Anrech­nung aus­län­di­scher Quel­len­steu­er auf die deut­sche Gewer­be­steu­er

Für die Anrech­nung aus­län­di­scher Quel­len­steu­er auf die deut­sche Gewer­be­steu­er auf­grund eines Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens ist das Finanz­amt und nicht die Gemein­de zustän­dig.

Anrech­nung aus­län­di­scher Quel­len­steu­er auf die deut­sche Gewer­be­steu­er

Die Fra­ge der Anre­chen­bar­keit der (hier: kana­di­schen) Quel­len­steu­er fällt in die aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit des Finanz­am­tes fällt, das den Steu­er­mess­be­trag nach § 11 GewStG i.V.m. § 22 Abs. 1, § 18 Abs. 1 Nr. 2 AO fest­zu­set­zen hat. Das DBA Kana­da greift in die­se Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen Finanz­amt und Gemein­de nicht ein, es stellt inso­weit kei­ne den Steu­er­ge­set­zen gemäß § 2 Abs. 1 AO vor­ge­hen­de Rege­lung dar.

Die beschrie­be­ne Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen Finanz­amt und Gemein­de bei der Fest­set­zung der Gewer­be­steu­er ent­spricht gefes­tig­ter Recht­spre­chung; sie ergibt sich im Übri­gen ein­deu­tig aus dem Gesetz. Danach ermit­teln die Finanz­äm­ter zunächst die steu­er­rele­van­ten Sach­ver­hal­te: Sie set­zen den Gewer­be­steu­er­mess­be­trag durch Anwen­dung eines Pro­zent­sat­zes (Steu­er­mess­zahl) auf den Gewer­be­er­trag durch den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid fest (§§ 11, 14 GewStG i.V.m. § 184 AO). Der Gewer­be­er­trag ist nach § 7 Abs. 1 Satz 1 GewStG der nach den Vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes zu ermit­teln­de Gewinn aus dem Gewer­be­be­trieb, ver­mehrt und ver­min­dert um die in den §§ 8 und 9 GewStG bezeich­ne­ten Beträ­ge (Hin­zu­rech­nun­gen und Kür­zun­gen). Der vom Finanz­amt erlas­se­ne Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid ent­fal­tet als Grund­la­gen­be­scheid für die Gemein­de, die in einem zwei­ten Schritt nach § 16 GewStG unter Anwen­dung ihres Hebe­sat­zes die Gewer­be­steu­er fest­zu­set­zen und zu erhe­ben hat, nach § 184 Abs. 1 Satz 4 i.V.m. § 182 Abs. 1 AO Bin­dungs­wir­kung 1.

Eine eige­ne Ent­schei­dung über die Besteue­rungs­grund­la­gen steht der Gemein­de nicht zu. Die Gemein­den sol­len kei­ne eige­nen Nach­for­schun­gen anstel­len müs­sen, weil die Finanz­be­hör­den die Besteue­rungs­grund­la­gen ohne­dies für die Zwe­cke ande­rer Steu­ern ermit­teln. Zudem sol­len die Gemein­den von den kom­ple­xen und schwie­ri­gen Fra­gen, die das Gewer­be­steu­er­ge­setz inso­fern auf­wirft, ent­las­tet wer­den 2.

Der Steu­er­pflich­ti­ge kann Ein­wen­dun­gen gegen die Besteue­rungs­grund­la­gen nur durch Anfech­tung des Steu­er­mess­be­schei­des, also aus­schließ­lich im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gel­tend machen; im Anfech­tungs­ver­fah­ren gegen den von der Gemein­de erlas­se­nen Gewer­be­steu­er­be­scheid sind Ein­wen­dun­gen gegen den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid aus­ge­schlos­sen 3.

Die Fra­ge der Anrech­nung einer aus­län­di­schen Quel­len­steu­er (hier auf steu­er­freie Divi­den­den­er­trä­ge i.S.d. § 8b Abs. 1 BVerwGtG) auf die Gewer­be­steu­er fällt in die Zustän­dig­keit der Finanz­be­hör­de. Ein mög­li­ches "Ein­falls­tor" für eine der­ar­ti­ge Anrech­nung stel­len die Hin­zu­rech­nungs- und Kür­zungs­vor­schrif­ten der §§ 8 und 9 GewStG dar 4.

Der blo­ße Hin­weis dar­auf, dass die frag­li­che Anrech­nung "als Steu­er­ermä­ßi­gung Teil der Steu­er­fest­set­zung" sei, so dass hier­über auch "im Steu­er­fest­set­zungs­ver­fah­ren" zu ent­schei­den sei, ver­kennt den sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang der hier umstrit­te­nen abkom­mens­recht­li­chen Steu­er­frei­stel­lung mit den oben erwähn­ten Hin­zu­rech­nungs- und Kür­zungs­vor­schrif­ten der §§ 8 und 9 GewStG. Dar­aus ergibt sich ohne wei­te­res die Bin­dung der Gemein­de an den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid im Rah­men des dem Finanz­amt eröff­ne­ten Fest­stel­lungs­be­rei­ches. Der Umstand, dass die Unter­neh­me­rin beim Finanz­amt nach­träg­lich die geson­der­te Fest­stel­lung der kana­di­schen Quel­len­steu­er bean­tragt hat, lässt die Bestands­kraft des die Gemein­de bin­den­den Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­des unbe­rührt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. August 2014 – 9 B 23.2014 -

  1. vgl. nur BVerwG, Urteil vom 15.06.2011 – 9 C 4.10, BVerw­GE 140, 34 Rn.20; sowie Beschlüs­se vom 02.09.1999 – 11 B 23.99 3; und vom 30.12 1997 – 8 B 161.97, Buch­holz 401.0 § 184 AO Nr. 2; BFH, Urtei­le vom 21.07.1999 – I R 111/​98, NVwZ 2000, 838, 839; und vom 19.11.2003 – I R 88/​02BFHE 204, 283 Rn. 22[]
  2. vgl. nur Bran­dis, in: Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung Stand: Mai 2011 § 184 Rn. 4[]
  3. BVerwG, Urteil vom 17.01.1980 – 7 C 56.78, Buch­holz 401.5 § 5 GewStG Nr. 3[]
  4. vgl. spe­zi­ell zu Divi­den­den­er­trä­gen Gür­off, in: Glanegger/​Güroff, GewStG, 8. Aufl.2014, § 8 Nr. 5 Rn. 6 m.w.N. sowie all­ge­mein zum Ver­hält­nis gewer­be­steu­er­li­cher Hin­zu­rech­nun­gen oder Kür­zun­gen zu bestimm­ten Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men BFH, Urtei­le vom 07.12 2011 – I R 30/​08BFHE 236, 159 Rn. 26 ff.; vom 23.06.2010 – I R 71/​09BFHE 230, 177 Rn. 10 ff.; und vom 22.02.2006 – I R 30/​05 – BFH-PR 2006, 362 Rn. 10 ff.[]