Über­nach­tungs­pau­scha­len und Arbeit­ge­be­r­erstat­tung

Ein Arbeit­neh­mer kann bei Über­nach­tun­gen im Aus­land den Dif­fe­renz­be­trag zwi­schen den vom Arbeit­ge­ber voll­stän­dig erstat­te­ten tat­säch­li­chen Kos­ten und den höhe­ren Über­nach­tungs­pau­scha­len nach den Lohn­steu­er-Richt­li­ni­en nicht als Wer­bungs­kos­ten gel­tend machen.

Über­nach­tungs­pau­scha­len und Arbeit­ge­be­r­erstat­tung

Wer­bungs­kos­ten sind Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG). Dazu kön­nen auch Rei­se­kos­ten für Aus­lands­dienst­rei­sen gehö­ren1. Aller­dings muss der Arbeit­neh­mer die Kos­ten selbst getra­gen haben, da ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug eine Belas­tung mit Auf­wen­dun­gen vor­aus­setzt2.

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger in Bezug auf sei­ne Aus­lands­dienst­rei­sen kei­ne Wer­bungs­kos­ten im Sin­ne des § 9 Abs. 1 EStG. Er war nicht mit Auf­wen­dun­gen belas­tet, weil sein Arbeit­ge­ber sämt­li­che Kos­ten der Rei­sen getra­gen hat. Der Klä­ger kann wegen die­ser feh­len­den Belas­tung mit Auf­wen­dun­gen auch nicht die Über­nach­tungs­pau­scha­len nach R 40 Abs. 2 Satz 2 LStR in Anspruch neh­men. Denn R 40 Abs. 1 Satz 1 LStR for­dert eben­falls, dass dem Arbeit­neh­mer tat­säch­lich Auf­wen­dun­gen für Über­nach­tun­gen ent­stan­den sind. Zudem kön­nen nach R 40 Abs. 2 Satz 1 LStR Über­nach­tungs­kos­ten bei einer Dienst­rei­se oder Fahr­tä­tig­keit nur inso­weit als Rei­se­kos­ten ange­setzt und als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den, als der Arbeit­ge­ber sie nicht steu­er­frei ersetzt hat. Dies ver­deut­licht, dass R 40 Abs. 2 Satz 2 LStR gera­de kei­nen Pausch­be­trag gewährt, son­dern ledig­lich den Nach­weis der tat­säch­li­chen Kos­ten bei Aus­lands­über­nach­tun­gen erleich­tern soll.

Im Übri­gen könn­te der Klä­ger die Aus­lands­pau­scha­len auch des­halb nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen, weil die Anwen­dung die­ser Pau­scha­len im Streit­fall zu einer offen­sicht­lich unzu­tref­fen­den Besteue­rung füh­ren wür­de. Erstat­tet der Arbeit­ge­ber einem Arbeit­neh­mer sämt­li­che Kos­ten für Über­nach­tun­gen, liegt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs stets ein Fall der offen­sicht­lich unzu­tref­fen­den Besteue­rung vor3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Juli 2010 – VI R 24/​09

  1. BFH, Urteil vom 11.05.1990 – VI R 140/​86, BFHE 160, 546, BSt­Bl II 1990, 777 []
  2. BFH, Beschluss vom 04.07.1990 – GrS 1/​89, BFHE 160, 466, BSt­Bl II 1990, 830; Urteil vom 12.11.2009 – VI R 59/​07, BFH/​NV 2010, 631 []
  3. BFH, Beschluss vom 12.11.2009 – VI B 66/​09, BFH/​NV 2010, 884 []