­art zu berück­sich­ti­gen, zu der sie nach Art und Wei­se die enge­re Bezie­hung haben 3. Maß­ge­bend sind inso­weit die Gesamt­um­stän­de des jewei­li­gen Ein­zel­falls 4.

Aller­dings geht die Recht­spre­chung davon aus, dass die Über­nah­me einer Bürg­schaft oder ande­rer Sicher­hei­ten durch einen Gesell­schaf­ter­Ge­schäfts­füh­rer mit nicht nur unwe­sent­li­cher Betei­li­gung am Stamm­ka­pi­tal der Gesell­schaft regel­mä­ßig weni­ger durch die beruf­li­che Tätig­keit, son­dern eher durch die Gesell­schaf­ter­stel­lung ver­an­lasst ist 5. Dabei ist jedoch stets Vor­aus­set­zung, dass ein steu­er­min­dern­der Abzug der Auf­wen­dun­gen aus einer Anwen­dung des § 17 EStG mög­lich ist.

Nach die­sen Rechts­grund­sät­zen erfül­len im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall die Kos­ten zur Til­gung der Ver­pflich­tung aus der Bürg­schafts­über­nah­me die Vor­aus­set­zun­gen des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG. Die Über­nah­me der Bürg­schaft stand im Zusam­men­hang mit dem Beruf und der Arbeit­neh­merstel­lung des Klä­gers. Dies wird auch vom Finanz­ge­richt nicht in Zwei­fel gezo­gen. Der vom Finanz­ge­richt ange­nom­me­ne wei­te­re Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang mit der geplan­ten Gesell­schaf­ter­stel­lung des Klä­gers ver­drängt die­sen beruf­li­chen Zusam­men­hang hier nicht, weil der Klä­ger nicht Gesell­schaf­ter der GmbH gewor­den ist. Eine steu­er­min­dern­de Berück­sich­ti­gung der gel­tend gemach­ten Kos­ten als Auf­lö­sungs­ver­lus­te gemäß § 17 Abs. 4 EStG schei­det des­halb aus den vom Finanz­ge­richt genann­ten Grün­den aus. Der steu­er­min­dern­de Abzug der im steu­er­ba­ren Bereich ange­fal­le­nen Auf­wen­dun­gen ist aber nach Auf­fas­sung des BFHs zwin­gend erfor­der­lich. Ihre Beur­tei­lung als ein­kom­men­steu­er­recht­lich irrele­van­te Aus­ga­ben auf das Ver­mö­gen wider­spricht dem das Ein­kom­men­steu­er­ge­setz prä­gen­den objek­ti­ven Net­to­prin­zip.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Novem­ber 2011 – VI R 97/​10

  1. BFH, Urteil vom 07.02.2008 – VI R 75/​06, BFHE 220, 407, BSt­Bl II 2010, 48[]
  2. BFH, Urtei­le vom 20.12.1988 – VI R 55/​84, BFH/​NV 1990, 23; vom 02.03.2005 – VI R 36/​01, BFH/​NV 2006, 33[]
  3. BFH, Urtei­le vom 25.11.2010 – VI R 34/​08, BFHE 232, 86, BFH/​NV 2011, 680; vom 26.11.1993 – VI R 3/​92, BFHE 173, 69, BSt­Bl II 1994, 242; vom 17.07.1992 – VI R 125/​88, BFHE 169, 148, BSt­Bl II 1993, 111[]
  4. BFH, Beschluss vom 10.02.2005 – IX B 169/​03, BFH/​NV 2005, 1057[]
  5. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 1990, 23; in BFH/​NV 2006, 33; in BFHE 173, 69, BSt­Bl II 1994, 242; in BFHE 169, 148, BSt­Bl II 1993, 111; vom 05.10.2004 – VIII R 64/​02, BFH/​NV 2005, 54; Schmidt/​Drenseck, EStG, 30. Aufl., § 19 Rz 60 Stich­wort Bürg­schaft; von Born­haupt, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 9 Rz B 701 ff.; Schnei­der, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 17 Rz C 33[]