Umsatz­steu­er­pflicht fürs Gesund­heits­te­le­fon

Der Betrieb eines "Gesund­heits­te­le­fons" für gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen, über das Ver­si­cher­te medi­zi­nisch bera­ten wer­den, ist nicht umsatz­steu­er­be­freit.

Umsatz­steu­er­pflicht fürs Gesund­heits­te­le­fon

In dem hier vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall betreibt die Unter­neh­me­rin ein sol­ches "Gesund­heits­te­le­fon" für gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen. Zudem führt sie sowohl für gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen als auch für Phar­ma­un­ter­neh­men sog. Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me durch. Dar­an neh­men Pati­en­ten teil, die unter chro­ni­schen oder lang andau­ern­den Krank­hei­ten lei­den und deren gesund­heit­li­che Situa­ti­on durch eine lau­fen­de Betreu­ung ver­bes­sert wer­den soll. Auch die­se Betreu­ungs­leis­tung wird tele­fo­nisch erbracht. Die Bera­tung erfolgt durch Kran­ken­schwes­tern und medi­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te; in mehr als einem Drit­tel der Fäl­le wird ein Arzt hin­zu­ge­zo­gen. Die Unter­neh­me­rin ver­trat die Auf­fas­sung, dass ihre Leis­tun­gen umsatz­steu­er­frei sei­en, und stell­te ent­spre­chen­de Rech­nun­gen. Dem ist das Finanz­amt ent­ge­gen­ge­tre­ten. Und auch die Kla­ge hat­te vor dem Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf kei­nen Erfolg:

Die strei­ti­gen tele­fo­ni­schen Bera­tungs­leis­tun­gen sind, so das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, nicht gemäß § 4 Nr. 14 UStG von der Umsatz­steu­er befreit.

Die tele­fo­ni­schen Bera­tungs­leis­tun­gen der Unter­neh­me­rin sind weder in der Form des Gesund­heits­te­le­fons noch in Form der Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin.

Nach § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG sind steu­er­frei die Umsät­ze aus Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der Tätig­keit als Arzt, Zahn­arzt, Heil­prak­ti­ker, Phy­sio­the­ra­peut, Heb­am­me oder einer ähn­li­chen heil­be­ruf­li­chen Tätig­keit durch­ge­führt wer­den.

Die­se Vor­schrift beruht auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern Richt­li­nie 77/​388/​EWG , seit dem 1.01.2007 Art. 132 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem ?MwSt­Sys­tRL?, nach der Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der von dem betref­fen­den Mit­glied­staat defi­nier­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe erbracht wer­den, steu­er­frei sind. § 4 Nr. 14 UStG ist daher richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen.

Die in Art. 132 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL genann­ten Steu­er­be­frei­un­gen sind eng aus­zu­le­gen, weil sie Aus­nah­men von dem all­ge­mei­nen Grund­satz dar­stel­len, dass jede Dienst­leis­tung, die ein Steu­er­pflich­ti­ger gegen Ent­gelt erbringt, der Mehr­wert­steu­er unter­liegt. Die Aus­le­gung der in die­ser Bestim­mung ver­wen­de­ten Begrif­fe muss aber auch mit den Zie­len im Ein­klang ste­hen, die mit den Befrei­un­gen ver­folgt wer­den und den Erfor­der­nis­sen des Grund­sat­zes der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät ent­spre­chen, auf dem das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem beruht. Die­se Regel einer engen Aus­le­gung bedeu­tet außer­dem nicht, dass die zur Defi­ni­ti­on der Steu­er­be­frei­un­gen i.S. von Art. 132 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL ver­wen­de­ten Begrif­fe in einer Wei­se aus­zu­le­gen sind, die den Befrei­un­gen ihre Wir­kung näh­me. Zweck der sowohl in Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL und der in Buchst. c die­ses Absat­zes vor­ge­se­hen Befrei­ung ist es, die Kos­ten von Heil­be­hand­lun­gen zu sen­ken und die­se für den Ein­zel­nen leich­ter zugäng­lich zu machen.

Der Begriff der Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin i.S. von Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL eben­so wie der der Kran­ken­haus­be­hand­lung i.S. von Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL umfasst Leis­tun­gen medi­zi­ni­scher Art, die der Dia­gno­se, Behand­lung und, soweit wie mög­lich, Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen die­nen. Dar­aus folgt, dass ärzt­li­chen Leis­tun­gen, die zu dem Zweck erbracht wer­den, die mensch­li­che Gesund­heit zu schüt­zen, auf­recht­zu­er­hal­ten oder wie­der­her­zu­stel­len, die in Art. 132 Abs. 1 Buchst. b und c MwSt­Sys­tRL vor­ge­se­he­ne Steu­er­be­frei­ung zukommt 1.

Zu den nach § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG steu­er­frei­en Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin gehö­ren auch Leis­tun­gen, die zum Zweck der Vor­beu­gung erbracht wer­den, wie vor­beu­gen­de Unter­su­chun­gen und ärzt­li­che Maß­nah­men an Per­so­nen, die an kei­ner Krank­heit oder Gesund­heits­stö­rung lei­den, sowie Leis­tun­gen, die zum Schutz ein­schließ­lich der Auf­recht­erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der mensch­li­chen Gesund­heit erbracht wer­den. Kei­ne Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin sind ärzt­li­che Leis­tun­gen, Maß­nah­men oder medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe, die zu ande­ren Zwe­cken erfol­gen und kei­nem sol­chen the­ra­peu­ti­schen Zweck die­nen 2.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Rechts­grund­sät­ze erfüll­ten weder die von der Unter­neh­me­rin im Bereich des Gesund­heits­te­le­fons noch der Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin iSv § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG.

