Zu Unrecht erlang­tes Kin­der­geld – und die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung

Die Fest­set­zungs­frist für die Rück­for­de­rung von zu Unrecht erlang­tem Kin­der­geld ver­län­gert sich gemäß § 169 Abs. 2 Satz 2 AO auf fünf Jah­re, wenn den Eltern zumin­dest eine leicht­fer­ti­ge Steu­er­ver­kür­zung (§ 378 Abs. 1 AO) vor­zu­wer­fen ist.

Zu Unrecht erlang­tes Kin­der­geld – und die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung

Gemäß § 378 Abs. 1 AO han­delt ord­nungs­wid­rig, wer als Steu­er­pflich­ti­ger oder bei Wahr­neh­mung der Ange­le­gen­hei­ten eines Steu­er­pflich­ti­gen eine der in § 370 Abs. 1 AO bezeich­ne­ten Taten leicht­fer­tig begeht. Dies ist etwa dann der Fall, wenn die Eltern hat die Finanz­be­hör­den pflicht­wid­rig i.S. des § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO i.V.m. § 378 Abs. 1 AO über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen in Unkennt­nis las­sen.

Dies ist auch der Fall, wenn die Eltern es ent­ge­gen § 68 Abs. 1 Satz 1 EStG unter­las­sen haben, der Fami­li­en­kas­se den Umzug ihrer Kin­der in die Tür­kei und ihre dor­ti­ge Ein­schu­lung mit­zu­tei­len. Mit dem nach § 31 Satz 3 EStG als Steu­er­ver­gü­tung gewähr­ten Kin­der­geld erlang­ten die Eltern für sich einen nicht gerecht­fer­tig­ten Steu­er­vor­teil (§ 370 Abs. 4 Satz 2 i.V.m. § 378 Abs. 1 AO). Die unter­blie­be­ne Mit­tei­lung war in die­sem Fall auch ursäch­lich für die wei­te­re Aus­zah­lung des Kin­der­gel­des.

Solan­ge die Ver­fol­gung der von den Eltern began­ge­nen Steu­er­ver­kür­zung noch nicht ver­jährt ist, wird der Ablauf der Fest­set­zungs­frist nach § 171 Abs. 7 AO gehemmt 1.

Nach § 171 Abs. 7 i.V.m. § 169 Abs. 2 Satz 2 AO endet die Fest­set­zungs­frist in Fäl­len der Steu­er­hin­ter­zie­hung oder der leicht­fer­ti­gen Steu­er­ver­kür­zung nicht, bevor die Ver­fol­gung der Steu­er­straf­tat oder der Steuer­ord­nungs­wid­rig­keit ver­jährt ist.

Gemäß § 384 AO ver­jährt die Ver­fol­gung von Steuer­ord­nungs­wid­rig­kei­ten nach den §§ 378 bis 380 AO in fünf Jah­ren. Dabei beginnt die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung erst mit der letzt­mals zu Unrecht erlang­ten Kin­der­geld­zah­lung 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – V R 13/​15

  1. BFH, Urtei­le vom 18.12 2014 – III R 13/​14, BFH/​NV 2015, 948; vom 26.06.2014 – III R 21/​13, BFHE 247, 102, BSt­Bl 2015, 886[]
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 247, 102, BSt­Bl II 2015, 886, Leit­satz, und Rz 13 ff.; in BFH/​NV 2015, 948, Leit­satz, und Rz 22, 23[]