Zuord­nung von Ein­kom­men­steu­er­erstat­tungs­an­sprü­chen zum insol­venz­frei­en Ver­mö­gen

Ein Ein­kom­men­steu­er­erstat­tungs­an­spruch kann von der erklär­ten Frei­ga­be der selb­stän­di­gen gewerb­li­chen Tätig­keit des Insol­venz­schuld­ners erfasst sein.

Zuord­nung von Ein­kom­men­steu­er­erstat­tungs­an­sprü­chen zum insol­venz­frei­en Ver­mö­gen

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs fal­len Steu­er­erstat­tungs­an­sprü­che des Insol­venz­schuld­ners, wel­che die­ser im Zusam­men­hang mit einer aus dem Insol­venz­be­schlag frei­ge­ge­be­nen selb­stän­di­gen Tätig­keit erwor­ben hat, nicht in die Insol­venz­mas­se, so dass einer vom Finanz­amt erklär­ten Auf­rech­nung gegen sol­che Ansprü­che mit vor­insol­venz­li­chen Steu­er­for­de­run­gen kei­ne insol­venz­recht­li­chen Ver­bo­te ent­ge­gen­ste­hen [1].

Die­se Recht­spre­chung zu einem durch die frei­ge­ge­be­ne Tätig­keit erwor­be­nen Umsatz­steu­er­ver­gü­tungs­an­spruch ist sinn­ge­mäß auch auf einen Ein­kom­men­steu­er­erstat­tungs­an­spruch anzu­wen­den, der auf Vor­aus­zah­lun­gen beruht, bei deren Berech­nung nur die Ein­künf­te aus der frei­ge­ge­be­nen Tätig­keit zu Grun­de gelegt wor­den sind.

Ent­schei­dend für das Auf­rech­nungs­ver­bot nach § 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO ist allein, ob das Finanz­amt den Erstat­tungs­an­spruch nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens zur Insol­venz­mas­se schul­dig gewor­den ist. Aus § 35 Abs. 2 InsO ergibt sich, dass das Ver­mö­gen aus der frei­ge­ge­be­nen Tätig­keit, d.h. der gesam­te Neu­erwerb aus der Tätig­keit, nicht zur Insol­venz­mas­se gehört [2].

Wenn Ein­kom­men­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen aus­schließ­lich im Hin­blick auf eine selb­stän­di­ge Tätig­keit fest­ge­setzt und geleis­tet wor­den sind ‑wie im Streit­fall vom Finanz­ge­richt revi­si­ons­recht­lich bin­dend festgestellt‑, kann es nicht zwei­fel­haft sein, dass sich die­se Steu­er­for­de­run­gen aus dem erwar­te­ten „Ver­mö­gen aus die­ser Tätig­keit“ erge­ben. Das ergibt sich schon aus dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 07.04.2005 [3], wonach Steu­er­schul­den, die aus einer insol­venz­frei­en Tätig­keit des Schuld­ners her­rüh­ren, kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten sind. Ent­spre­chend umge­kehrt kann ein Erstat­tungs­an­spruch des Schuld­ners kei­ne Mas­se­for­de­rung sein. Denn der Erstat­tungs­an­spruch ist die Umkehr des Anspruchs aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis [4]. Die geleis­te­ten Beträ­ge sind in das insol­venz­freie Ver­mö­gen zu erstat­ten.

Aus dem Beschluzss des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 29.01.2010 [5] ist nichts Gegen­tei­li­ges abzu­lei­ten. Zwar bestä­tigt der Bun­des­fi­nanz­hof in die­ser Ent­schei­dung, dass Steu­er­erstat­tungs­an­sprü­che, für die nach insol­venz­recht­li­chen Grund­sät­zen der Rechts­grund nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens gelegt wor­den ist, als zur Insol­venz­mas­se gehö­rig ange­se­hen wer­den. Aus­drück­lich nimmt er aber die „offen­sicht­lich nicht zu berück­sich­ti­gen­den Fäl­le der Frei­ga­be eines sol­chen Anspruchs durch den Insol­venz­ver­wal­ter“ aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 6. März 2014 – VII S 47/​13 (PKH)

  1. BFH, Beschluss vom 01.09.2010 – VII R 35/​08, BFHE 230, 490, BStBl II 2011, 336; vom 23.08.2011 – VII B 8/​11, BFH/​NV 2011, 2115[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 08.09.2011 – II R 54/​10, BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149, Rz 18[]
  3. BFH, Urteil vom 07.04.2005 – V R 5/​04, BFHE 210, 156, BStBl II 2005, 848[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 29.10.2002 – VII R 2/​02, BFHE 200, 88, BStBl II 2003, 43, unter II. 2.b[]
  5. BFH, Beschluss vom 29.01.2010 – VII B 192/​09, BFH/​NV 2010, 1856[]