Die von der Unter­neh­me­rin mit dem Betrieb von Gesund­heits­te­le­fo­nen für ver­schie­de­ne Kran­ken­kas­sen erbrach­ten Bera­tungs­leis­tun­gen sind kei­ne Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin.

Zwar die­nen die­se Bera­tungs­leis­tun­gen im wei­tes­ten Sin­ne auch dem Zweck, die Kos­ten von Heil­be­hand­lun­gen zu sen­ken. Die Unter­neh­me­rin kann die Infor­ma­tio­nen zur Erklä­rung einer Erkran­kung, zu mög­li­chen The­ra­pi­en, Dia­gno­se­ver­fah­ren, Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen, phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Ver­fah­ren, Vor­beu­gung und gesun­der Lebens­füh­rung, all­ge­mei­ne Aus­künf­te zu ange­ra­te­ner ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Ver­sor­gung sowie Bera­tun­gen zur Prä­ven­ti­on in bestimm­ten Krank­heits­bil­dern wie z. B. Dia­be­tes, Rücken­schmer­zen, Asth­ma, All­er­gie, Herz-Kreis­lauf- oder Krebs­er­kran­kun­gen sowie fach­ge­rech­te Infor­ma­tio­nen über Arz­nei­mit­tel für die Kran­ken­kas­sen preis­wer­ter anbie­ten, als dies ein Arzt im Rah­men der Behand­lung sei­nes jewei­li­gen Pati­en­ten erle­di­gen könn­te. Unbe­acht­lich ist auch, dass Leis­tungs­emp­fän­ger der von der Unter­neh­me­rin erbrach­ten Bera­tungs­leis­tung die jewei­li­ge Kran­ken­kas­se ist, weil es für die Steu­er­frei­heit nicht auf die Per­son des Leis­tungs­emp­fän­gers ankommt. Die per­so­nen­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­frei­ung bezie­hen sich auf den Leis­ten­den, der Trä­ger eines ärzt­li­chen oder arzt­ähn­li­chen Beru­fes sein muss 3.

Dies reicht jedoch zur Annah­me einer steu­er­frei­en Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin nicht aus. Die von der Unter­neh­me­rin mit den Bera­tungs­leis­tun­gen des Gesund­heits­te­le­fons erbrach­ten Leis­tun­gen die­nen nicht in hin­rei­chen­dem Maße der Dia­gno­se, Behand­lung und, soweit wie mög­lich, der Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen.

Zwar kön­nen auch Leis­tun­gen, die kei­nen unmit­tel­ba­ren Krank­heits­be­zug haben, steu­er­freie Heil­be­hand­lun­gen iSv § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG sein, wenn sie der Prä­ven­ti­on die­nen. Dies gilt jedoch nur dann, wenn die Maß­nah­men im Rah­men einer medi­zi­ni­schen Behand­lung, sei es auf­grund ärzt­li­cher Anord­nung oder im Rah­men einer Vor­sor­ge- oder Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me, durch­ge­führt wer­den 4. Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin müs­sen einem the­ra­peu­ti­schen Zweck die­nen, der auf kon­kre­ten medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen beruht, die von ent­spre­chen­dem Fach­per­so­nal getrof­fen wor­den sind, auch wenn die the­ra­peu­ti­sche Zweck­be­stim­mung einer Leis­tung nicht in einem beson­ders engen Sin­ne zu ver­ste­hen ist 5. Die medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen müs­sen von medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal für den jewei­li­gen Ein­zel­fall getrof­fen wer­den; die rein sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung des Pati­en­ten ist für die Ein­ord­nung als Heil­be­hand­lung nicht aus­rei­chend 6.

Die Bera­tungs­leis­tun­gen der Unter­neh­me­rin beim Gesund­heits­te­le­fon beru­hen nicht auf medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen, die von ent­spre­chen­dem Fach­per­so­nal getrof­fen wur­den, son­dern allein auf den – u. U. doch not­wen­di­ger Wei­se lai­en­haf­ten – Anga­ben des Anru­fers zu dem Krank­heits­bild, zu dem der Anru­fer sich wei­ter infor­mie­ren möch­te, sei es Art der Dia­gno­se, der Behand­lungs­mög­lich­kei­ten oder der Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men. Dem­entspre­chend wei­sen auch die Kran­ken­kas­sen in ihren Inter­net-Auf­trit­ten aus­drück­lich dar­auf hin, dass "ein medi­zi­ni­sches Infor­ma­ti­ons­ge­spräch den Besuch beim Arzt nicht erset­zen" kann bzw. dass "die­se Infor­ma­tio­nen nicht den Haus- oder Fach­arzt und auch nicht den Apo­the­ker erset­zen". Es wer­den kei­ne Fern­dia­gno­sen gestellt." Es wür­den ledig­lich wei­ter­ge­hen­de Infor­ma­tio­nen über eine Erkran­kung oder Aus­künf­te zu Dia­gno­sen erteilt.

