Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen bei stän­dig wech­seln­den Tätig­keits­stät­ten eines Außen­dienst­mit­ar­bei­ters

Die Höhe der Mehr­auf­wen­dun­gen für die Ver­pfle­gung rich­tet sich bei einer Aus­wärts­tä­tig­keit i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 3 EStG (stän­dig wech­seln­de Tätig­keits­stät­ten) nach der Abwe­sen­heits­dau­er des Arbeit­neh­mers von sei­ner Woh­nung am Ort des Lebens­mit­tel­punkts. Das gilt auch dann, wenn der Arbeit­neh­mer stets in der­sel­ben aus­wär­ti­gen Unter­kunft näch­tigt 1.

Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen bei stän­dig wech­seln­den Tätig­keits­stät­ten eines Außen­dienst­mit­ar­bei­ters

Mehr­auf­wen­dun­gen für die Ver­pfle­gung des Steu­er­pflich­ti­gen sind nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 1 EStG grund­sätz­lich nicht als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar. Wird der Steu­er­pflich­ti­ge jedoch vor­über­ge­hend von sei­ner Woh­nung und dem Mit­tel­punkt sei­ner dau­er­haft ange­leg­ten beruf­li­chen Tätig­keit ent­fernt beruf­lich tätig, so ist nach Satz 2 der Vor­schrift für jeden Kalen­der­tag, an dem der Steu­er­pflich­ti­ge wegen die­ser vor­über­ge­hen­den Tätig­keit von sei­ner Woh­nung und sei­nem Tätig­keits­mit­tel­punkt über eine bestimm­te Dau­er abwe­send ist, ein nach die­ser Dau­er gestaf­fel­ter Pausch­be­trag abzu­zie­hen. Wird der Steu­er­pflich­ti­ge bei sei­ner indi­vi­du­el­len betrieb­li­chen Tätig­keit typi­scher­wei­se nur an stän­dig wech­seln­den Tätig­keits­stät­ten tätig (Fall der sog. Ein­satz­wech­sel­tä­tig­keit), so gilt Satz 2 ent­spre­chend (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 3 EStG). Nach Satz 5 beschränkt sich bei einer län­ger­fris­ti­gen vor­über­ge­hen­den Tätig­keit an der­sel­ben Tätig­keits­stät­te der pau­scha­le Abzug nach Satz 2 auf die ers­ten drei Mona­te (sog. Drei­mo­nats­frist). Auf die kon­kre­te Ver­pfle­gungs­si­tua­ti­on kommt es für den Abzug der Pau­scha­len eben­so wenig an wie dar­auf, ob dem Arbeit­neh­mer über­haupt ein Mehr­auf­wand bei sei­ner Ver­pfle­gung ent­stan­den ist 2.

Gemäß Satz 6 der Vor­schrift gel­ten die Abzugs­be­schrän­kung nach Satz 1, die (gestaf­fel­ten) Pausch­be­trä­ge nach Satz 2 sowie die Drei­mo­nats­frist nach Satz 5 auch für den Abzug von Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen bei einer aus beruf­li­chem Anlass begrün­de­ten dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung. Aller­dings begrün­det der Bezug einer Unter­kunft an einem Beschäf­ti­gungs­ort, der nicht den Begriff der regel­mä­ßi­gen Arbeits­stät­te erfüllt, kei­ne dop­pel­te Haus­halts­füh­rung i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG 3.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist bei einem Außen­dienst­mit­ar­bei­ter von einer Aus­wärts­tä­tig­keit aus­zu­ge­hen, die nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 3 EStG grund­sätz­lich zum Abzug von Mehr­auf­wen­dun­gen für die Ver­pfle­gung berech­tigt, da er weder an einer regel­mä­ßi­gen Arbeits­stät­te noch an einem Tätig­keits­mit­tel­punkt zum Ein­satz kommt, son­dern viel­mehr an stän­dig wech­seln­den Tätig­keits­stät­ten im Ein­satz ist mit der Fol­ge, dass § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 5 EStG und damit der sog. Drei­mo­nats­zeit­raum nicht zur Anwen­dung kom­men.

Soweit zur Berech­nung der Pau­scha­len die jewei­li­gen Abwe­sen­heits­zei­ten des Außen­dienst­mit­ar­bei­ters von dem Pen­si­ons­zim­mer in B zugrun­de gelegt wird, kann der Bun­des­fi­nanz­hof dem nicht fol­gen. Maß­geb­lich ist inso­weit die Abwe­sen­heit von der Woh­nung (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 3 Halb­satz 2 EStG). Die Woh­nung des Außen­dienst­mit­ar­bei­ters befin­det sich in A. Die Unter­kunft in B erfüllt nicht den Woh­nungs­be­griff des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 3 EStG 4. Die Gegen­an­sicht hat sich von rechts­po­li­ti­schen Erwä­gun­gen lei­ten las­sen. Die­se spie­len jedoch, wie dar­ge­stellt, im Rah­men der typi­sie­ren­den Rege­lung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Sät­ze 2 ff. EStG kei­ne Rol­le.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – VI R 95/​13

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 11.05.2005 – VI R 7/​02, BFHE 209, 502, BSt­Bl II 2005, 782[]
  2. BFH-Ent­schei­dun­gen vom 19.01.2012 – VI R 23/​11, BFHE 236, 351, BSt­Bl II 2012, 472; vom 24.03.2011 – VI R 11/​10, BFHE 233, 171, BSt­Bl II 2011, 829, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 24.09.2013 – VI R 51/​12, BFHE 243, 215, BSt­Bl II 2014, 342, m.w.N.[]
  4. BFH-Ent­schei­dung vom 11.05.2005 – VI R 7/​02, BFHE 209, 502, BSt­Bl II 2005, 782; s.a. § 9 Abs. 4a Satz 4 Halb­satz 2 EStG i.d.F. des Geset­zes zur Ände­rung und Ver­ein­fa­chung der Unter­neh­mens­be­steue­rung und des steu­er­li­chen Rei­se­kos­ten­rechts vom 20.02.2013, BGBl I 2013, 285[]