Wel­ches Kon­to für das Kin­der­geld?

Der Anspruch auf Nach­zah­lung von Kin­der­geld erlöscht grund­sätz­lich durch Zah­lung auf ein benann­tes Kon­to. Dabei kann die Zah­lung auf Anwei­sung des Gläu­bi­gers auf ein Kon­to eines Drit­ten erfol­gen. Bestehen auf­grund eines Vor­drucks der Fami­li­en­kas­se Zwei­fel hin­sicht­lich des Zah­lungs­we­ges, ist der Anspruch noch nicht erlo­schen.

Wel­ches Kon­to für das Kin­der­geld?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge einer Mut­ter statt­ge­ge­ben, die sich damit gegen eine Kin­der­geld­nach­zah­lung auf das Kon­to ihrer Toch­ter gewehrt hat. Die Kinds­mut­ter erhielt zunächst Kin­der­geld für ihre Toch­ter. Des­sen Fest­set­zung hob die Fami­li­en­kas­se auf und for­der­te Kin­der­geld zurück. Die Kinds­mut­ter leg­te Ein­spruch ein und zahl­te Kin­der­geld im April 2015 von ihrem Kon­to zurück. Im August 2015 stell­te die Toch­ter in eige­nem Namen einen Antrag auf Zah­lung von Kin­der­geld auf ihr Kon­to. Eben­falls im August 2015 teil­te die Kinds­mut­ter der Fami­li­en­kas­se ihre Kon­to­da­ten mit. Kurz dar­auf stell­te die Kinds­mut­ter nach (feh­ler­haf­tem) Hin­weis der Fami­li­en­kas­se einen Kin­der­geld­an­trag für ihre Toch­ter ab August 2015 (Aus­bil­dungs­be­ginn) und gab das Kon­to ihrer Toch­ter an. Im Sep­tem­ber 2015 half die Fami­li­en­kas­se dem Ein­spruch der Kinds­mut­ter teil­wei­se ab und setz­te für eini­ge Mona­te Kin­der­geld fest. Die Fami­li­en­kas­se ord­ne­te zunächst die Aus­zah­lung auf das Kon­to der Kinds­mut­ter an, kor­ri­gier­te dann die Kas­sen­an­ord­nung mit dem Hin­weis "neue Bank­ver­bin­dung" und über­wies Kin­der­geld auf das Kon­to der Toch­ter. Die Kinds­mut­ter teil­te der Fami­li­en­kas­se mit, nur das Kin­der­geld für die Zukunft habe auf das Kon­to der Toch­ter über­wie­sen wer­den sol­len. Die Fami­li­en­kas­se erließ einen Abrech­nungs­be­scheid. Der Anspruch auf Nach­zah­lung von Kin­der­geld der Kinds­mut­ter sei erlo­schen. Die Nach­zah­lung sei auf das benann­te Kon­to erfolgt. Die Kinds­mut­ter erhob nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren Kla­ge.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg dar­auf hin­ge­wie­sen, dass zwar ein Anspruch auf Nach­zah­lung von Kin­der­geld grund­sätz­lich durch Zah­lung auf ein benann­tes Kon­to erlö­sche und die Zah­lung auch auf Anwei­sung des Gläu­bi­gers auf ein Kon­to eines Drit­ten erfol­gen kön­ne. Im Streit­fall feh­le jedoch die Ein­wil­li­gung der Kinds­mut­ter auf Zah­lung an die Toch­ter. Gebe die Kinds­mut­ter auf einem Antrag auf Kin­der­geld ab August 2015 das Kon­to der Toch­ter an, habe sie nicht erklärt, die­ses Kon­to gel­te auch für eine Kin­der­geld­nach­zah­lung.

Der Vor­druck der Fami­li­en­kas­se ent­hal­te kei­ne Hin­wei­se dar­auf, ob der Zah­lungs­weg für alle bestehen­den und künf­ti­gen For­de­run­gen gel­ten soll. Einer Kon­ten­an­ga­be kön­ne daher kein ent­spre­chen­der Wil­le ent­nom­men wer­den. Außer­dem habe die Kinds­mut­ter in einem wei­te­ren Schrei­ben an die Fami­li­en­kas­se ihr Kon­to genannt.Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg sei es Sache der Fami­li­en­kas­se, Zwei­fel hin­sicht­lich einer Bank­ver­bin­dung für die Kin­der­geld­nach­zah­lung zu klä­ren, und hin­rei­chend kla­re Erklä­rungs­vor­dru­cke zu ver­wen­den.

Daher sei der Anspruch der Kinds­mut­ter noch nicht erlo­schen.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 12. Juli 2017 – 2 K 158/​16