Aus die­sem Grund kann auch dahin­ge­stellt blei­ben, ob sämt­li­che von der Unter­neh­me­rin beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ter des Level 1, die die strei­ti­gen Bera­tungs­leis­tun­gen tat­säch­lich erbrin­gen, die für die Steu­er­be­frei­ung erfor­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on auf­wei­sen. Die Fest­stel­lun­gen, auf­grund derer die Unter­neh­me­rin ihre Bera­tungs­leis­tun­gen erbringt, wer­den bereits nicht von ihren Mit­ar­bei­tern getrof­fen, son­dern es wer­den aus­schließ­lich die tele­fo­ni­schen Anga­ben der Anru­fer zugrun­de gelegt.

Unbe­acht­lich ist, wie der Anru­fer die von der Unter­neh­me­rin erteil­ten Aus­künf­te ein­ord­net, weil die rein sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung über die Art der emp­fan­ge­nen Leis­tung für die Beur­tei­lung, ob die­se einem the­ra­peu­ti­schen Zweck dient, nicht maß­geb­lich ist.

Die Bera­tungs­leis­tun­gen der Unter­neh­me­rin im Rah­men des Gesund­heits­te­le­fons haben kei­nen hin­rei­chend engen Bezug zu der von den behan­deln­den Ärz­ten der anru­fen­den Ver­si­cher­ten durch­ge­führ­ten Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin.

Der the­ra­peu­ti­schen Zweck­be­stimmt­heit einer Leis­tung ist genügt, wenn eine Leis­tung mit unmit­tel­ba­rem Bezug zu einer Heil­be­hand­lungs­tä­tig­keit erbracht wird, damit ande­re Ärz­te oder Kran­ken­häu­ser bei der Aus­übung ihrer Heil­be­hand­lungs­tä­tig­keit die hier­für bestehen­den medi­zi­nisch uner­läss­li­chen und gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Anfor­de­run­gen im Ein­zel­fall erfül­len kön­nen. Glei­ches gilt, wenn die frag­li­che Leis­tung uner­läss­li­cher, fes­ter und untrenn­ba­rer Bestand­teil der gesam­ten Heil­be­hand­lung ist, deren ein­zel­ne Abschnit­te sinn­vol­ler Wei­se nicht iso­liert von­ein­an­der durch­ge­führt wer­den kön­nen 7. Gleich­wohl kann der Begriff der Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin nicht auf sämt­li­che Leis­tun­gen, die mit der Behand­lung eines Pati­en­ten zusam­men­hän­gen, aus­ge­dehnt wer­den 8.

Die Infor­ma­ti­on durch die Unter­neh­me­rin ist für die tat­säch­li­che Heil­be­hand­lung der Anru­fen­den, anders als z.B. die Infor­ma­ti­on über infek­ti­ons­hy­gie­ni­sche Leis­tun­gen, die sicher­stel­len, dass Ärz­te und Kran­ken­häu­ser die für sie bestehen­den Pflich­ten im jewei­li­gen Ein­zel­fall erfül­len 9 nicht gesetz­lich vor­ge­schrie­ben.

Die von den Mit­ar­bei­tern der Unter­neh­me­rin erteil­ten Infor­ma­tio­nen sind weder für die Heil­be­hand­lung des den Anru­fer tat­säch­lich behan­deln­den Arzt uner­läss­lich noch sind sie untrenn­ba­rer Bestand­teil der tat­säch­li­chen Heil­be­hand­lung des Anru­fen­den. Die Bera­tung der Unter­neh­me­rin dient aus­schließ­lich dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Ver­si­cher­ten der Unter­neh­me­rin. Die­se kön­nen sich zu den von ihnen genann­ten Krank­heits­bil­dern über Behand­lungs­me­tho­den, Dia­gno­se­ver­fah­ren und mög­li­che Kli­ni­ken und Ärz­te infor­mie­ren las­sen.

Soweit die Bera­tungs­leis­tun­gen der Unter­neh­me­rin allein der Prä­ven­ti­on die­nen, wie dies z.B. bei der Bera­tung über Vor­sor­ge­mög­lich­kei­ten, gesun­de Lebens­füh­rung, Ernäh­rung oder geeig­ne­te Sport­ar­ten der Fall ist, haben die­se Leis­tun­gen bereits kei­nen unmit­tel­ba­ren Krank­heits­be­zug und sind daher kei­ne Heil­be­hand­lung iSv § 4 Nr. 14 a UStG. Die Bera­tungs­leis­tun­gen der Unter­neh­me­rin wer­den nicht auf­grund einer ärzt­li­chen Ver­ord­nung oder im Rah­men einer Reha­bi­li­ta­ti­ons- oder Vor­sor­ge­maß­nah­me erbracht.

Auch wenn Leis­tun­gen dem Schutz der Gesund­heit die­nen, sei es vor­beu­gend oder zur Wie­der­her­stel­lung einer bereits geschä­dig­ten Gesund­heit, sind gleich­wohl Leis­tun­gen zur Prä­ven­ti­on, die kei­nen unmit­tel­ba­ren Krank­heits­be­zug haben, grund­sätz­lich kei­ne Heil­be­hand­lung iSv § 4 Nr. 14 a UStG. Etwas ande­res gilt nur dann, wenn die­se Leis­tun­gen im Rah­men einer medi­zi­ni­schen Behand­lung auf­grund ärzt­li­cher Anord­nung oder mit­hil­fe einer Vor­sor­ge- oder Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me durch­ge­führt wer­den 10

Auch der Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät steht einer Ver­sa­gung der Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG für die Bera­tungs­leis­tun­gen der Unter­neh­me­rin nicht ent­ge­gen, weil die Bera­tungs­leis­tun­gen der Unter­neh­me­rin kei­nem kon­kre­ten the­ra­peu­ti­schen Zweck die­nen.

