Zeit­sol­dat und Kin­der­geld

Kann eine Bewer­bung um eine Stel­le als Zeit­sol­dat bei der Bun­des­wehr als eine Bewer­bung um einen Aus­bil­dungs­platz im Sin­ne des Kin­der­geld­rechts ange­se­hen wer­den? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz zu befas­sen – und urteil­te zuguns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen.

Zeit­sol­dat und Kin­der­geld

In dem beim Finanz­ge­richt anhän­gi­gen Rechts­streit hat­te der 1986 gebo­re­ne Sohn des Klä­gers bis März 2007 sei­nen Grund­wehr­dienst absol­viert. Im August 2007 bewarb er sich um eine Stel­le als Zeit­sol­dat mit einer flie­ge­ri­schen Ver­wen­dung. Nach einer flug­me­di­zi­ni­schen Unter­su­chung im April 2008 kam jedoch ein Ein­satz im flie­ge­ri­schen Dienst nicht in Betracht. Dar­auf hin ver­pflich­te­te sich der Sohn im April 2008 für 12 Jah­re bei der Bun­des­wehr (Aus­bil­dung zum Feld­we­bel des Trup­pen­diens­tes).

Die Agen­tur für Arbeit for­der­te das für die Zeit von Okto­ber 2007 bis April 2008 in Höhe von 1078.- € gezahl­te Kin­der­geld jedoch zurück und begrün­de­te das damit, wegen der Ableis­tung des Grund­wehr­diens­tes sei der Sohn des Klä­gers zwar über das 21. Lebens­jahr hin­aus berück­sich­ti­gungs­fä­hig, aber als Kind ohne Aus­bil­dungs­platz kön­ne er nicht berück­sich­tigt wer­den, da er sich nicht um eine Aus­bil­dungs­stel­le bewor­ben habe. Die Bewer­bung um eine Stel­le als Zeit­sol­dat stel­le kei­ne Bewer­bung um einen Aus­bil­dungs­platz in die­sem Sin­ne dar.

Die dage­gen ange­streng­te Kla­ge war erfolg­reich. Nach Ansicht des Finanz­ge­richts beseht für ein über 18 Jah­re altes Kind das – wie der Sohn des Klä­gers im Streit­fall – das 25. Lebens­jahr noch nicht voll­endet habe, Anspruch auf Kin­der­geld, wenn es eine Berufs­aus­bil­dung man­gels Aus­bil­dungs­plat­zes nicht begin­nen oder fort­set­zen kön­ne. Ent­ge­gen der Ansicht der Agen­tur für Arbeit sei die ent­spre­chen­de Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ‑BFH- nicht so zu ver­ste­hen, dass eine Berufs­aus­bil­dung bei der Bun­des­wehr nur dann vor­lie­ge, wenn der Sol­dat nicht nur mili­tä­risch, son­dern auch für einen zivi­len Beruf aus­ge­bil­det wer­de; denn der BFH habe bereits frü­her ent­schie­den, dass auch eine mili­tä­ri­sche Aus­bil­dung, bzw. eine Offi­ziers­aus­bil­dung zur Kin­der­geld­be­rech­ti­gung füh­ren kön­ne.

Im Übri­gen wäre der Kin­der­geld – Berück­sich­ti­gungs­tat­be­stand (Kind ohne Aus­bil­dungs­platz) zumin­dest bis April 2008 auch des­halb erfüllt, weil sich der Sohn im August 2007 bei der Bun­des­wehr um einen Aus­bil­dungs­platz als Hub­schrau­ber­pi­lot (ers­ter Ver­wen­dungs­wunsch) bewor­ben und erst im April 2008 erfah­ren habe, dass er nicht die Eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen erfül­le.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 18. Mai 2009 – 5 K 2144/​08