Ver­fas­sungs­ge­mä­ße Alters­gren­ze beim Kin­der­geld

Die Absen­kung der Alters­gren­ze für die Gewäh­rung von Kin­der­geld vom 27. auf das 25. Lebens­jahr ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich.

Ver­fas­sungs­ge­mä­ße Alters­gren­ze beim Kin­der­geld

Dies hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof bereits mehr­fach ent­schie­den 1, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine hier­ge­gen gerich­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men 2. Nun bestä­tig­te der Bun­des­fi­nanz­hof noch­mals die­se Recht­spre­chung und wies die hier­ge­gen erho­be­ne Kri­tik zurück:

Die hier­ge­gen geäu­ßer­ten Ein­wen­dun­gen ver­mö­gen den Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu über­zeu­gen. Der Gesetz­ge­ber ist nicht ver­pflich­tet, Kin­der­geld unter Berück­sich­ti­gung aus­bil­dungs­ver­län­gern­der Sach­ver­hal­te ‑wie Stu­di­en­auf­ent­hal­te im Aus­land- bis zum Abschluss der Aus­bil­dung zu gewäh­ren. Aus dem Ver­fas­sungs­auf­trag, einen wirk­sa­men Fami­li­en­las­ten­aus­gleich zu schaf­fen, las­sen sich kon­kre­te Fol­ge­run­gen für die ein­zel­nen Rechts­ge­bie­te und Teil­sys­te­me, in denen der Fami­li­en­las­ten­aus­gleich zu ver­wirk­li­chen ist, nicht ablei­ten 3.

Soweit gel­tend gemacht wird, die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­ken­ne die Bedeu­tung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Rück­wir­kungs­ver­bo­tes und habe die neue­re Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 4 nicht berück­sich­ti­gen kön­nen, führt dies zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in Kennt­nis die­ser, sei­ner Ent­schei­dun­gen die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen ein Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs 5 nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men (§§ 93a, 93b BVerfGG) 2.

Soweit eine neue­re Ent­wick­lung in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hin­sicht­lich des Rück­wir­kungs­ver­bo­tes gel­tend gemacht wird, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nen jün­ge­ren Ent­schei­dun­gen 6 an der Unter­schei­dung zwi­schen ech­ter und unech­ter Rück­wir­kung fest­ge­hal­ten hat. Zudem beru­hen die Rechts­sät­ze, dass der Gesetz­ge­ber, soweit er künf­ti­ge Rechts­fol­gen an zurück­lie­gen­de Sach­ver­hal­te anknüpft, dem ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ver­trau­ens­schutz in hin­rei­chen­dem Maß Rech­nung tra­gen muss, die Inter­es­sen der All­ge­mein­heit, die mit der Rege­lung ver­folgt wer­den, und das Ver­trau­en der Ein­zel­nen auf die Fort­gel­tung der Rechts­la­ge abzu­wä­gen sind sowie der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gewahrt sein muss, auf stän­di­ger Recht­spre­chung des BVerfG 7. Auch inso­weit ist nicht erkenn­bar, dass unter ver­fas­sungs­recht­li­chen Gesichts­punk­ten eine von der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs abwei­chen­de Auf­fas­sung gebo­ten sein könn­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. April 2014 – V R 62/​10

  1. BFH, Urteil in BFHE 230, 523, BSt­Bl II 2011, 176; vgl. auch BFH, Urtei­le vom 11.04.2013 – III R 83/​09, BFH/​NV 2013, 1174; vom 28.05.2013 – XI R 44/​11, BFH/​NV 2013, 1409[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 22.10.2012 – 2 BvR 2875/​10[][]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 230, 523, BSt­Bl II 2011, 176, m.w.N.[]
  4. BVerfG, Ent­schei­dun­gen vom 07.07.2010 – 2 BvL 14/​02, 2 BvL 2/​04, 2 BvL 13/​05, BVerfGE 127, 1, BSt­Bl II 2011, 76;, 2 BvL 1/​03, 2 BvL 57/​06, 2 BvL 58/​06, BVerfGE 127, 31; 2 BvR 748/​05, 2 BvR 753/​05, 2 BvR 1738/​05, BVerfGE 127, 61, BSt­Bl II 2011, 86; vom 12.10.2010 – 1 BvL 12/​07, BVerfGE 127, 224; und vom 10.10.2012 – 1 BvL 6/​07, BVerfGE 132, 302, BSt­Bl II 2012, 932[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 230, 523, BSt­Bl II 2011, 176[]
  6. BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 127, 1, BSt­Bl II 2011, 76 Rz 60 f.; in BVerfGE 127, 61, BSt­Bl II 2011, 86 Rz 49; und in BVerfGE 127, 31 Rz 66[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 132, 302, BSt­Bl II 2012, 932 Rz 42 f., m.w.N.; BFH, Beschluss vom 24.02.2014 – XI B 15/​13[]