Zutref­fend ist, dass Bera­tungs­leis­tun­gen hin­sicht­lich Medi­ka­ti­on, Klink­wahl, Ernäh­rung, Sport­ar­ten und sons­ti­gen Prä­ven­ti­ons­mög­lich­kei­ten, soweit die­se von einem Arzt im Rah­men eines kon­kre­ten Arzt-Pati­en­ten­ver­hält­nis­ses, oder von einem arzt­ähn­li­chen Berufs­trä­ger auf­grund ärzt­li­cher Anord­nung oder wäh­rend einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me erbracht wer­den, als steu­er­freie Leis­tun­gen iSv § 4 Nr. 14 a UStG aner­kannt wer­den. Die­se Leis­tun­gen wer­den jedoch – anders als die der Unter­neh­me­rin – mit einem unmit­tel­ba­ren Bezug zu einer Heil­be­hand­lungs­tä­tig­keit erbracht, die zudem auf kon­kre­ten, von medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen beru­hen und daher einem kon­kre­ten the­ra­peu­ti­schen Zweck die­nen.

Ein Ver­stoß gegen den Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät liegt vor, wenn die strei­ti­gen Leis­tun­gen einer Berufs­grup­pe erbracht wer­den, deren Aus­bil­dung als mit aner­kann­ten arzt­ähn­li­chen Beru­fen gleich­wer­tig anzu­se­hen ist, und wenn die Qua­li­tät der strei­ti­gen, tat­säch­lich geleis­te­ten Hand­lun­gen unter Berück­sich­ti­gung von deren beruf­li­chen Qua­li­tä­ten auch als gleich­ar­tig ange­se­hen wer­den kann 11.

Die von der Unter­neh­me­rin erbrach­ten tele­fo­ni­schen Bera­tungs­leis­tun­gen sind einer Bera­tung im Rah­men eines kon­kre­ten Arzt-Pati­en­ten­ver­hält­nis­ses nicht gleich­ar­tig. Die Unter­neh­me­rin erbringt ihrer Bera­tungs­leis­tun­gen nicht auf­grund eige­ner, von medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen, ihre Aus­künf­te beru­hen aus­schließ­lich auf den Anga­ben der anru­fen­den Ver­si­cher­ten über ihre Gesund­heits­stö­rung, und kön­nen bereits des­we­gen nicht als gleich­ar­tig mit Bera­tungs­leis­tun­gen im Rah­men eines kon­kre­ten Arzt-Pati­en­ten­ver­hält­nis­ses ange­se­hen wer­den. Zudem ertei­len die Mit­ar­bei­ter all­ge­mei­ne medi­zi­ni­sche Infor­ma­tio­nen, indem sie Befun­de erläu­tern und Erklä­run­gen zu bei der jewei­li­gen ange­ge­be­nen Erkran­kung mög­li­che The­ra­pi­en geben, ohne jedoch zu einer bestimm­ten The­ra­pie zu raten.

Dass die von der Unter­neh­me­rin erbrach­ten tele­fo­ni­schen Bera­tungs­leis­tun­gen nicht in einem unmit­tel­ba­ren Bezug zu einer kon­kre­ten Heil­be­hand­lung ste­hen, son­dern ledig­lich ein – wenn auch berech­tig­tes – Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis der Ver­si­cher­ten befrie­di­gen, wird von den von der Unter­neh­me­rin als Bei­spie­le für als Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin zu beur­tei­len­den Bera­tungs­ge­sprä­chen vor­ge­leg­ten Gesprächs­do­ku­men­ta­tio­nen bestä­tigt. Hier wer­den ledig­lich all­ge­mei­ne medi­zi­ni­sche Aus­künf­te zu von den Anru­fern vor­ge­ge­be­nen Pro­ble­men und Erkran­kun­gen erteilt.

So wur­de der Ver­si­cher­ten mit einem Krampfan­fall gera­ten, sich wei­ter­hin ihrem Neu­ro­lo­gen anzu­ver­trau­en. Die­ser Anru­fe­rin wur­de mit­ge­teilt, dass Krampf­an­fäl­le nicht zu den typi­schen Sym­pto­men einer Neu­robore­lio­se nach einem Zecken­biss gehö­ren, zudem wur­den all­ge­mei­ne Infor­ma­tio­nen zur Behand­lung von Krampf­an­fäl­len gege­ben.

Die Anru­fe­rin, die unter Brust­krebs lei­det, und sich über den bei der Ope­ra­ti­on täti­gen Anäs­the­sis­ten sowie den Ope­ra­teur beklag­te, wur­de wegen eines etwai­gen Behand­lungs­feh­lers an die Schlich­tungs­stel­le bei der Lan­des­ärz­te­kam­mer ver­wie­sen, weil die Kran­ken­kas­se für die­sen Fall nicht zustän­dig sei.

