Ver­sor­gungs­aus­gleichs­zah­lun­gen als Wer­bungs­kos­ten

Aus­gleichs­zah­lun­gen an den geschie­de­nen Ehe­gat­ten im Rah­men des Ver­sor­gungs­aus­gleichs kön­nen als Wer­bungs­kos­ten abzugs­fä­hig sein.

Ver­sor­gungs­aus­gleichs­zah­lun­gen als Wer­bungs­kos­ten

In dem hier vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Fall hat­te der Ehe­mann mit sei­ner geschie­de­nen Ehe­frau eine Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­rung getrof­fen, die u.a. vor­sah, dass der Ehe­mann an die­se eine Zah­lung leis­ten soll­te, um sei­ne betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung aus dem Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­zu­schlie­ßen. Der Ehe­mann bean­trag­te beim Finanz­amt die Berück­sich­ti­gung des gezahl­ten Betra­ges als Wer­bungs­kos­ten bei sei­nen Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit. Das Finanz­amt lehn­te dies mit der Begrün­dung ab, dass es sich um einen Vor­gang auf der pri­va­ten Ver­mö­gens­ebe­ne han­de­le. Das Finanz­ge­richt Müns­ter gab der hier­ge­gen erho­be­nen Kla­ge statt:

Die Aus­gleichs­zah­lun­gen zur Abfin­dung eines Ver­sor­gungs­aus­gleichs­an­spruchs wegen des Bestehens einer Anwart­schaft auf betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung sind mit den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit in Zusam­men­hang ste­hen­de Wer­bungs­kos­ten.

Wer­bungs­kos­ten sind nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men. Sie sind nach § 9 Abs. 1 Satz 2 EStG bei der Ein­kunfts­art abzu­zie­hen, bei der sie erwach­sen sind. Vor­aus­set­zung für die Abzieh­bar­keit der Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten ist, dass sie in einem aus­rei­chend bestimm­ten wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang mit der Ein­kunfts­art ste­hen1.

Nach der Recht­spre­chung des BFH füh­ren Zah­lun­gen im Zusam­men­hang mit einem Ver­sor­gungs­aus­gleich nur dann zu abzieh­ba­ren Wer­bungs­kos­ten, wenn eine Pflicht zum Aus­gleich von Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten besteht und zur Fol­ge hät­te, dass dem Inha­ber des Anspruchs auf betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung nied­ri­ge­re Ver­sor­gungs­be­zü­ge im Sin­ne des § 19 Abs. 2 EStG zuflie­ßen als ohne eine sol­che Aus­gleichs­ver­pflich­tung. Ent­schei­dend ist mit­hin allein, ob die Aus­gleichs­zah­lun­gen dazu die­nen, eine Ver­rin­ge­rung der sonst im Schei­dungs­fall beim Ehe­mann zuflie­ßen­den Ver­sor­gungs­be­zü­ge zu ver­hin­dern2.

Flie­ßen dem Aus­gleichs­pflich­ti­gen hin­ge­gen auch im Schei­dungs­fall die unge­kürz­ten Ver­sor­gungs­be­zü­ge zu, betrifft eine Ver­ein­ba­rung, die den ding­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich durch eine ande­re Rege­lung ersetzt, auch dann nicht den Bereich der Ein­kunfts­er­zie­lung – in dem allein Wer­bungs­kos­ten anfal­len könn­ten – son­dern den der Ein­kom­mens­ver­wen­dung, wenn der Aus­gleichs­pflich­ti­ge einen Teil der Ver­sor­gungs­be­zü­ge an den aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten wei­ter­lei­ten muss3.

Im Streit­fall wäre es ohne die vor­lie­gend zu beur­tei­len­de Ver­ein­ba­rung zu einer Auf­tei­lung der betrieb­li­chen Ver­sor­gungs­an­wart­schaft des Ehe­man­nes und damit zu einer Ver­rin­ge­rung der die­sem zuflie­ßen­den Ver­sor­gungs­be­zü­ge gekom­men. Denn der ohne die Ver­ein­ba­rung durch­zu­füh­ren­de Ver­sor­gungs­aus­gleich hät­te auf­grund der durch­zu­füh­ren­den Real­tei­lung zu einer Ein­künf­te­ver­la­ge­rung auf die geschie­de­ne Ehe­frau des Ehe­man­nes geführt4.

