Wert­schecks und der Jah­res­wech­sel

Die auf den Wert­schecks ange­ge­be­nen Beträ­ge flie­ßen dem Begüns­tig­ten bereits im Zeit­punkt der Gut­schein­aus­ga­be und nicht erst im Jahr der Ein­lö­sung der Wert­schecks zu.

Wert­schecks und der Jah­res­wech­sel

Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung im Sin­ne von § 21 EStG – wie in dem vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall die Pacht­ein­künf­te aus dem Hotel – wer­den gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 2 EStG als Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten ermit­telt. Dabei sind Ein­nah­men gemäß § 8 Abs. 1 EStG alle Güter, die in Geld oder Gel­des­wert bestehen und dem Steu­er­pflich­ti­gen im Rah­men der vor­ste­hen­den Ein­kunfts­art zuflie­ßen. Ein­nah­men sind dabei gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 EStG inner­halb des Kalen­der­jah­res bezo­gen, in dem sie dem Steu­er­pflich­ti­gen selbst oder – ggfs. unter Abkür­zung des Zah­lungs­we­ges – einer von ihm, dem Steu­er­pflich­ti­gen und Anspruchs­be­rech­tig­ten, benann­ten drit­ten Per­son (hier den ein­zel­nen Anteils­eig­nern bzw. – Zeich­nern) zuge­flos­sen sind.

Zuge­flos­sen ist eine Ein­nah­me dabei dann, wenn der Emp­fän­ger die wirt­schaft­li­che Ver­fü­gungs­macht über die in Geld oder Gel­des­wer­ten bestehen­den Güter erlangt hat 1. Der Über­gang der wirt­schaft­li­chen Ver­fü­gungs­macht rich­tet sich hier­bei nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les 2.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen ist der Gel­des­wert der Wert­schecks bereits bei deren Aus­ga­be zuge­flos­sen und nicht erst bei deren Ein­lö­sung durch ihre Anteils­eig­ner.

Mit Über­las­sung der Wert­schecks erhiel­ten die Klä­ge­rin bzw. ihre Anteils­eig­ner Wert­pa­pie­re, in denen der Anspruch gegen­über der Päch­te­rin bereits ver­brieft war 3.

Die über­trag­ba­ren Wert­schecks hat­ten – ähn­lich einem "ech­ten" Scheck – die Funk­ti­on eines Zah­lungs­mit­tels im bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehr. Der Inha­ber die­ser Gut­schei­ne oder Wert­schecks war nach deren Erhalt – wenn auch hin­sicht­lich der erwerb­ba­ren Leis­tun­gen ein­ge­schränkt – wirt­schaft­lich in der Lage, über den auf dem Papier ver­merk­ten Wert­scheck- Betrag frei zu ver­fü­gen 4.

Der Zufluss von Ein­nah­men aus den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung in Form von Hotel- Gut­schei­nen hängt nicht davon ab, ob, wann und in wel­cher Höhe ein – vom Päch­ter legi­ti­mier­ter – Drit­ter – hier die Zeich­ner bzw. Anteils­eig­ner des Fonds – die­se Wert­schecks tat­säch­lich ein­lö­sen, denn der Päch­ter hat sei­ne Pacht ver­trags­ge­mäß erbracht, indem er die Gut­schei­ne im jewei­li­gen Streit­jahr an den Ver­päch­ter, d.h. die Klä­ge­rin oder deren Anteils­eig­ner aus­hän­digt. Ob und wann sowie ggfs. in wel­cher Höhe die Zeich­ner oder – da die Wert­schecks frei über­trag­bar sind – wie­der­um ande­re Per­so­nen von die­sen Gut­schei­nen Gebrauch machen, ist eine Fra­ge der Ein­kom­mens­ver­wen­dung.

Aus den Lohn­steu­er­richt­li­ni­en 5 ergibt sich für den hier zu ent­schei­den­den Fall kei­ne ande­re Ein­schät­zung. Die Richt­li­ni­en gehen ledig­lich dann von einem Zufluss erst bei Ein­lö­sung eines Gurt­schei­nes aus, wenn der Arbeit­ge­ber als für die Lohn­ver­steue­rung zustän­di­ge Stel­le zugleich für die Ein­lö­sung des Gut­schei­nes zustän­dig ist (Zwei­per­so­nen­ver­hält­nis). Dem­ge­gen­über gilt bereits die Hin­ga­be eines in einem Gut­schein ver­brief­ten Anspru­ches als Zufluss von Arbeits­lohn, wenn die ein­lö­sen­de Stel­le und die für die Besteue­rung des Arbeits­loh­nes zustän­di­ge Stel­le per­so­nen­ver­schie­den sind (Drei­per­so­nen­ver­hält­nis). Genau­so ver­hält es sich hier, denn die für die Erklä­rung der Ein­künf­te zustän­di­ge Klä­ge­rin und die zur Ein­lö­sung der Gut­schei­ne ver­pflich­te­te AG sind zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 14. Sep­tem­ber 2010 – 13 K 4754/​08 F

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des BFH, zuletzt BFH, Urtei­le vom 04.05.2006 – VI R 19/​03, BSt­Bl. II 2006, 832; vom 14.06.2005 – VIII R 47/​03, BFH/​NV 2005, 2181; und vom 18.12.2001 – IX R 74/​98, BFH/​NV 2002, 643, jeweils m. w. N.[]
  2. BFH, Urtei­le vom 09.03.1990 – VI R 48/​87, BSt­Bl. II 1990, 711; vom 14.05.1982 VI R 124/​77, BSt­Bl. II 1982, 469; sowie vom 12.04.2007 – VI R 89/​04, BSt­Bl. II 2007, 719[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 12.04.2007 – VI R 89/​04, a. a. O.[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 20.03.2001 – IX R 97/​97, BSt­Bl. II 2001, 482[]
  5. LStR R 38.2 Abs. 3; zuvor: R 104 a LStR[]