Zurech­nung von Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen – im Ver­hält­nis von Eltern zu ihren min­der­jäh­ri­gen Kin­dern

Der BFH hat bereits mehr­fach dazu Stel­lung genom­men, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Ein­nah­men aus Kapi­tal­an­la­gen, die Eltern an ihre min­der­jäh­ri­gen Kin­dern unent­gelt­lich über­tra­gen und in deren Namen bei der Bank ange­legt haben, abwei­chend von der for­ma­len zivil­recht­li­chen Gestal­tung wei­ter­hin den Eltern als wirt­schaft­li­chem Inha­ber der Kapi­tal­for­de­run­gen zuzu­rech­nen sind 1.

Zurech­nung von Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen – im Ver­hält­nis von Eltern zu ihren min­der­jäh­ri­gen Kin­dern

So bezieht das min­der­jäh­ri­ge Kind steu­er­recht­lich eige­ne Ein­künf­te, wenn die Gut­ha­ben­for­de­rung end­gül­tig in das Ver­mö­gen des Kin­des über­ge­gan­gen ist. Vor­aus­set­zung für eine Zurech­nung der Kapi­tal­erträ­ge beim Kind ist, dass alle Fol­ge­run­gen gezo­gen wer­den, die sich aus einer end­gül­ti­gen Ver­mö­gens­über­tra­gung erge­ben. Dem­entspre­chend müs­sen die Eltern das Gut­ha­ben wie frem­des Ver­mö­gen ver­wal­ten; sie dür­fen es nicht wie eige­nes Ver­mö­gen behan­deln 2. Ein wich­ti­ges Indiz für die Behand­lung wie frem­des Ver­mö­gen ist die kon­se­quen­te Tren­nung der Ver­mö­gens­be­rei­che der Kin­der und der eige­nen Ver­mö­gens­be­rei­che 3. Gegen eine Behand­lung wie frem­des Ver­mö­gen spre­chen daher die Abhe­bung von Kapi­tal für die vor­über­ge­hen­de (oder end­gül­ti­ge) Ver­wen­dung zu eige­nen Zwe­cken der Eltern, auch wenn das Geld zu einem spä­te­ren Zeit­punkt wie­der den Kin­dern zu Gute kommt 4 oder die Ver­schie­bung des Ver­mö­gens zwi­schen den Kin­dern 5. Die­se Recht­spre­chung hat auch das Finanz­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de gelegt.

Dar­über hin­aus ist auch geklärt, dass bei einer unent­gelt­li­chen Über­tra­gung von Kapi­tal­ver­mö­gen die Zurech­nung der lau­fen­den Erträ­ge einer Kapi­tal­an­la­ge i.S. des § 20 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes anhand des Inne­ha­bens wirt­schaft­li­chen Eigen­tums nach § 39 Abs. 2 Nr. 1 AO erfolgt. Dem zivil­recht­li­chen Gläu­bi­ger der Kapi­tal­erträ­ge sind die­se nur dann zuzu­rech­nen, wenn ihm neben dem zivil­recht­li­chen Eigen­tum auch die Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis über die Ein­kunfts­quel­le ein­ge­räumt wor­den ist 6.

Allein der Hin­weis der Eltern, dass das ange­leg­te Kapi­tal im Streit­fall teil­wei­se nicht von ihnen, son­dern von Drit­ten stam­me, so dass die zugrun­de geleg­te Recht­spre­chung zur Über­tra­gung von Ver­mö­gen zwi­schen Eltern und min­der­jäh­ri­gen Kin­dern nicht anwend­bar sei, ist daher nicht aus­rei­chend.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 3. März 2016 – VIII B 25/​14

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 23.01.2007 – VIII B 134/​05, BFH/​NV 2007, 890[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 24.04.1990 – VIII R 170/​83, BFHE 160, 256, BSt­Bl II 1990, 539, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 30.03.1999 – VIII R 19/​98, BFH/​NV 1999, 1325[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 24.04.1990 – VIII R 89/​83, BFH/​NV 1991, 28[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 1999, 1325[]
  6. BFH, Urtei­le vom 26.01.2011 – VIII R 14/​10, BFH/​NV 2011, 1512; vom 29.03.2001 – IV R 71/​99, BFH/​NV 2001, 1251[]