Zurech­nung von Ein­nah­men bei Zwi­schen­schal­tung aus­län­di­scher Manage­ment­ge­sell­schaf­ten

Ein­nah­men i.S.d. § 8 Abs. 1 EStG sind dem Steu­er­pflich­ti­gen gemäß § 11 Abs. 1 EStG zuge­flos­sen, sobald er über sie wirt­schaft­lich ver­fü­gen kann 1. Geld­be­trä­ge flie­ßen in der Regel dadurch zu, dass sie bar aus­ge­zahlt oder einem Kon­to des Emp­fän­gers bei einem Kre­dit­in­sti­tut gut­ge­schrie­ben wer­den 2. Die Fäl­lig­keit eines Anspruchs allein führt – vor sei­ner Erfül­lung – noch nicht zu einem Zufluss. Ent­schei­dend ist allein der unein­ge­schränk­te, vol­le wirt­schaft­li­che Über­gang des geschul­de­ten Gutes oder das Erlan­gen der wirt­schaft­li­chen Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis dar­über 3.

Zurech­nung von Ein­nah­men bei Zwi­schen­schal­tung aus­län­di­scher Manage­ment­ge­sell­schaf­ten

Bei Zah­lun­gen an einen Drit­ten tritt der Zufluss gleich­wohl beim Steu­er­pflich­ti­gen selbst ein, wenn der emp­fan­gen­de Drit­te zur Ent­ge­gen­nah­me der Leis­tung berech­tigt ist und damit die Ver­mö­gens­wer­te für den Steu­er­pflich­ti­gen ver­ein­nahmt 4. Da der Zufluss damit bereits abge­schlos­sen ist, kommt es nicht mehr dar­auf an, ob die Ver­mö­gens­wer­te dem Steu­er­pflich­ti­gen anschlie­ßend selbst zuflie­ßen 5. Ob die wirt­schaft­li­che Ver­fü­gungs­macht über­ge­gan­gen ist, rich­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls.

Nach Maß­ga­be die­ser Grund­sät­ze sind die Zah­lun­gen mit der Gut­schrift auf den Kon­ten der Manage­ment­ge­sell­schaft zuge­flos­sen, und zwar auch der Teil der Zah­lun­gen, der nicht auf das inlän­di­sche Kon­to über­wie­sen wur­de.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 30. Janu­ar 2012 – 10 K 5492/​08

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le vom 21.07.1976 – I R 147/​74, BSt­Bl. II 1977, 46; vom 26.09.1979 – VI R 82/​76, BFHE 128, 539; vom 21.10.1981 – I R 230/​78, BSt­Bl. II 1982, 139; vom 14.02.1984 – VIII R 221/​80, BSt­Bl. II 1984, 480; vom 19.06.2007 – VIII R 63/​03, BFH/​NV 2008, 194[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 22.07.1997 – VIII R 13/​96, BSt­Bl. II 1997, 767; vom 19.06.2007 – VIII R 63/​03, BFH/​NV 2008, 194; vom 16.03.2010 – VIII R 4/​07, BFH/​NV 2010, 1527[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 22.07.1997 – VIII R 57/​95, BSt­Bl. II 1997, 755; vom 11.11.2009 – IX R 1/​09, BSt­Bl. II 2010, 746[]
  4. BFH, Urteil vom 20.02.1964 – IV 4/​61 U, BSt­Bl. III 1964, 329[]
  5. FG Ham­burg, Urteil vom 02.06.2006 – 6 K 430/​03[]