Woh­nen am Beschäf­ti­gungs­ort bei dop­pel­ter Haus­halts­füh­rung

Gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG sind not­wen­di­ge Mehr­auf­wen­dun­gen, die einem Arbeit­neh­mer wegen einer aus beruf­li­chem Anlass begrün­de­ten dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung ent­ste­hen, Wer­bungs­kos­ten. Eine dop­pel­te Haus­halts­füh­rung liegt nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG vor, wenn der Arbeit­neh­mer außer­halb des Ortes, in dem er einen eige­nen Haus­stand unter­hält, beschäf­tigt ist und auch am Beschäf­ti­gungs­ort wohnt.

Woh­nen am Beschäf­ti­gungs­ort bei dop­pel­ter Haus­halts­füh­rung

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in der Ent­schei­dung vom 19.04.2012 1 die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass eine Woh­nung dem Woh­nen am Beschäf­ti­gungs­ort dient, wenn sie dem Arbeit­neh­mer unge­ach­tet von Gemein­de- oder Lan­des­gren­zen ermög­licht, sei­ne Arbeits­stät­te täg­lich auf­zu­su­chen.

Die Ent­schei­dung dar­über, so der Bun­des­fi­nanz­hof wei­ter, ob die frag­li­che Woh­nung in der Wei­se am Beschäf­ti­gungs­ort, näm­lich so zur Arbeits­stät­te gele­gen ist, dass der Arbeit­neh­mer in zumut­ba­rer Wei­se täg­lich von dort sei­ne Arbeits­stät­te auf­su­chen kann, obliegt in ers­ter Linie der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung durch das Finanz­ge­richt. Denn die Ant­wort dar­auf kann nur auf­grund der Berück­sich­ti­gung und Wür­di­gung aller wesent­li­chen Umstän­de des Ein­zel­fal­les gege­ben wer­den und ist ins­be­son­de­re von den indi­vi­du­el­len Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen zwi­schen der Woh­nung und der Arbeits­stät­te abhän­gig; dabei ist natur­ge­mäß die Ent­fer­nung zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te ein wesent­li­ches, aller­dings nicht allein ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Merk­mal.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner Auf­fas­sung fest. Er weist dar­auf hin, dass auch die Finanz­ver­wal­tung die­se Recht­spre­chung nicht in Fra­ge stellt 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Juni 2014 – VI R 59/​13

  1. BFH, Urteil vom 19.04.2012 – VI R 59/​11, BFHE 237, 449, BSt­Bl II 2012, 833[]
  2. s. BMF, Schrei­ben vom 30.09.2013, BSt­Bl I 2013, 1279, Tz. 95[]