Wer­bungs­kos­ten für das Theo­lo­gie­stu­di­um eines Arz­tes

Auf­wen­dun­gen für eine Bil­dungs­maß­nah­me sind als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn ein kon­kre­ter Zusam­men­hang mit der Berufs­tä­tig­keit besteht. Bei einem Arzt, der ein Theo­lo­gie­stu­di­um auf­ge­nom­men hat, um sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit beim Umgang mit Pati­en­ten in lebens­be­dro­hen­den Situa­tio­nen zu ver­bes­sern und nicht um einen theo­lo­gi­schen Abschluss anzu­stre­ben, fehlt es an einem hin­rei­chend kon­kre­ten Zusam­men­hang der Auf­wen­dun­gen zu der ärzt­li­chen Tätig­keit des Klä­gers.

Wer­bungs­kos­ten für das Theo­lo­gie­stu­di­um eines Arz­tes

So die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Arz­tes, der für sei­ne Ein­kom­men­steu­er 2007 Auf­wen­dun­gen für ein Theo­lo­gie­stu­di­um als Fort­bil­dungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Tätig­keit als Arzt berück­sich­tigt haben möch­te. Der Arzt ist als Fach­arzt für Nukle­ar­me­di­zin in einer Gemein­schafts­pra­xis tätig. In sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für 2007 mach­te er bei sei­nen Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit in einem med. Ver­sor­gungs­zen­trum Auf­wen­dun­gen für ein Theo­lo­gie­stu­di­um in Höhe von rd. 1.600.-€ als Wer­bungs­kos­ten gel­tend. Er erläu­ter­te hier­zu, im Rah­men der Pati­en­ten­be­treu­ung sol­le Seel­sor­ge ange­bo­ten wer­den, des­we­gen habe er das Stu­di­um begon­nen. Ein Stu­di­um mit seel­sor­ge­ri­scher Aus­bil­dung sei bei der Behand­lung von zum Teil Schwerst­kran­ken, die mit teil­wei­se dra­ma­tisch lebens­ver­än­dern­den Maß­nah­men ver­bun­den sei, von Vor­teil. Bei vie­len Pati­en­ten bestehe eine erhöh­te Sui­zid­ge­fahr. Grund­la­gen für eine adäqua­te seelsorgerisch/​psychologische Betreu­ung ver­mitt­le das Medi­zin­stu­di­um nicht. Im Ver­gleich mit ärzt­li­chen Wett­be­wer­bern könn­ten Pati­en­ten ange­mes­se­ner betreut wer­den, was einen Wett­be­werbs­vor­teil dar­stel­le. Nach­dem das Finanz­amt den begehr­ten Abzug als WWer­bungs­kos­ten u.a. mit dem Hin­weis dar­auf, dass die Auf­wen­dun­gen auch eine pri­va­te Mit­ver­an­las­sung hät­ten, abge­lehnt hat­te, wand­te sich der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge an das Gericht.

Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz sei­en Auf­wen­dun­gen für eine sol­che Bil­dungs­maß­nah­me als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn ein kon­kre­ter Zusam­men­hang mit der Berufs­tä­tig­keit bestehe. Ob die Bil­dungs­auf­wen­dun­gen aus beruf­li­chem Anlass getä­tigt wür­den oder ob es sich um pri­vat ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen han­de­le, sei anhand einer Gesamt­wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls zu ent­schei­den. Im Streit­fall habe der Klä­ger das Theo­lo­gie­stu­di­um nicht begon­nen, um einen theo­lo­gi­schen Abschluss anzu­stre­ben, son­dern um sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit beim Umgang mit Pati­en­ten in lebens­be­dro­hen­den Situa­tio­nen zu ver­bes­sern. Nach der Beschrei­bung des Grund­auf­baus des Stu­di­ums sei – bei den sehr umfang­rei­chen Fach­ge­bie­ten – für das Finazge­richt jedoch nicht ersicht­lich, dass der Aspekt der seelsorgerisch/​psychologischen Betreu­ung über­haupt eine aus­schlag­ge­ben­de Rol­le spie­le. Die Kom­pe­ten­zen, die der Klä­ger mit dem Theo­lo­gie­stu­di­um erlan­gen möch­te, wür­den in die­sem Stu­di­um nur am Ran­de berührt. Die Aspek­te, bei denen der Klä­ger einen Fort­bil­dungs­be­darf für sei­ne Berufs­aus­übung sehe, sei­en bei einem Theo­lo­gie­stu­di­um nur von ganz unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung und die Inter­es­sen der übri­gen Stu­die­ren­den sei­en voll­kom­men ande­re, als die des Klä­gers. An einem objek­tiv fest­stell­ba­ren, hin­rei­chend kon­kre­ten Zusam­men­hang der Auf­wen­dun­gen zu der ärzt­li­chen Tätig­keit des Klä­gers feh­le es dem­nach im Streit­jahr.

In spä­te­ren Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men sei aller­dings eine Berück­sich­ti­gung von Wer­bungs­kos­ten denk­bar, wenn die Inhal­te der besuch­ten Ver­an­stal­tun­gen, bzw. Vor­le­sun­gen einen kon­kre­ten Bezug zu der ärzt­li­chen Tätig­keit des Klä­gers auf­wie­sen und sich somit auf die seel­sor­ge­ri­schen und kom­mu­ni­ka­ti­ven Aspek­te bezie­hen wür­den, die der Klä­ger in sei­ner Tätig­keit als Nukle­ar­me­di­zi­ner im Umgang mit Pati­en­ten nut­zen wol­le.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 20. Juni 2012 – 3 K 1240/​10