Zivil­pro­zess­kos­ten eines Betrugs­op­fers – als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Zivil­pro­zess­kos­ten sind nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zu qua­li­fi­zie­ren. Das gilt auch für die Pro­zess­kos­ten eines Betrugs­op­fers.

Zivil­pro­zess­kos­ten eines Betrugs­op­fers – als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat mit Urteil vom 18.06.2015 1 ent­schie­den, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Zivil­pro­zess­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen i.S. von § 33 EStG zu berück­sich­ti­gen sind.

Mit Urteil vom 19.05.1995 2 hat der Bun­des­fi­nanz­hof zudem ent­schie­den, dass ver­geb­li­che Zah­lun­gen für den Erwerb eines Grund­stücks und für die Erstel­lung eines selbst zu nut­zen­den Ein­fa­mi­li­en­hau­ses (Mak­ler­kos­ten, Werk­lohn­vor­aus­zah­lun­gen), zu denen der Steu­er­pflich­ti­ge durch einen Betrug sei­ner Ver­trags­part­ner ver­an­lasst wor­den ist und für die er nach dem Schei­tern der Ver­trä­ge kei­ne rea­li­sier­ba­ren Ersatz­an­sprü­che erwor­ben hat, nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zu berück­sich­ti­gen sind.

Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof damit begrün­det, wesent­li­che Ursa­che, die zu dem ent­stan­de­nen Scha­den geführt habe, sei der frei­wil­li­ge Abschluss der von den Steu­er­pflich­ti­gen ein­ge­gan­ge­nen Ver­trä­ge. Die­se sei­en weder gezwun­gen gewe­sen, über­haupt ein Rei­hen­haus zu erwer­ben, noch habe die Not­wen­dig­keit bestan­den, die­se kon­kre­ten ‑wegen der Unaus­ge­wo­gen­heit des Risi­kos- für sie nach­tei­li­gen Ver­trä­ge abzu­schlie­ßen.

Damit ist geklärt, dass auch im Fal­le von Steu­er­pflich­ti­gen, die sich als Opfer eines betrü­ge­ri­schen Ver­hal­tens ihrer Ver­trags­part­ner auf eine bestimm­te (ver­trag­li­che) Gestal­tung ein­las­sen, der Ver­trags­ab­schluss (die gewähl­te Gestal­tung) das maß­ge­ben­de Ereig­nis dar­stellt. Die Kos­ten eines zur Scha­dens­be­sei­ti­gung oder -min­de­rung geführ­ten Zivil­pro­zes­ses sind auch bei Betrugs­op­fern mit­hin nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen nur aus­nahms­wei­se als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen i.S. des § 33 EStG berück­sich­ti­gungs­fä­hig, wenn der Rechts­streit einen für den Steu­er­pflich­ti­gen exis­ten­zi­ell wich­ti­gen Bereich oder den Kern­be­reich mensch­li­chen Lebens berührt 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. April 2016 – VI B 120/​15

  1. BFH, Urteil vom 18.06.2015 – VI R 17/​14, BFHE 250, 153, BSt­Bl II 2015, 800[]
  2. BFH, Urteil vom 19.05.1995 – III R 12/​92, BFHE 178, 207, BSt­Bl II 1995, 774[]
  3. vgl. hier­zu BFH, Urteil in BFHE 250, 153, BSt­Bl II 2015, 800, Rz 17 ff.[]