Der Ver­si­cher­ten, die nach ope­ra­ti­ver Ent­fer­nung von Gebär­mut­ter und Eier­stö­cken unter leich­ten Blu­tun­gen lei­det, und schon bei drei Gynä­ko­lo­gen war, die ihr nicht hel­fen konn­ten, wur­den Aus­künf­te zu mög­li­chen post­ope­ra­ti­ven The­ra­pi­en nach mali­gnen meta­stasie­ren­den Unter­bauch­tu­mo­ren gege­ben, obwohl die Anru­fe­rin mit­ge­teilt hat­te, dass sich der Ver­dacht auf Krebs­er­kran­kung nicht bestä­tigt habe.

Der Anru­fe­rin, die an einer Glu­kos­e­into­le­ranz lei­det und Angst vor einer Dia­be­teser­kran­kung hat, wur­de gera­ten, einen Dia­be­to­lo­gen auf­zu­su­chen. Sie wur­de über eine Insu­lin­the­ra­pie infor­miert und zu Dia­be­tes mel­li­tus sowie Präd­ia­be­tes bera­ten.

Dem Anru­fer mit ‑vom Kar­dio­lo­gen unbe­stä­tig­ten- Herz­rhyth­mus­stö­run­gen und der Lebens­mit­te­lun­ver­träg­lich­keit wur­den zunächst die Sym­pto­me von Herz­rhyth­mus­stö­run­gen erläu­tert; dann wur­de ihm gera­ten, den Haus­arzt noch­mals auf­zu­su­chen und sich ggfs. einen ande­ren Kar­dio­lo­gen zu suchen. Zudem wur­den ihm die Kon­takt­da­ten von Kar­dio­lo­gen in sei­ner Nähe mit­ge­teilt.

Der Grund­satz der Neu­tra­li­tät der Mehr­wert­steu­er erfor­dert auch nicht, dass jeg­li­che, die Gesund­heit för­dern­de (Beratungs-)Leistung umsatz­steu­er­frei belas­sen wird.

Abs.1 Buchst. b und c MwSt­Sys­tRL bezwe­cken eine abschlie­ßen­de Rege­lung der Steu­er­be­frei­un­gen für Leis­tun­gen der Heil­be­hand­lung im enge­ren Sin­ne 12. Der Grund­satz der Neu­tra­li­tät erlaubt es nicht, den Gel­tungs­be­reich der Befrei­ung ohne ein­deu­ti­ge Bestim­mung aus­zu­wei­ten. Die­ser Grund­satz ist näm­lich kei­ne Rege­lung des Pri­mär­rechts, die für den Umfang eines Befrei­ungs­tat­be­stan­des bestim­mend sein könn­te, son­dern ein Aus­le­gungs­grund­satz, der neben dem Grund­satz der engen Aus­le­gung von Befrei­un­gen anzu­wen­den ist 13. Zudem bestä­tigt auch der Umstand, dass Arz­nei­mit­tel als sol­che in dem Anhang H der Sechs­ten EG-Richt­li­nie bzw. Anhang – III Nr. 3 der MwSt­Sys­tRL ent­hal­te­nen Ver­zeich­nis­ses der Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen ent­hal­ten ist, auf die ermä­ßig­te Mehr­wert­steu­er­sät­ze ange­wandt wer­den, dass nicht sämt­li­che in Zusam­men­hang mit Heil­be­hand­lun­gen der Human­me­di­zin erbrach­ten Lie­fe­run­gen und Leis­tun­gen zwangs­läu­fig von der Umsatz­steu­er befreit sind.

Die von der Unter­neh­me­rin im Auf­trag von Kran­ken­kas­sen unter­hal­te­nen Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me sind eben­falls kei­ne steu­er­frei­en Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin iSv § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG.

Zwar die­nen die Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me im Auf­trag der Kran­ken­kas­sen dem Zweck, die Kos­ten ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung zu sen­ken. Nach dem Vor­trag der Unter­neh­me­rin füh­ren ins­be­son­de­re die Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me bei psy­chi­schen Erkran­kun­gen zu einer deut­li­chen Redu­zie­rung einer erneu­ten Hos­pi­ta­li­sie­rung und damit zu einer Sen­kung der Kran­ken­haus­be­hand­lungs­kos­ten. Dies ist aus­weis­lich der vor­lie­gen­den Ver­trä­ge auch das Haupt­ziel die­ser Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me.

Die von der Unter­neh­me­rin mit den Bera­tungs­leis­tun­gen des Pati­en­ten­be­treu­ungs­pro­gramms erbrach­ten Leis­tun­gen die­nen jedoch nicht in hin­rei­chen­dem Maße der Dia­gno­se, Behand­lung und, soweit wie mög­lich, der Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen. Auch bei die­sen Leis­tun­gen fehlt es an dem erfor­der­lich the­ra­peu­ti­schen Zweck.

Zwar wer­den die Teil­neh­mer auf­grund von Fest­stel­lun­gen ärzt­li­chen Fach­per­so­nals von den Kran­ken­kas­sen zur Teil­nah­me an dem Pro­gramm ermun­tert. Eine Ein­la­dung zur Teil­nah­me ergeht nur, wenn die Adres­sa­ten bereits wegen einer bestimm­ten, idR chro­ni­schen Erkran­kung im Kran­ken­haus behan­delt wur­den, oder wenn bei Kin­dern der Ver­dacht auf ADHS dia­gnos­ti­ziert wur­de.

