Ver­äu­ße­rungs­ver­lust – und sei­ne Berück­sich­ti­gung bei Raten­zah­lung

Bei zeit­lich gestreck­ter Zah­lung des Ver­äu­ße­rungs­er­lö­ses in ver­schie­de­nen Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men fällt der Ver­äu­ße­rungs­ver­lust antei­lig nach dem Ver­hält­nis der Teil­zah­lungs­be­trä­ge zu dem Gesamt­ver­äu­ße­rungs­er­lös in den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men der Zah­lungs­zu­flüs­se an.

Ver­äu­ße­rungs­ver­lust – und sei­ne Berück­sich­ti­gung bei Raten­zah­lung

Nach § 22 Nr. 2 EStG sind sons­ti­ge Ein­künf­te (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 EStG) auch Ein­künf­te aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten i.S. des § 23 EStG. Die­se umfas­sen gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG u.a. Grund­stücks­ver­äu­ße­run­gen, bei denen der Zeit­raum zwi­schen Anschaf­fung und Ver­äu­ße­rung nicht mehr als zehn Jah­re beträgt. Dabei ist der Ver­äu­ße­rungs­ver­lust antei­lig nach dem Ver­hält­nis der Teil­zah­lungs­be­trä­ge zum Gesamt­ver­äu­ße­rungs­er­lös in den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men der Zah­lungs­zu­flüs­se anzu­set­zen.

Gewinn oder Ver­lust aus Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten i.S. des § 22 Nr. 2 EStG i.V.m. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG ist gemäß § 23 Abs. 3 Satz 1 EStG der Unter­schied zwi­schen Ver­äu­ße­rungs­preis einer­seits und den Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten und den Wer­bungs­kos­ten ande­rer­seits. Die Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten min­dern sich um Abset­zun­gen für Abnut­zung, erhöh­te Abset­zun­gen und Son­der­ab­schrei­bun­gen, soweit sie bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te i.S. des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 bis 6 EStG abge­zo­gen wor­den sind (§ 23 Abs. 3 Satz 4 EStG).

§ 23 Abs. 3 EStG betrifft aber als Ein­künf­teer­mitt­lungs­re­gel nur die Fra­ge, wie der Gewinn oder Ver­lust aus dem pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft errech­net wird. Hier­für ist der tat­säch­li­che Ver­äu­ße­rungs­preis maß­ge­bend, unab­hän­gig davon, wann und auf wel­che Wei­se er zu ent­rich­ten ist [1]. Für wel­ches Kalen­der­jahr der Gewinn oder Ver­lust aus dem pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft erfasst wird, ist nach dem Zufluss (§ 11 Abs. 1 EStG) des Ver­äu­ße­rungs­er­lö­ses zu beur­tei­len [2]. Bei zeit­li­cher Stre­ckung der Zah­lung wird der Ver­äu­ße­rungs­preis in meh­re­ren Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men erfasst [3]. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es in Ver­lust­fäl­len sach­ge­recht, dass mit dem Zufluss des jewei­li­gen Teil­zah­lungs­be­trags der Ver­lust antei­lig ent­steht [4]. Der Ver­äu­ße­rungs­ver­lust fällt mit­hin antei­lig nach dem Ver­hält­nis der Teil­zah­lungs­be­trä­ge zum Gesamt­ver­äu­ße­rungs­er­lös in den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men der Zah­lungs­zu­flüs­se an [5]. Die mit dem pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft wirt­schaft­lich zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen, d.h. die Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten und Wer­bungs­kos­ten, sind in einem sol­chen Fall erst in dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum antei­lig abzieh­bar, in dem der jewei­li­ge Tei­ler­lös aus dem pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft zufließt. Mit die­sem ver­an­la­gungs­zeit­raum­be­zo­ge­nen Aus­gleich zwi­schen den vom dem Steu­er­pflich­ti­gen erwirt­schaf­te­ten, steu­er­ba­ren Ein­nah­men und den zur Erzie­lung die­ser Ein­nah­men auf­ge­wen­de­ten, antei­li­gen Aus­ga­ben, tritt dem Prin­zip der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit fol­gend eine peri­oden­ge­rech­te Leis­tungs­fä­hig­keits­be­mes­sung nach dem objek­ti­ven Net­to­prin­zip ein. Aus der Gel­tung des Zufluss­prin­zips und der ver­an­la­gungs­zeit­raum­be­zo­ge­nen Leis­tungs­fä­hig­keits­be­ur­tei­lung folgt für die hier in Rede ste­hen­den Ver­lust­fäl­le eben­falls, dass es nicht mög­lich ist, den Gesamt­ver­lust bereits im ers­ten Zufluss­jahr einer Kauf­preis­ra­te oder erst im letz­ten Zufluss­jahr einer Kauf­preis­ra­te zu berück­sich­ti­gen, oder ‑wie die Grund­stücks­ver­äu­ße­rin gel­tend macht- dass von dem Teil­zah­lungs­be­trag des ers­ten Zufluss­jah­res die gesam­ten (ledig­lich um die Abset­zun­gen für Abnut­zung gemin­der­ten) Anschaf­fungs­kos­ten und Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den kön­nen, was zu einem über­höh­ten, nicht den tat­säch­li­chen Umstän­den ent­spre­chen­den Ver­lust in die­sem Ver­an­la­gungs­zeit­raum füh­ren wür­de.