Nach der Neu­re­ge­lung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs zum 01.09.2009 durch das Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ge­setz (VersAus­glG) ist in § 10 VersAus­glG der Grund­satz der inter­nen Real­tei­lung ein­ge­führt wor­den, wonach jedes Ver­sor­gungs­an­recht sepa­rat, inner­halb sei­nes Ver­sor­gungs­sys­tems, zwi­schen den Ehe­gat­ten auf­zu­tei­len ist. Als Aus­nah­me zu dem Prin­zip der inter­nen Tei­lung ist in §§ 14 ff. VersAus­glG die exter­ne Tei­lung vor­ge­se­hen. Hier­bei wird der Aus­gleichs­wert an einen ande­ren als den gegen­wär­ti­gen, also einen exter­nen unter­neh­mens­frem­den Ver­sor­gungs­trä­ger über­tra­gen, der hier­aus eine ange­mes­se­ne Ver­sor­gung zu gewäh­ren hat5.

Sowohl im Fal­le der inter­nen Tei­lung (§ 3 Nr. 55a EStG) als auch bei exter­ner Tei­lung (§ 3 Nr. 55b EStG) muss nicht mehr der Aus­gleichs­pflich­ti­ge, son­dern der Aus­gleichs­be­rech­tig­te die Leis­tun­gen ver­steu­ern. Die­se Real­tei­lung und die damit ver­bun­de­ne Ein­künf­te­ver­la­ge­rung auf sei­ne geschie­de­ne Ehe­frau hat der Ehe­mann durch die in der Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar­te Aus­gleichs­zah­lung ver­hin­dert.

Die Zah­lung in Höhe von 12.161 € ist nach dem nota­ri­el­len Ver­trag auch als Gegen­leis­tung für den Ver­zicht auf den Ver­sor­gungs­aus­gleich der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung an die frü­he­re Ehe­frau gezahlt wor­den. Der Abzug der Höhe nach – ins­be­son­de­re die Auf­tei­lung des Gesamt­be­tra­ges auf Zuge­winn­aus­gleich und Ver­sor­gungs­aus­gleich – ist vom Ehe­mann auf der Basis des Ver­trags plau­si­bel dar­ge­legt wor­den und wird auch vom Beklag­ten nicht in Zwei­fel gezo­gen.

Der Wer­bungs­kos­ten­ab­zug in den Fäl­len von Auf­wen­dun­gen zur Erhal­tung eige­ner Ver­sor­gungs­an­sprü­che nach § 19 EStG ist nach § 10 Abs. 1 1. Hs. EStG auch vor­ran­gig gegen­über einem even­tu­el­len Son­der­aus­ga­ben­ab­zug6.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 11. Novem­ber 2015 – 7 K 453/​15 E

  1. BFH, Urt. vom 15.06.2010 – – X R 23/​08, BFH/​NV 2010, 1807
  2. BFH, Urt. vom 22.08.2012 – – X R 36/​09, BSt­Bl II 2014, 109; Urt. vom 24.03.2011 – – VI R 59/​10, BFH/​NV 2011, 1130; Urt. vom 08.03.2006 – – IX R 107/​00, BSt­Bl II 2006, 446; FG Ham­burg, Urt. vom 31.10.2013 – 3 K /​80/​12
  3. BFH, Urt. vom 15.06.2010 – – X R 23/​08, BFH/​NV 2010, 1807; FG Ham­burg, Urt. vom 31.10.2013 – 3 K 80/​12
  4. vgl. BFH, Urt. vom 22.08.2012 – – X R 36/​09, BSt­Bl II 2014, 109
  5. Huber/​Burg, BB 2009, 2534; Meiss­ner, VW 2009, 1191
  6. Schmidt/​Heinicke, EStG, 32. Auf­la­ge 2013, § 10 Rdn. 67