Zusam­men­ver­an­la­gung oder getrenn­te Ver­an­la­gung? – und der Rechts­miss­brauch

Die Recht­spre­chung hat das Ver­an­la­gungs­wahl­recht bis­lang vor­nehm­lich ‑bezo­gen auf das Ver­hält­nis zwi­schen den Ehe­gat­ten und nicht auf das davon zu unter­schei­den­de öffent­lich-recht­li­che Rechts­ver­hält­nis zwi­schen den Steu­er­pflich­ti­gen und dem Finanz­amt- inso­weit ein­ge­schränkt, als sich ein Ehe­gat­te nicht ein­sei­tig von der bis­he­ri­gen Zusam­men­ver­an­la­gung lösen darf, sofern dafür kei­ne wirt­schaft­lich ver­ständ­li­chen und ver­nünf­ti­gen Grün­de vor­lie­gen, son­dern der Antrag als will­kür­lich moti­viert erscheint 1.

Zusam­men­ver­an­la­gung oder getrenn­te Ver­an­la­gung? – und der Rechts­miss­brauch

So kann die Aus­übung des Ver­an­la­gungs­wahl­rechts rechts­miss­bräuch­lich und damit unwirk­sam sein, wenn der die getrenn­te Ver­an­la­gung wäh­len­de Ehe­gat­te kei­ne eige­nen Ein­künf­te hat oder wenn die­se so gering sind, dass sie weder einem Steu­er­ab­zug unter­le­gen haben noch zur Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung füh­ren kön­nen 2.

Im Streit­fall hat­te die Ehe­frau jedoch eige­ne Ein­künf­te, die einem Steu­er­ab­zug vom Arbeits­lohn unter­la­gen und deut­lich gerin­ger waren als die des Ehe­man­nes. Sie konn­te daher bei geän­der­ter Aus­übung des Ver­an­la­gungs­wahl­rechts mit einer Erstat­tung zu ihren Guns­ten rech­nen. Dies stellt aus ihrer Sicht einen wirt­schaft­lich ver­ständ­li­chen und ver­nünf­ti­gen Grund dar. Damit schei­det ein miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten der Ehe­frau aus.

In die­sem Zusam­men­hang ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof auch auf sein Urteil in BFH/​NV 2013, 193, Rz 30. Danach lässt sich ein Rechts­miss­brauch auch nicht dar­aus ablei­ten, dass die Ehe­frau die von ihrem Arbeits­lohn ein­be­hal­te­ne und ihre Ein­kom­men­steu­er über­stei­gen­de Lohn­steu­er auf­grund der nach­träg­lich aus­ge­üb­ten Wahl zur getrenn­ten Ver­an­la­gung ganz oder teil­wei­se erstat­tet bekommt, wäh­rend die sich für den Ehe­mann nach Anrech­nung der Vor­aus­zah­lun­gen erge­ben­den Zahl­las­ten mög­li­cher­wei­se nicht mehr bei­ge­trie­ben wer­den kön­nen.

Nichts ande­res ergibt sich aus dem BFH-Urteil vom 16.05.2013 3. Die­ses zog den Umfang der Ver­pflich­tungs­be­fug­nis des Insol­venz­ver­wal­ters nur zur Beant­wor­tung der Fra­ge her­an, ob das Ver­hal­ten des Insol­venz­ver­wal­ters die Insol­venz­mas­se oder das insol­venz­freie Ver­mö­gen ver­pflich­tet. Eine Unwirk­sam­keit der Aus­übung des Ver­an­la­gungs­wahl­rechts lässt sich dar­aus nicht ablei­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. März 2017 – III R 12/​16

  1. vgl. hier­zu BFH, Urtei­le vom 30.08.2012 – III R 40/​10, BFH/​NV 2013, 193; und vom 19.05.2004 – III R 18/​02, BFHE 206, 201, BSt­Bl II 2004, 980[]
  2. BFH, Urtei­le vom 03.03.2005 – III R 22/​02, BFHE 209, 454, BSt­Bl II 2005, 690; und vom 10.01.1992 – III R 103/​87, BFHE 166, 295, BSt­Bl II 1992, 297[]
  3. BFH, Urteil vom 16.05.2013 – IV R 23/​11, BFHE 241, 233, BSt­Bl II 2013, 759, Rz 30[]