Ver­an­la­gungs­wahl­recht für Ehe­gat­ten – und sei­ne Aus­übung als rück­wir­ken­des Ereig­nis

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH kann das in § 26 Abs. 1 Satz 1 EStG nor­mier­te Wahl­recht zwi­schen getrenn­ter Ver­an­la­gung (§ 26a EStG) und Zusam­men­ver­an­la­gung (§ 26b EStG) bis zum Ein­tritt der Bestands­kraft der Steu­er­fest­set­zung aus­ge­übt wer­den 1.

Ver­an­la­gungs­wahl­recht für Ehe­gat­ten – und sei­ne Aus­übung als rück­wir­ken­des Ereig­nis

Die hin­sicht­lich bei­der Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zun­gen bereits ein­ge­tre­te­ne Bestands­kraft wird durch die spä­te­re Zustim­mung des ande­ren Ehe­gat­ten zur Zusam­men­ver­an­la­gung nicht über­wun­den. Die­se Zustim­mung stellt weder eine nach­träg­lich bekannt gewor­de­ne Tat­sa­che (§ 173 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO) noch ein rück­wir­ken­des Ereig­nis (§ 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO) dar.

Eine Ände­rung nach § 173 Abs. 1 AO wegen neu bekannt gewor­de­ner Tat­sa­chen schei­det aus, wenn sich die frag­li­chen Tat­sa­chen erst nach Bekannt­ga­be der Steu­er­fest­set­zung ereig­net haben und der Finanz­be­hör­de in die­sem Zeit­punkt nicht schon bekannt sein konn­ten 2. So ver­hält es sich im Streit­fall. Die Zustim­mung zur Zusam­men­ver­an­la­gung wur­de gegen­über dem Finanz­amt erst 2002 nach Erlass des letz­ten Ein­kom­men­steu­er­be­scheids für das Jahr 1991 erklärt.

Auch eine Ände­rung nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO wegen des Ein­tritts eines rück­wir­ken­den Ereig­nis­ses kommt nicht in Betracht. Der Bun­des­fi­nanz­hof erkann­te zwar in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen die Wahl einer bestimm­ten Ver­an­la­gungs­art oder deren Ände­rung durch einen Ehe­gat­ten für den ande­ren Ehe­gat­ten als rück­wir­ken­des Ereig­nis an, weil die Wahl bzw. deren Ände­rung durch den einen Ehe­gat­ten sich auf die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Ver­an­la­gung des ande­ren, bereits bestands­kräf­tig ver­an­lag­ten Ehe­gat­ten aus­wir­ke 3.

In den Fäl­len, die den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs aus 2005 3 zugrun­de lagen, war aller­dings die Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung des Ehe­gat­ten, der die Wahl aus­üb­te bzw. änder­te, noch nicht bestands­kräf­tig, so dass die­ser Ehe­gat­te sein Ver­an­la­gungs­wahl­recht wirk­sam aus­üben konn­te. Dage­gen waren im Streit­fall bei­de Ehe­gat­ten bestands­kräf­tig getrennt zur Ein­kom­men­steu­er für das Jahr 1991 ver­an­lagt wor­den. Daher war eine wirk­sa­me Aus­übung oder Ände­rung des Wahl­rechts nicht mehr mög­lich. Eine gleich­wohl erklär­te Wahl kann sich bei kei­nem der Ehe­gat­ten auf die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Ver­an­la­gung aus­wir­ken. Dem­entspre­chend stellt sie kein rück­wir­ken­des Ereig­nis dar.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2014 – III R 5/​13

  1. BFH, Urtei­le vom 19.05.2004 – III R 18/​02, BFHE 206, 201, BSt­Bl II 2004, 980, unter II. 1.b; vom 30.08.2012 – III R 40/​10, BFH/​NV 2013, 193, Rz 16[]
  2. BFH, Urteil vom 02.04.1998 – V R 34/​97, BFHE 185, 536, BSt­Bl II 1998, 695[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 03.03.2005 – III R 22/​02, BFHE 209, 454, BSt­Bl II 2005, 690, unter II. 2.; vom 28.07.2005 – III R 48/​03, BFHE 210, 393, BSt­Bl II 2005, 865, unter II. 2.a; vom 15.12 2005 – III R 49/​05, BFH/​NV 2006, 933, unter II. 1.[][]