Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne – und Wäh­rungs­kusrstei­ge­run­gen

Zum Ver­äu­ße­rungs­zeit­punkt rea­li­sier­te Wäh­rungs­kurs­stei­ge­run­gen sind bei der Ermitt­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns zu berück­sich­ti­gen.

Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne – und Wäh­rungs­kusrstei­ge­run­gen

Nach § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG gehört zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb auch der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, wenn der Ver­äu­ße­rer inner­halb der letz­ten fünf Jah­re am Kapi­tal der Gesell­schaft wesent­lich betei­ligt war und er die Betei­li­gung im Pri­vat­ver­mö­gen hielt. Wesent­lich ist eine Betei­li­gung für Ver­äu­ße­rungs­vor­gän­ge ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1999 ab einer Quo­te von 10 % (§ 52 Abs. 1 Satz 1 EStG i.d.F. des Steu­er­ent­las­tungs­ge­set­zes 1999÷2000÷2002 vom 24.03.1999 ‑StEntlG 1999÷2000÷2002−, BGBl I 1999, 402), für Ver­äu­ße­rungs­vor­gän­ge davor ab einer Quo­te von mehr als 25 %.

Der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn ist grund­sätz­lich für den Zeit­punkt zu ermit­teln, in dem er ent­stan­den ist. Dies ist regel­mä­ßig der Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung, d.h. der Zeit­punkt, zu dem das recht­li­che oder zumin­dest das wirt­schaft­li­che Eigen­tum an den ver­äu­ßer­ten Antei­len auf den Erwer­ber über­ge­gan­gen ist1.

Ver­äu­ße­rungs­preis i.S. von § 17 Abs. 2 EStG ist der Wert der Gegen­leis­tung, die der Ver­äu­ße­rer durch Abschluss des ‑ding­li­chen- Ver­äu­ße­rungs­ge­schäfts am maß­ge­ben­den Stich­tag erlangt; dazu gehört alles, was der Ver­äu­ße­rer aus dem Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft als Gegen­leis­tung erhält2.

Bei einer in aus­län­di­scher Wäh­rung ange­schaff­ten und ver­äu­ßer­ten Betei­li­gung sind die für die Ermitt­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns maß­geb­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen (Anschaf­fungs­kos­ten, Ver­äu­ße­rungs­preis, Ver­äu­ße­rungs­kos­ten) im Zeit­punkt ihrer jewei­li­gen Ent­ste­hung in DM/​€ umzu­rech­nen. Für eine in Fremd­wäh­rung ver­äu­ßer­te Betei­li­gung i.S. von § 17 EStG ist der Ver­äu­ße­rungs­preis im Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung in DM/​EUR umzu­rech­nen3. Maß­geb­lich ist grund­sätz­lich der amt­li­che Umrech­nungs­kurs im Bewer­tungs­zeit­punkt4.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat ent­schie­den5, dass die in § 17 Abs. 1 Satz 4 i.V.m. § 52 Abs. 1 Satz 1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999÷2000÷2002 gere­gel­te rück­wir­ken­de Absen­kung der Betei­li­gungs­gren­ze von 25 % auf 10 % nich­tig ist, soweit in einem Ver­äu­ße­rungs­ge­winn Wert­stei­ge­run­gen steu­er­lich erfasst wer­den, die bis zur Ver­kün­dung des StEntlG 1999÷2000÷2002 am 31.03.1999 ent­stan­den sind und die ent­we­der ‑bei einer Ver­äu­ße­rung bis zu die­sem Zeit­punkt- nach der zuvor gel­ten­den Rechts­la­ge steu­er­frei rea­li­siert wor­den sind oder ‑bei einer Ver­äu­ße­rung nach Ver­kün­dung des Geset­zes- sowohl zum Zeit­punkt der Ver­kün­dung als auch zum Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung nach der zuvor gel­ten­den Rechts­la­ge steu­er­frei hät­ten rea­li­siert wer­den kön­nen.

Es sind daher ‑wie der Bun­des­fi­nanz­hof6 bereits ent­schie­den hat- nur sol­che Wert­stei­ge­run­gen steu­er­bar, wel­che nach dem 31.03.1999 ent­stan­den sind. Ent­spre­chend dem Norm­zweck des § 17 EStG, den auf­grund der Ver­äu­ße­rung eines Geschäfts­an­teils ein­tre­ten­den Zuwachs der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit zu erfas­sen7, sind Wäh­rungs­kurs­än­de­run­gen nach dem 31.03.1999 im Zeit­punkt der spä­te­ren Ver­äu­ße­rung ‑ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richt und der Klä­ger- bei der Ermitt­lung des steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rungs­ge­winns i.S. des § 17 Abs. 2 EStG zu berück­sich­ti­gen, da sie sich auf die Höhe eines nach § 17 EStG steu­er­ba­ren Gewinns ‑glei­cher­ma­ßen zuguns­ten wie zulas­ten der Steu­er­pflich­ti­gen- aus­wir­ken8.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Novem­ber 2014 – IX R 30/​13

  1. BFH, Urtei­le vom 10.03.1988 – IV R 226/​85, BFHE 153, 318, BSt­Bl II 1988, 832; vom 07.03.1995 – VIII R 29/​93, BFHE 178, 116, BSt­Bl II 1995, 693; Beschluss des Finanz­ge­richt Mün­chen vom 06.07.2006 5 – V 2015/​06
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 178, 116, BSt­Bl II 1995, 693; vom 02.04.2008 – IX R 73/​04, BFH/​NV 2008, 1658
  3. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2008, 1658; vom 24.01.2012 – IX R 62/​10, BFHE 236, 362, BSt­Bl II 2012, 564, m.w.N.
  4. BFH, Urtei­le vom 19.01.1978 – IV R 61/​73, BFHE 124, 327, BSt­Bl II 1978, 295; in BFH/​NV 2008, 1658; in BFHE 236, 362, BSt­Bl II 2012, 564
  5. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 127, 61, BSt­Bl II 2011, 86
  6. BFH, Urteil vom 25.11.2010 – IX R 47/​10, BFHE 232, 335
  7. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 16.05.1995 – VIII R 33/​94, BFHE 178, 197, BSt­Bl II 1995, 870
  8. vgl. BFH, Urteil vom 30.11.2010 – VIII R 58/​07, BFHE 232, 337, BSt­Bl II 2011, 491