Auch kön­nen Gewin­ne oder Ver­lus­te aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten den Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nen oder ‑ver­lus­ten, die bei der Ver­äu­ße­rung von Betei­li­gun­gen gemäß § 17 EStG zu erfas­sen sind, nicht gleich­ge­stellt wer­den. Der nach § 17 Abs. 2 EStG zu errech­nen­de Ver­äu­ße­rungs­ge­winn oder ‑ver­lust gehört zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb und ist damit den gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 1 EStG nach beson­de­ren Grund­sät­zen zu erfas­sen­den Gewinn­ein­künf­ten zuzu­rech­nen. Die Gewinn­ermitt­lung nach § 17 Abs. 2 EStG ist nicht nach dem Zufluss­prin­zip des § 11 Abs. 1 EStG, son­dern nach einer Stich­tags­be­wer­tung auf den Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Gewinns oder Ver­lusts vor­zu­neh­men [6]. Maß­ge­ben­der Zeit­punkt der Gewinn- oder Ver­lust­rea­li­sie­rung ist der­je­ni­ge, zu dem bei einer Gewinn­ermitt­lung durch Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich gemäß §§ 4 Abs. 1, 5 EStG nach han­dels­recht­li­chen Grund­sät­zen ord­nungs­ge­mä­ßer Buch­füh­rung der Gewinn oder Ver­lust rea­li­siert wäre. Gera­de die­se früh­zei­ti­ge steu­er­li­che Erfas­sung von Gewin­nen soll aber durch § 11 Abs. 1 EStG bei der Besteue­rung der Über­schuss­ein­künf­te ver­hin­dert wer­den, um den Steu­er­pflich­ti­gen nicht vor Zufluss sei­ner Ein­nah­men mit der vol­len Steu­er und dem Risi­ko des Kauf­preis­ein­gangs zu belas­ten [7]. Aus Grün­den der Gleich­be­hand­lung muss das Zufluss­prin­zip eben­so für den hier gege­be­nen Ver­lust­fall gel­ten. Im Übri­gen ent­steht auch bei Wahl der Zufluss­be­steue­rung gemäß R 17 Abs. 7 Satz 2 i.V.m. R 16 Abs. 11 Satz 7 der Ein­kom­men­steu­er-Richt­li­ni­en 2012 der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn nicht bereits im Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung, son­dern suk­zes­si­ve mit dem Zufluss jeder ein­zel­nen Zah­lung nach dem Über­schrei­ten der Gewinn­schwel­le [8].

Einer Ver­tei­lung des Ver­lus­tes steht das allei­ne den Gewinn­fall betref­fen­de Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 13.04.1962 [9] nicht ent­ge­gen. In jener Ent­schei­dung urteil­te der Bun­des­fi­nanz­hof nur über den Zeit­punkt der Ver­steue­rung des Spe­ku­la­ti­ons­ge­winns bei Zufluss des Ver­äu­ße­rungs­er­lö­ses in Raten, nicht aber über die zeit­li­che Erfas­sung des Ver­lus­tes bei Raten­zah­lung. Im Übri­gen hielt der Bun­des­fi­nanz­hof für die Ver­tei­lung des Gewinns auf die ein­zel­nen Jah­re (nach dem Über­schrei­ten der Gewinn­schwel­le) den tat­säch­li­chen Zufluss i.S. des § 11 Abs. 1 EStG für maß­ge­bend.

Dass die Grund­stücks­ver­äu­ße­rin berech­tigt gewe­sen wäre; vom Kauf­ver­trag zurück­zu­tre­ten, sofern die Erwer­be­rin eine der Kauf­preis­ra­ten trotz Nach­frist­set­zung nicht über­wie­sen hät­te, ist für die Besteue­rung des pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäfts uner­heb­lich, weil eine Ver­äu­ße­rung i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG bereits gege­ben ist, wenn die rechts­ge­schäft­li­chen Erklä­run­gen bei­der Ver­trags­part­ner inner­halb der Ver­äu­ße­rungs­frist bin­dend abge­ge­ben wor­den sind [10]. Dies ist hier der Fall.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Dezem­ber 2016 – IX R 18/​16

  1. BFH, Urteil vom 02.04.1974 – VIII R 76/​69, BFHE 112, 348, BStBl II 1974, 540[]
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 112, 348, BStBl II 1974, 540; vom 17.07.1991 – X R 6/​91, BFHE 165, 85, BStBl II 1991, 916; vom 11.11.2009 – IX R 57/​08, BFHE 227, 431, BStBl II 2010, 607[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 227, 431, BStBl II 2010, 607, betref­fend einen Gewinn­fall[]
  4. glei­cher Ansicht: Blümich/​Glenk, § 23 EStG Rz 222; a.A. Musil in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 23 EStG Rz 320, ohne Begrün­dung, der den Gesamt­ver­lust im Zufluss­jahr der ers­ten Rate ansetzt[]
  5. glei­cher Ansicht: Klam­mer, EFG 2016, 1608[]
  6. sie­he z.B. BFH, Urteil vom 01.07.2014 – IX R 47/​13, BFHE 246, 188, BStBl II 2014, 786, m.w.N.[]
  7. BFH, Urteil in BFHE 112, 348, BStBl II 1974, 540[]
  8. sie­he BFH, Urteil vom 18.11.2014 – IX R 4/​14, BFHE 248, 138, BStBl II 2015, 526[]
  9. BFH, Urteil vom 13.04.1962 – VI 194/​61 U, BFHE 75, 102, BStBl III 1962, 306[]
  10. sie­he BFH, Urteil vom 10.02.2015 – IX R 23/​13, BFHE 249, 149, BStBl II 2015, 487, m.w.N.[]