Begüns­tigt gemäß § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG sind nur Tätig­kei­ten, die Teil eines kon­kre­ten, indi­vi­du­el­len, der Dia­gno­se, Behand­lung, Vor­beu­gung und Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen die­nen­den Leis­tungs­kon­zepts sind und nicht ledig­lich der Befrie­di­gung all­täg­li­cher Lebens­be­dürf­nis­se die­nen. Hier­bei sind Leis­tun­gen zur medi­zi­ni­schen Vor­sor­ge oder Reha­bi­li­ta­ti­on von Leis­tun­gen zur Prä­ven­ti­on und Selbst­hil­fe abzu­gren­zen; letz­te­re ver­bes­sern ledig­lich den all­ge­mei­nen Gesund­heits­zu­stand. Zwar kön­nen auch Bera­tungs­leis­tun­gen, wie z. B. die Ernäh­rungs­be­ra­tung oder ein Rau­cher­ent­wöh­nungs­se­mi­nar, die Vor­aus­set­zun­gen einer Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin erfül­len, dies gilt jedoch nur dann, wenn die jewei­li­ge Leis­tung auf­grund ärzt­li­cher Anord­nung oder im Rah­men einer indi­vi­du­el­len Vor­sor­ge- oder Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me durch­ge­führt wird 14.

Bei den für die Kran­ken­kas­sen durch­ge­führ­ten Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­men han­delt es sich um Leis­tun­gen zur Prä­ven­ti­on und Selbst­hil­fe der Ver­si­cher­ten bei den sog. typi­schen Erkran­kun­gen der euro­päi­schen Zivil­ge­sell­schaft, bei deren Ent­ste­hung auch eine unge­sun­de Lebens­füh­rung eine der Ursa­chen ist. Ziel aller Pro­gram­me ist es, den all­ge­mei­nen Gesund­heits­zu­stand der Teil­neh­mer zu ver­bes­sern, indem auf eine gesun­de Lebens­füh­rung (Ernäh­rung, Bewe­gung) sowie auf kon­se­quen­te Medi­ka­men­ten­ein­nah­me hin­ge­wirkt wird. Die Bera­tungs­leis­tun­gen sind nicht mit den jeweils behan­deln­den Ärz­ten der Teil­neh­mer abge­stimmt und erfol­gen auch nicht im Rah­men ärzt­lich betreu­ter Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men.

Das Ziel der Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me der Unter­neh­me­rin ist die Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät der Teil­neh­mer durch Anpas­sung der täg­li­chen Gewohn­hei­ten, ins­be­son­de­re der Ernäh­rung, an die jewei­li­ge Krank­heit. Es han­delt sich um nie­der­schwel­li­ge Pro­gram­me ("ohne mora­li­schen Zei­ge­fin­ger"), die den Teil­neh­mern auch außer­halb von ärzt­li­cher Behand­lung und stren­gen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gram­men sta­tio­nä­rer oder nicht sta­tio­nä­rer Art die Umstel­lung auf eine auf die jewei­li­ge Erkran­kung abge­stimm­te Lebens­füh­rung erleich­tern sol­len.

Nach den vor­ge­leg­ten Ver­trä­gen und den Ver­öf­fent­li­chun­gen der D zu den Pati­en­ten­pro­gram­men ist das Haupt­ziel des Coa­chings im Bereich der Herz-Kreis­lauf­erkran­kun­gen, dass sich die Teil­neh­mer gene­rell gesund­heits­be­wuss­ter ver­hal­ten, ins­be­son­de­re im Bereich der Bewe­gung und Ernäh­rung (ein­schließ­lich Trink­ver­hal­ten) sowie die Ein­nah­me von Medi­ka­men­ten (Opti­mie­rung der The­ra­pie aus Bewe­gung, Ernäh­rung und Medi­ka­men­ten­com­pli­an­ce ohne mora­li­schen Zei­ge­fin­ger). Aus­drück­li­ches Ziel ist die Erhö­hung der Lebens­qua­li­tät des Pati­en­ten und (dadurch) die Redu­zie­rung der Hos­pi­ta­li­sie­rungs­ra­te.

Bei psy­chi­schen Erkran­kun­gen ist das Haupt­ziel des Coa­chings, das Ver­ständ­nis der Pati­en­ten und ihrer Ange­hö­ri­gen für die regel­mä­ßi­ge und vor­schrifts­mä­ßi­ge Ein­nah­me der Medi­ka­men­te zu ver­bes­sern sowie eine adäqua­te Reak­ti­on auf Sym­ptom­zu­nah­me und sozia­le Iso­la­ti­on her­bei­zu­füh­ren.

Bei Dia­gno­sen in Zusam­men­hang mit ADS oder ADHS von Kin­dern ist der Schwer­punkt des Coa­chings die Medi­ka­men­ten-Com­pli­an­ce sowie eine Ent­las­tung der Eltern zur Ver­rin­ge­rung von Sekun­där-Erkran­kun­gen (Burn Out). Ange­strebt wird zudem eine Ver­mei­dung von Fehl-Medi­ka­ti­on sowie das Hin­wir­ken auf eine leit­li­ni­en­ge­rech­te Dia­gnos­tik .

