Bestim­mung der hebe­be­rech­tig­ten Gemein­de im Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid

Ein Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid ent­fal­tet kei­ne Bin­dungs­wir­kung für den Gewer­be­steu­er­be­scheid hin­sicht­lich der Bestim­mung der hebe­be­rech­tig­ten Gemein­de.

Bestim­mung der hebe­be­rech­tig­ten Gemein­de im Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid

In der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist geklärt, dass das Finanz­amt in einem Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid nicht mit bin­den­der Wir­kung für den Gewer­be­steu­er­be­scheid auch die hebe­be­rech­tig­te Gemein­de bestimmt. Die­se Bestim­mung ist als mate­ri­ell-recht­li­che Vor­aus­set­zung viel­mehr eigen­stän­dig beim Erlass des Gewer­be­steu­er­be­scheids zu prü­fen, sofern sie nicht Gegen­stand eines Zutei­lungs- oder Zer­le­gungs­be­scheids nach § 190 bzw. § 185 AO ist. Dem­entspre­chend kann gemäß § 127 AO die Auf­he­bung eines Gewer­be­steu­er­mess­be­scheids nicht allein des­halb bean­sprucht wer­den, weil er unter Ver­let­zung der Vor­schrif­ten über die ört­li­che Zustän­dig­keit zustan­de gekom­men ist [1]. Dem­zu­fol­ge kam der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil in BFHE 204, 283, BStBl II 2004, 751 zu dem Ergeb­nis, dass die Fra­ge, ob die Klä­ge­rin jenes Ver­fah­rens in den Streit­jah­ren ihre Geschäfts­lei­tungs­be­triebs­stät­te statt in X in Y gehabt habe, nicht im Ver­fah­ren gegen den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid zu beant­wor­ten sei.

Es ist nicht ersicht­lich, wes­halb die­se Recht­spre­chungs­grund­sät­ze nicht auch dann gel­ten, wenn, wie im Land Ber­lin, das Finanz­amt nicht nur für die Fest­set­zung des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags, son­dern auch für die Fest­set­zung der Gewer­be­steu­er selbst zustän­dig ist. Denn auch in die­sem Fall han­delt es sich bei dem Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid und dem Gewer­be­steu­er­be­scheid um zwei selb­stän­di­ge Ver­wal­tungs­ak­te. Die Bestim­mung des Steu­er­gläu­bi­gers, also der hebe­be­rech­tig­ten Gemein­de, als mate­ri­ell-recht­li­che Vor­aus­set­zung ist des­halb auch in die­sem Fall eigen­stän­dig beim Erlass des Gewer­be­steu­er­be­scheids zu prü­fen und ggf. in einem gegen die­sen Bescheid gerich­te­ten Rechts­be­helfs­ver­fah­ren zu klä­ren, sofern sie nicht Gegen­stand eines Zutei­lungs­be­scheids nach § 190 AO oder eines Zer­le­gungs­be­scheids nach § 185 AO ist. Es ist also nicht so, dass in einem sol­chen Fall infol­ge der Zustän­dig­keits­fest­schrei­bung eine Prü­fung der Steu­er­gläu­bi­g­er­ei­gen­schaft infol­ge Han­deln­den­iden­ti­tät nicht mehr (geson­dert) erfolgt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Janu­ar 2013 – IV B 64/​11

  1. vgl. BFH, Urteil vom 19.11.2003 – I R 88/​02, BFHE 204, 283, BStBl II 2004, 751[]