Wer­bungs­kos­ten eines Pfar­rers für eine Pil­ger­wall­fahrt

Beglei­tet ein Pfar­rer Ange­hö­ri­ge einer Pfar­rei auf ihrer Pil­ger­wall­fahrt nach Rom und über­nimmt er dabei deren seel­sor­ge­ri­sche Betreu­ung, sind die ent­spre­chen­den Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit abzieh­bar.

Wer­bungs­kos­ten eines Pfar­rers für eine Pil­ger­wall­fahrt

Nimmt ein Pfar­rer an einer sog. Ter­ti­ats­kurs­fahrt von Geist­li­chen nach Jor­da­ni­en teil, kann der Umstand, dass er zur Teil­nah­me dienst­lich ver­pflich­tet ist, die beruf­li­che Ver­an­las­sung maß­geb­lich indi­zie­ren.

Wer­bungs­kos­ten sind Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung von Ein­nah­men (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG). Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs gehö­ren hier­zu auch Bil­dungs­auf­wen­dun­gen, sofern sie beruf­lich ver­an­lasst sind 1. Eine beruf­li­che Ver­an­las­sung ist gege­ben, wenn die Auf­wen­dun­gen objek­tiv mit dem Beruf zusam­men­hän­gen und sub­jek­tiv zu des­sen För­de­rung getä­tigt wer­den 2.

Auch Auf­wen­dun­gen für Rei­sen, die der beruf­li­chen Fort­bil­dung die­nen, sind dem­nach dann als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn sie durch den Beruf bzw. den Betrieb ver­an­lasst sind. Ob dies zutrifft, ist durch die Wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls zu beur­tei­len. Der unein­ge­schränk­te Abzug der Rei­se­kos­ten setzt vor­aus, dass die Rei­se aus­schließ­lich oder nahe­zu aus­schließ­lich der beruf­li­chen Sphä­re zuzu­ord­nen ist. Das ist zum einen der Fall, wenn der Rei­se ein unmit­tel­ba­rer beruf­li­cher Anlass zugrun­de liegt und die Ver­fol­gung pri­va­ter Reise­in­ter­es­sen nicht den Schwer­punkt der Rei­se bil­det. Glei­ches gilt, wenn die beruf­li­che Ver­an­las­sung bei wei­tem über­wiegt und die Befrie­di­gung pri­va­ter Inter­es­sen, wie z.B. Erho­lung, Bil­dung und Erwei­te­rung des all­ge­mei­nen Gesichts­krei­ses, nach dem Anlass der Rei­se, dem vor­ge­se­he­nen Pro­gramm und der tat­säch­li­chen Durch­füh­rung nicht ins Gewicht fällt und nur von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist. Ist eine Bil­dungs­rei­se gemischt ver­an­lasst, ist nach den Grund­sät­zen, die der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs in sei­nem Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2009 3 auf­ge­stellt hat, (nur) der beruf­lich ver­an­lass­te Teil der Rei­se­kos­ten zum Abzug als Wer­bungs­kos­ten zuzu­las­sen 4.

Hin­sicht­lich der Rom­rei­se ist Fol­gen­des zu beach­ten:
Der Klä­ger hat im bis­he­ri­gen Ver­fah­ren wie­der­holt vor­ge­tra­gen, dass es zu sei­nen dienst­li­chen Auf­ga­ben gehö­re, Pil­ger­wall­fahr­ten von Pfarr­an­ge­hö­ri­gen seel­sor­ge­risch zu beglei­ten. Das Finanz­ge­richt hat dem aller­dings kei­ne maß­geb­li­che Bedeu­tung bei­gemes­sen und zur Fra­ge, ob und in wel­chem Umfang der Klä­ger die Pil­ger seel­sor­ge­risch beglei­tet und betreut hat, kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen. Der Bun­des­fi­nanz­hof sieht sich daher nicht in der Lage, den erwähn­ten Vor­trag des Klä­gers als i.S. von § 118 Abs. 2 FGO fest­ge­stellt zu wer­ten. Soll­te sich im zwei­ten Rechts­gang der Vor­trag des Klä­gers bestä­ti­gen, wird das Finanz­ge­richt von einer aus­schließ­lich beruf­lich ver­an­lass­ten Rei­se aus­ge­hen kön­nen. Denn wie dar­ge­stellt füh­ren Auf­wen­dun­gen für eine Rei­se u.a. dann in vol­ler Höhe zu Wer­bungs­kos­ten, wenn der Rei­se ein unmit­tel­ba­rer beruf­li­cher Anlass zugrun­de liegt. Der Senat hat einen unmit­tel­ba­ren beruf­li­chen Anlass der Teil­nah­me an einer Grup­pen­rei­se bei­spiels­wei­se ange­nom­men, wenn die Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung die­ser Rei­se Dienst­auf­ga­be des damit betrau­ten Arbeit­neh­mers ist 5. Ent­spre­chen­des gilt für einen Leh­rer, der mit sei­ner Schul­klas­se eine von der zustän­di­gen Stel­le geneh­mig­te Klas­sen­fahrt unter­nimmt. Dabei steht es dem Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nicht ent­ge­gen, dass die Klas­sen­fahrt –wie auch die übri­ge Schul­aus­bil­dung– der Erwei­te­rung des All­ge­mein­wis­sens dient 6. Gehört zum Auf­ga­ben­be­reich eines Pfar­rers auch die geist­li­che Betreu­ung von pfarr­an­ge­hö­ri­gen Pil­gern auf ihrer Rei­se und beglei­tet er die­se nach Ein­ho­lung einer ent­spre­chen­den dienst­recht­li­chen Geneh­mi­gung, ist die Situa­ti­on mit der eines Leh­rers ver­gleich­bar. Die seel­sor­ge­ri­sche Tätig­keit des Geist­li­chen auf einer Pil­ger­wall­fahrt ist nicht anders zu bewer­ten als sei­ne sons­ti­ge geist­li­che Tätig­keit vor Ort in der Pfar­rei.