Schwer­punkt des Coa­chings bei dem Inter­ven­ti­ons­pro­gramm für Pati­en­ten mit einer chro­nisch ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kung ist es, dazu bei­zu­tra­gen, dass Pati­ent und Ange­hö­ri­ge einen posi­ti­ven Umgang mit der Erkran­kung fin­den. Den Teil­neh­mern soll ein posi­ti­ver Umgang mit Stress­si­tua­tio­nen ver­mit­telt und die Medi­ka­men­ten­com­pli­an­ce opti­miert wer­den .

Die im Auf­trag der Kran­ken­kas­sen durch­ge­führ­ten Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me sind auch nicht steu­er­frei gemäß § 4 Nr. 14 Buchst. b UStG. Die Unter­neh­me­rin ist kei­ne Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung, die auf Grund eines Ver­sor­gungs­ver­tra­ges gemäß § 11 Abs. 2; §§ 40; 111 SGB V mit Hil­fe von Fach­kräf­ten Leis­tun­gen zur medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on erbringt.

Zum einen erbringt die Unter­neh­me­rin, wie bereits aus­ge­führt, kei­ne Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin. Die Defi­ni­ti­on der ärzt­li­chen Heil­be­hand­lung iSv § 4 Nr. 14 Buchs. b UStG ent­spricht der der Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin des § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG. 15.

Zum ande­ren ent­spricht der von der Unter­neh­me­rin mit den Kran­ken­kas­sen abge­schlos­se­ne Ver­trag über das Pati­en­ten­be­gleit­pro­gramm nicht den Anfor­de­run­gen eines Ver­sor­gungs­ver­tra­ges iSv §§ 11 Abs. 2; 40; 111 SGB.

Ver­si­cher­te haben nach SGB V kei­nen Anspruch auf die Teil­nah­me an der­ar­ti­gen Coa­ching­pro­gram­men als (Sach-)Leistungen der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen. Die Kran­ken­kas­sen kön­nen daher die der­ar­ti­gen Pro­gram­me nur auf­grund § 20 SGB V als all­ge­mei­ne Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men bzw. Maß­nah­me zur Gesund­heits­för­de­rung anbie­ten.

Dass die Kran­ken­kas­sen sol­che Maß­nah­men als all­ge­mei­ne Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men bzw. Maß­nah­men zur Gesund­heits­för­de­rung anbie­ten, ist zudem ein wei­te­res Indiz dafür, dass es sich bei den strei­ti­gen Leis­tun­gen um (all­ge­mei­ne) Maß­nah­men zur Prä­ven­ti­on und Selbst­hil­fe, nicht aber um Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin han­delt.

Die von der Unter­neh­me­rin im Auf­trag von Phar­ma­un­ter­neh­men durch­ge­führ­ten Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me sind eben­falls kei­ne steu­er­frei­en Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin iSv § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG.

Die­se Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me sind Leis­tun­gen, die zu einem ande­ren Zweck als dem der Dia­gno­se, der Behand­lung, und soweit mög­lich, der Hei­lung von Krank­hei­ten und Gesund­heits­stö­run­gen durch­ge­führt wer­den und kei­nem sol­chen the­ra­peu­ti­schen Zweck die­nen, weil sie durch die von dem Auf­trag­ge­ber im Übri­gen erbrach­ten steu­er­pflich­ti­gen Medi­ka­men­ten­lie­fe­run­gen geprägt wer­den.

Zwar soll mit dem Pati­en­ten­be­gleit­pro­gramm die Bereit­schaft der Teil­neh­mer, die The­ra­pie­emp­feh­lung des Arz­tes zu befol­gen und das Medi­ka­ment ver­ord­nungs­ge­recht ein­zu­neh­men, erhöht wer­den. Hier­durch wird die The­ra­pie­treue der Teil­neh­mer geför­dert und der Behand­lungs­er­folg, der durch die Ein­nah­me der Medi­ka­men­te ein­tre­ten soll, unter­stützt. Gleich­wohl über­wiegt aus­weis­lich der getrof­fe­nen Dienst­leis­tungs­ver­trä­ge der Cha­rak­ter einer Wirk­sam­keits­stu­die des jewei­li­gen Medi­ka­men­tes. Die Unter­neh­me­rin ist in ers­ter Linie dazu ver­pflich­tet, dem Auf­trag­ge­ber uner­wünsch­te Arz­nei­mit­tel­wir­kun­gen und Pro­dukt­män­gel, die von den Teil­neh­mern bekun­det wer­den, kurz­fris­tig mit­zu­tei­len, und nach Schu­lung durch den Auf­trag­ge­ber Fra­gen der Teil­neh­mer zum Medi­ka­ment ent­spre­chend den Vor­ga­ben des Auf­trag­ge­bers zu beant­wor­ten. Las­sen sich die Fra­gen nicht aus dem Ant­wor­ten-Kata­log des Auf­trag­ge­bers beant­wor­ten, sind die Anfra­gen an den medi­zi­ni­schen Dienst des Auf­trag­ge­bers wei­ter­zu­lei­ten. Die­se Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me die­nen damit auch nicht dem Zweck, die Kos­ten ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung zu sen­ken, auch wenn dies eine mit­tel­ba­re Fol­ge der ver­ord­nungs­ge­rech­ten Medi­ka­men­ten­ein­nah­me ist.

