Ver­äu­ße­rung einer Betei­li­gung am Arbeit­ge­ber – und der Ver­äu­ße­rungs­ver­lust als Wer­bungs­kos­ten

Ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Betei­li­gungs­ver­lust zu Wer­bungs­kos­ten führt, ist durch die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs hin­rei­chend geklärt. Ent­spre­chend der ein­kom­men­steu­er­li­chen Sys­te­ma­tik blei­ben Ver­lus­te in der pri­va­ten Ver­mö­gens­sphä­re bei der Ein­künf­teer­mitt­lung im Rah­men der Über­schuss­ein­künf­te i.S. des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 4 bis 7 EStG ‑abge­se­hen von den in §§ 17 und 23 EStG genann­ten Aus­nah­men- außer Betracht.

Ver­äu­ße­rung einer Betei­li­gung am Arbeit­ge­ber – und der Ver­äu­ße­rungs­ver­lust als Wer­bungs­kos­ten

Die­ser Grund­satz gebie­tet es auch, Wert­än­de­run­gen eines Wirt­schafts­guts im Fal­le sei­ner Ver­äu­ße­rung (Ver­äu­ße­rungs­ge­winn bzw. -ver­lust) außer Ansatz zu las­sen [1].

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH kön­nen aller­dings pri­va­te Ver­mö­gens­ver­lus­te unter Beach­tung des objek­ti­ven Net­to­prin­zips als Erwerbs­auf­wand berück­sich­tigt wer­den, wenn beson­de­re Umstän­de den Schluss recht­fer­ti­gen, dass die Grün­de für die unfrei­wil­li­gen (völ­li­gen oder teil­wei­sen) Ver­lus­te in der Berufs- bzw. Erwerbs­sphä­re lie­gen. So wur­de Erwerbs­auf­wand aner­kannt, wenn der Ver­lust bei der beruf­li­chen Ver­wen­dung ein­tritt oder die Ein­wir­kung auf das betref­fen­de Wirt­schafts­gut aus in der Berufs­sphä­re lie­gen­den Grün­den erfolgt [2]. Gemein­sam ist sol­chen berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ver­lus­ten, dass das Wirt­schafts­gut einem spe­zi­fi­schen Risi­ko der Erwerbs­hand­lung aus­ge­setzt und aus die­sem Grun­de der Ver­lust ein­ge­tre­ten ist.

Dar­aus ergibt sich, dass allen­falls der Ver­lust pri­va­ter Wirt­schafts­gü­ter, nicht jedoch blo­ße Wert­ver­än­de­run­gen infol­ge von Ver­wer­tungs­maß­nah­men zu Wer­bungs­kos­ten füh­ren kön­nen. Die Grün­de, die zu einer Ver­wer­tung geführt haben, spie­len dabei grund­sätz­lich kei­ne Rol­le [3]. Des­halb liegt nach Ansicht des BFH bei wer­ten­der Betrach­tung bei­spiels­wei­se kein hin­rei­chend ‑den Bezug zum Ver­mö­gen über­la­gern­des- berufs­spe­zi­fi­sches Risi­ko vor, wenn der Erwerb der Betei­li­gung Vor­aus­set­zung für die Teil­nah­me an einem Anreiz­lohn­pro­gramm ist und die Anzahl der erwor­be­nen Akti­en des­sen Bemes­sungs­grund­la­ge bil­det [4] oder der Arbeit­neh­mer (Part­ner einer Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft) den Akti­en­ver­lust zur Ver­mei­dung einer Kün­di­gung rea­li­siert, weil sein Arbeit­ge­ber nach Über­nah­me des Man­dats der betref­fen­den Akti­en­ge­sell­schaft zur Wah­rung von Unab­hän­gig­keits­re­geln auf dem Ver­kauf der Antei­le besteht [5].

Glei­ches gilt für den hier ent­schie­de­nen Streit­fall der Ver­äu­ße­rung einer Betei­li­gung am eige­nen Arbeit­ge­ber. Auch hier betrifft das Schick­sal der Kapi­tal­an­la­ge die pri­va­te Ver­mö­gens­sphä­re des Arbeit­neh­mers. Einen hin­rei­chen­den Bezug des Ver­äu­ße­rungs­ver­lus­tes wie auch eines etwai­gen Ver­äu­ße­rungs­ge­winns auf die Erwerbs-und Berufs­sphä­re des Arbeit­neh­mers konn­te ‑bei wer­ten­der Betrach­tung- ver­neint wer­den. Denn allein der Umstand, dass der Erwerb der Betei­li­gung Vor­aus­set­zung für die Anstel­lung des Arbeit­neh­mers war, genügt hier­für nicht. Auch stellt die Ver­äu­ße­rung der Akti­en eine selb­stän­dig zu wür­di­gen­de Ver­mö­gens­ver­fü­gung dar, die nicht zwin­gend auf den­sel­ben Moti­ven grün­den muss wie der zeit­lich vor­an­ge­hen­de Erwerb der Betei­li­gung selbst [6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. März 2016 – VI B 132/​15

  1. BFH, Beschluss vom 04.07.1990 – GrS 1/​89, BFHE 160, 466, BStBl II 1990, 830, 836; BFH, Urteil vom 24.05.2000 – VI R 28/​97, BFHE 191, 552, BStBl II 2000, 474; BFH, Beschluss vom 30.07.2013 – VI B 7/​13, BFH/​NV 2013, 1922; vgl. auch Gru­be in Fest­schrift für Franz Klein, Steu­er­recht, Ver­fas­sungs­recht, Finanz­po­li­tik 1994, S. 913, 923[]
  2. BFH, Urteil vom 17.09.2009 – VI R 24/​08, BFHE 226, 321, BStBl II 2010, 198; vgl. BFH, Beschlüs­se vom 29.04.2009 – VI B 126/​08, BFH/​NV 2009, 1267; vom 20.08.2008 – VI B 17/​08, BFH/​NV 2009, 13; vom 22.02.2007 – VI B 99/​06, BFH/​NV 2007, 1297; vom 10.11.2005 – VI B 47/​05, BFH/​NV 2006, 296, m.w.N.; Schmidt/​Loschelder, EStG, 34. Aufl., § 9 Rz 75 ff. und 85; Schnei­der, Der Betrieb, Bei­la­ge 6/​2006, S. 51, 56 f.; umfas­send: Kreft in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 9 EStG Rz 190 ff., und Anmer­kung von Küh­nen in EFG 2007, 831, 832 mit ein­schlä­gi­gen Bei­spielsfäl­len[]
  3. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2006, 296, und in BFH/​NV 2013, 1922[]
  4. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2013, 1922[]
  5. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2009, 13[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 25.11.2010 – VI R 34/​08, BFHE 232, 86, BStBl II 2012, 24[]