Bezüg­lich der Jor­da­ni­en­rei­se ist Fol­gen­des zu berück­sich­ti­gen:
Für eine Aus­lands­grup­pen­rei­se gel­ten auch nach der Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs 7 die in sei­nem Beschluss vom 27. Novem­ber 1978 (8BFH, Beschluss vom 27.11.1978 – GrS 8/​77, BFHE 126, 533, BSt­Bl II 1979, 213)) ent­wi­ckel­ten Abgren­zungs­merk­ma­le grund­sätz­lich fort. Für eine beruf­li­che Ver­an­las­sung ist daher neben einer fach­li­chen Orga­ni­sa­ti­on vor allem maß­ge­bend, dass das Pro­gramm auf die beson­de­ren beruf­li­chen Bedürf­nis­se der Teil­neh­mer zuge­schnit­ten und der Teil­neh­mer­kreis im Wesent­li­chen gleich­ar­tig (homo­gen) ist. Von maß­geb­li­cher Bedeu­tung ist auch, ob die Teil­nah­me frei­wil­lig oder ver­pflich­tend ist. Kommt der Steu­er­pflich­ti­ge mit sei­ner Teil­nah­me einer Dienst­pflicht nach, indi­ziert dies in beson­de­rer Wei­se den beruf­li­chen Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang. Dabei ist es ohne Bedeu­tung, ob der Steu­er­pflich­ti­ge die recht­li­che oder prak­ti­sche Mög­lich­keit gehabt hät­te, sich der Teil­nah­me an der kon­kre­ten Rei­se zu ent­zie­hen 8. Im Streit­fall hat der Klä­ger die Jor­da­ni­en­rei­se zwar als eine Pflicht­ver­an­stal­tung bezeich­net, das Finanz­ge­richt hat jedoch auch inso­weit von einer Fest­stel­lung abge­se­hen. Einer (aus­schließ­lich) beruf­li­chen Ver­an­las­sung steht im Übri­gen nicht schon ent­ge­gen, dass die im beruf­li­chen Inter­es­se gewon­ne­nen Erkennt­nis­se auch im pri­va­ten Bereich ange­wen­det wer­den kön­nen 9. Die beruf­li­che Ver­an­las­sung kann auch nicht mit der Begrün­dung abge­spro­chen wer­den, der Beruf erfor­de­re Auf­wen­dun­gen, die für ande­re Steu­er­pflich­ti­ge Pri­vat­auf­wen­dun­gen sind 10.

Kommt das Finanz­ge­richt zu dem Ergeb­nis, dass nicht nur beruf­li­che, son­dern auch nen­nens­wer­te pri­va­te Grün­de den Klä­ger bewo­gen haben, an der jewei­li­gen Rei­se teil­zu­neh­men und die Rei­se­kos­ten zu tra­gen, ist zu prü­fen, ob die beruf­li­chen und pri­va­ten Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en abgrenz­bar sind 11.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2010 – VI R 42/​09

  1. BFH, Urteil vom 17.12.2002 – VI R 137/​01, BFHE 201, 211, BSt­Bl II 2003, 407[]
  2. BFH, Urteil vom 01.02.2007 – VI R 25/​03, BFHE 216, 522, BSt­Bl II 2007, 459, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 21.09.2009 – GrS 1/​06, BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672[]
  4. sie­he auch BFH, Urteil vom 21.04.2010 – VI R 5/​07, BFHE 229, 219, BSt­Bl II 2010, 687[]
  5. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 29.11.2006 – VI R 36/​02, BFH/​NV 2007, 681, m.w.N.; vom 27.08.2002 – VI R 22/​01, BFHE 200, 250, BSt­Bl II 2003, 369[]
  6. BFH, vom 07.02.1992 – VI R 93/​90, BFHE 167, 115, BSt­Bl II 1992, 531[]
  7. BFH, Beschluss in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672[]
  8. BFH, Urteil in BFHE 167, 115, BSt­Bl II 1992, 531[]
  9. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 17.07.1992 – VI R 12/​91, BFHE 168, 567, BSt­Bl II 1992, 1036; und vom 28.08.2008 – VI R 35/​05, BFHE 223, 1, BSt­Bl II 2009, 108[]
  10. BFH, Beschluss des Gro­ßen Senats in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672; BFH, Urteil in BFHE 229, 219, BSt­Bl II 2010, 687[]
  11. BFHE 229, 219, BSt­Bl II 2010, 687[]