Wie bei den Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­men im Auf­trag der Kran­ken­kas­sen ist auch bei denen im Auf­trag eines Phar­ma­un­ter­neh­mens die Unter­stüt­zung der ver­ord­nungs­ge­mä­ßen Medi­ka­men­ten­ein­nah­me kein uner­läss­li­cher oder gesetz­lich erfor­der­li­cher Bestand­teil der Behand­lung der Krank­heit des Teil­neh­mers durch den Arzt.

Der Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät gebie­tet eben­falls nicht die Gewäh­rung der Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG für die Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me im Auf­trag eines Phar­ma­un­ter­neh­mens. Zum einen sind nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­rich­tes auch Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­me im Auf­trag einer Kran­ken­kas­se kei­ne steu­er­freie Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin. Zum ande­ren ist, wie bereits dar­ge­legt, bei den Pati­en­ten­be­gleit­pro­gram­men im Auf­trag eines Phar­ma­un­ter­neh­mens der Zusam­men­hang der Leis­tung mit der umsatz­steu­er­pflich­ti­gen Lie­fe­rung des jewei­li­gen Medi­ka­men­tes prä­gend.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 14. August 2015 – 1 K 1570/​14 U

  1. BFH, Urtei­le vom 29.07.2015 – XI R 23/​13; vom 18.03.2015 – XI R 15/​11; vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, BFHE 247, 276, BSt­Bl II 2015, 310; EuGH, Urtei­le vom 13.03.2014 – C‑366/​12 "Kli­ni­kum Dort­mund", MwStR 2014, 301, UR 2014, 271; vom 21.03.2013 – C‑91/​12 PFC , MwStR 2013, 197; jeweils mwN[]
  2. BFH, Urtei­le vom 29.07.2015 – XI R 23/​13; vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, BFHE 247, 276, BSt­Bl II 2015, 310; vom 18.08.2011 – V R 27/​10, BFHE 235, 58, BFH/​NV 2011, 2214[]
  3. BFH, Urteil vom 18.03.2015 – XI R 15/​11, BFHE 249, 359; BFH/​NV 2015, 1215[]
  4. BFH, Urtei­le vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, BFHE 247, 276, BSt­Bl II 2015, 310; vom 07.07.2005 – V R 23/​04, BFHE 211, 69, BSt­Bl II 2005, 904; vom 10.03.2005 – V R 54/​04, BFHE 210, 151, BSt­Bl II 2005, 669[]
  5. EuGH, Urtei­le vom 21.03.2013, PFC, – C‑91/​12, UR 2013, 335; MwStR 2013, 197; vom 10.06.2010, Future Health Tech­no­lo­gies, – C‑86/​09, Slg 2010, I‑5215[]
  6. BFH, Urteil vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, BFHE 247, 276, BSt­Bl II 2015, 310; EuGH, Urteil vom 21.03.2013 – C‑91/​12, PFC, UR 2013, 335[]
  7. EuGH, Urteil vom 18.11.2010, Veri­gen, – C‑156/​09, Slg 2010, I‑11733[]
  8. BFH, Urtei­le vom 18.03.2015 – XI R 15/​11, BFHE 249, 359; BFH/​NV 2015, 1215; vom 18.08.2011 – V R 27/​10, BFHE 235, 58, BFH/​NV 2011, 1405[]
  9. vgl. hier­zu BFH, Urteil vom 05.11.2014 – XI R 11713, BFH/​NV 2015, 297 zu einer Hygie­ne­fach­kraft; vom 14.08.2011 – V R 27/​10, BFHE 235, 58; BFH/​NV 2011, 2214 zu Hygie­ne­be­ra­tun­gen durch einen Arzt[]
  10. BFH, Urtei­le vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, BFHE 247, 276, BSt­Bl II 2015, 310 zu Rau­cher­ent­wöh­nungs­se­mi­na­ren; vom 07.06.2005 – V R 23/​04, BFHE 211, 69, BSt­Bl II 2005, 904; und vom 10.03.2005 – V R 54/​04 BFHE 210, 151, BSt­Bl II 2005, 669 zu Ernäh­rungs­be­ra­tung; Beschluss vom 04.10.2012 – XI B 46/​12, BFH/​NV 2013, 273 zu Yoga­kur­sen[]
  11. EuGH, Urteil vom 27.04.2006 – C‑443/​04 u.a. ‑Sol­le­veld, Slg 2006, I‑3617[]
  12. EuGH, Urtei­le vom 13.03.2014, Kli­ni­kum Dort­mund, – C‑366/​12, MwStR 2014, 301; vom 10.09.2002, Küg­ler, – C‑141/​00, Slg 2002, I‑6833[]
  13. EuGH, Urteil vom 13.03.2014, Kli­ni­kum Dort­mund, – C‑366/​12, MwStR 2014, 301[]
  14. BFH, Urtei­le vom 07.05.2005 – V R 23/​04, BFHE 211, 69, BSt­Bl II 2005, 904 zu Ernäh­rungs­be­ra­tung; vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, BFHE 247, 276, BSt­Bl II 2015, 301 zu Rau­cher­ent­wöh­nungs­se­mi­na­ren[]
  15. EuGH, Urteil vom 21.03.2013 – C‑91/​12 ‑PFC, UR 2013, 335; BFH, Urteil vom 24.09.2014 – V R 19/​11, BFHE 247, 369, BFH/​NV 2015, 284[]